So wird das Haus sturmsicher
von Werner Ahlschwedt
WDR 18.02.2007: WDR, Sonntag, den 18.02.2007 16:30 Uhr im Ersten
Sturm beginnt für die Versicherung ab Windstärke acht. Das sind Windgeschwindigkeiten von 60 bis 70 Stundenkilometern. Sturmschäden sind meist ein Fall für die Versicherung und in der regulären Wohngebäudeversicherung eingeschlossen.
Bildunterschrift: Sturmschäden sind meist ein Fall für die Versicherung]
Wer sein Haus jedoch nicht gegen vermeidbare Sturmschäden sichert,
gefährdet im schlimmsten Fall seinen Versicherungsschutz. Dabei
reichen oft schon einfache Mittel aus, teure Schäden und damit
Ärger zu vermeiden.
Sturmgeprüft: die Halligbewohner
Bildunterschrift: Halligbewohner Leif Boyens]
Wer könnte mehr Erfahrungen haben, als die von Sturm und Flut
geprüften Bewohner der nordfriesischen Hallig Hooge. Wir wollen
wissen, wie sie ihre Hauser einfach und gut gegen Sturmschäden
schützen und besuchen Leif Boyens. Er ist auf Hooge aufgewachsen,
wohnt und betreibt auf der Volkertswarft eine Ferienunterkunft für
Gruppen. Leif Boyens hängt gerade die Schotten ein. „Nach dem
Sturm ist für uns vor dem Sturm. Das hier machen wir schon seit
Generationen.“
Alle Schotten dicht
Bildunterschrift: Regelmäßige Kontrolle des Daches ist wichtig]
Die Halligbewohner greifen zu preiswerten Mitteln, um teure Schäden
und Ärger zu vermeiden. Sogenannte Schotten aus Sperrholz schützen
die Fenster vor umherfliegenden Teilen und halten außerdem den
Winddruck ab. Damit sie bei Sturm nicht immer im Dunkeln hocken,
schützen einige Hooger ihre Fenster auch durch schwere
Acrylglasplatten. Sie werden in zwei Teilen in Führungsschienen
dicht vor die Fenster gesetzt. So kommt Tageslicht rein. Und der
Sturm hat aber keine Angriffsfläche. „Nur die einfach
verglasten Fenster können durch den Wind eingedrückt
werden“, meint Leif Boyen, selten seien es die
Thermofenster. Geschlossene Fenster gehen meist nicht durch den
Wind kaputt, sondern durch herumfliegende Teile.
Die Fehler der Festländer
Auf keinen Fall sollte man bei Sturm das Fenster in Kippstellung lassen oder es gar vergessen. Eine heftige Böe reicht aus und reißt es aus der Halterung. Das gilt auch für Rollläden an den Fenstern. Die sind zwar nur auf dem Festland zu finden - die Hooger haben so etwas nicht -, sie sollten aber bei Sturmwarnung komplett heruntergelassen werden. Halb geschlossene Rollläden können durch starken Wind nämlich ausgehebelt werden.
Kneipentüren gegen den Sturm
Bildunterschrift: Eine Doppeltür in einem Hallighaus]
Die Außentüren - oft sind es Doppeltüren - gehen auf der Hallig
Hooge meistens wie Kneipentüren nach außen auf, so dass sie durch
den Winddruck in die Zarge gedrückt werden. So stemmen sich Tür und
Türrahmen gemeinsam gegen den Wind. Kellerfenster sind auf Hooge
meist aus Glasbausteinen. „Da kommt Licht rein und dennoch
ist das wesentlich stabiler als normales Glas“, meint Leif
Boyens. Alles, was herumgewirbelt werden könnte, wie Sonnenschirme,
Blumenkübel oder Terrassenmöbel, muss bei Sturmwarnung in
Sicherheit gebracht werden. Blitzableiter, Antennen und besonders
Satellitenschüsseln überstehen zum Beispiel die Halligstürme nur,
wenn sie mit zusätzlichen Stützen versehen oder mit dicken Balken
gesichert sind.
Bildunterschrift: Dachpfannen können befestigt werden]
Dächer sind bei Sturm besonders gefährdet, nicht nur auf der
Hallig Hooge. Die Witterung kann ein Dach schon soweit geschwächt
haben, dass es den nächsten Sturm kaum übersteht. Beschädigen
Dachpfannen durch einen Sturm das Nachbarhaus, kann unter Umständen
der Hauseigentümer für Schäden zur Kasse gebeten werden. Er muss
nachweisen, dass sein Dach regelmäßig kontrolliert wurde und in
ordnungsgemäßem Zustand war. „Der Besitzer muss das Haus in
einem versicherungsfähigen Zustand halten", sagt Rainer
Brodersen, Versicherungssachverständiger von Nordstrand.
Werden offensichtliche Schäden nicht sofort repariert, setzt man den Versicherungsschutz aufs Spiel. Wer als Laie das Dach anschaut, jedoch keine Beschädigungen erkennt, ist nach Ansicht von Rainer Brodersen seiner Pflicht nachgekommen, und die Versicherung tritt für den Schaden ein. „Früher flogen uns die Pfannen reihenweise weg", sagt Leif Boyens. Seitdem werden die Dachpfannen geklammert, verschraubt oder sogar verschäumt. „Bauschaum gibt etwas nach und macht das Dach ein bisschen flexibler. Wir schwören drauf. Es hat bei uns viel gebracht“, strahlt der Hooger.
Besonders die Firste und die Grate bieten dem Wind Angriffsflächen. Wer sicher gehen will, klammert oder verschraubt die Dachpfannen. Problemzonen sind auch die seitlichen Dachabschlüsse. Defekte Flachdächer können sich sogar vollständig lösen. Sie heben dann wie ein Segel ab.
Baumcheck
Bildunterschrift: Satellitenschüsseln kann man zusätzlich sichern]
Wenn ein Baum auf das Dach fällt, regelt das die Versicherung.
Ist ein gesunder Baum umgefallen, ist dies „höhere Gewalt“. Der
Eigentümer haftet nicht für den Schaden. Nur morsche Bäume schaffen
Ärger. „Ist der Baum morsch, hat natürlich der Baumbesitzer
bzw. der Gebäude- oder Grundstücksbesitzer die Pflicht, den Baum so
zu entfernen, dass er keine Gefahr mehr für das Haus darstellt.
Macht er es nicht, handelt er fahrlässig oder teilweise sogar grob
fahrlässig. Und da ist die Versicherung von der Leistung
frei“, meint der Versicherungssachverständige Rainer
Brodersen. Eine Kontrolle bei Sturmwarnungen reicht jedenfalls
nicht aus. Besonders flach wurzelnde Nadelbäume wie Fichten sind
kritisch und sollten besonders begutachtet werden.
Zum Glück sind die wenigen Bäume für die Hallighäuser keine große
Gefahr. Auf Wind und Wellen sind die Hooger gut vorbereitet. Dem
nächsten Sturm sehen sie deshalb ganz gelassen entgegen.
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