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17.03.2010

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Katalysator in der Gardine

von Jörg Heimbrecht

WDR 18.02.2007: WDR, Sonntag, den 18.02.2007 16:30 Uhr im Ersten

Beitrag als WebTV mit Gebärden-Dolmetscher

 

 

Die ADO Gardinenwerke in Papenburg an der Ems sind der größte deutsche Gardinenhersteller. Der Betrieb hat einen Stoff auf den Markt gebracht, der Schadstoffe im Innenraum zu ungefährlichen Substanzen abbauen soll, weil er mit einem Katalysator beschichtet wurde.

Christoph Schepers von den ADO-Werken; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Christoph Schepers, ADO-Werke]
Unsere Gardinen können dazu beitragen, die Raumluft zu verbessern“, bestätigt uns Christoph Schepers, technischer Leiter bei den ADO Gardinenwerken. „Sie wirken auf katalytischem Wege unter Lichteinfluss und bauen somit Raumschadstoffe ab.“ Wie ADO machen auch andere Firmen, wie Teba, Unland, Kadeco und die Bamberger Kaliko Werbung für Gardinen, Rollos oder Jalousien, die Wohnungen und Büros mit unterschiedlich wirkenden Katalysatoren von Schadstoffen befreien sollen.

Test unter Laborbedingungen

Glasgefäß mit Gardinenstreifen; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Glasgefäß mit Gardinenstreifen]
Alle Hersteller haben uns entsprechende Gutachten vorgelegt. Die ADO-Katalysatorgardine und auch Produkte von Konkurrenzunternehmen hat z.B. das Institut für Umweltschutz und Agrikulturchemie in Velbert bei Düsseldorf getestet. Ein Glasgefäß wird mit Streifen von einer Katalysatorgardine bestückt. Dann werden Chemikalien wie Formaldehyd eingespritzt und tatsächlich, der Katalysator baut Schadstoffe ab, die häufiger in der Luft von Innenräumen zu finden sind. Anders als der Hersteller ist das von ADO beauftragte Labor aber nicht so sicher, ob die Gardine auch die Luft von Wohnung und Büros reinigt.

Dipl. Chem. Ing Thomas Schütte; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Dipl. Chem. Ing Thomas Schütte]
Wir haben festgestellt, dass unter Laborbedingungen diese Schadstoffe abgebaut werden“, erklärt Dipl. Chem. Ing. Thomas Schütte vom Institut für Umweltschutz und Agrikulturchemie im Interview. „Es war aber nicht unsere Aufgabe, das unter realen Raumluftbedingungen zu analysieren. Das müsste auf jeden Fall dann noch mal getestet und untersucht werden.

Test in einem belasteten Büroraum

Schadstoffbelastetes Ingenieurbüro; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Schadstoffbelastetes Ingenieurbüro]
Genau das wollen wir nachholen. Wir fahren zum Ingenieurbüro John Becker in Worpswede bei Bremen. Da haben die Handwerker vor knapp zwei Jahren ein neues Stockwerk aufgebaut. Seitdem stinkt es den Angestellten: „Als wir die Räume hier 2005 bezogen haben, haben wir festgestellt, dass sich ein stechender Geruch hier bemerkbar macht“, bestätigt uns Martin H. Mergelmeyer aus dem Ingenieurbüro. „Wir mussten ständig lüften. Es haben sich bei einigen Kollegen Kopfschmerzen breit gemacht. Einige hatten Halskratzen. Wir wussten nicht genau, wo es herkommt.

Die Firma beauftragte das akkreditierte Bremer Umweltinstitut mit Analysen. Ergebnis: Ursache sind Schadstoffe aus Isolierplatten und Dichtmassen. Und die müssten eigentlich von Katalysatorgardinen und -rollos abgebaut werden, wenn man der Werbung der Hersteller trauen darf. Deshalb lassen wir in einem der schadstoffbelasteten Büroräume Rollos vom ADO-Konkurrenten Kadeco aus einem BaKaSave®-Katalysatorstoff montieren. In einem zweiten Raum lassen wir eine ADO-ActiBreeze®-Katalysatorgardine aufhängen. Ein dritter Raum bleibt als Vergleichsraum ohne Rollo oder Gardine. Zwei Mal in den zwei Wochen danach misst das Bremer Umweltinstitut noch mal.

Keine gravierenden Veränderungen

Büroraum mit Gardinen; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Katalysatorgardine in einem Büro]
Das Ergebnis: „Wir haben die Räume untersucht vor und nach dem Aufhängen der Gardinen und Jalousien. Es gibt immer kleine Schwankungen in den Räumen, die abhängig sind von der Außenlufttemperatur oder von der Tatsache, wie weit die da die Heizung aufdrehen. Diese kleinen Schwankungen hatten wir auch“, erklärt uns Michael Köhler vom Bremer Umweltinstitut. „Aber gravierende Veränderungen durch diese Materialien haben wir nicht feststellen können. Wenn diese Materialien irgendeinen positiven Einfluss haben, dann ist er so klein, dass wir ihn nicht messen können.

Die Hersteller können sich das nicht erklären. Sie verweisen auf die Untersuchungen, die sie in Auftrag gegeben haben und die zu einem anderen Ergebnis kommen. Die Bamberger Kaliko GmbH, Hersteller des Rollo-Katalysatorstoffs schreibt weiter: „Unser Rollostoff kann nur seine Wirkung entfalten, wenn er lange genug herabgelassen ist.“ In unserem Testbüro waren die Rollos natürlich auch manchmal oben.

Stellungnahme von ADO

ADO schreibt in einer Stellungnahme zu unserem Testergebnis: „Wir bewerben eine Raumluftverbesserung. Wir versprechen nicht, dass unsere Stoffe als Ersatz für Sanierungen aufgrund von massiven Schadstoffbelastungen funktionieren.“ Die Schadstoffkonzentrationen in unserem Testraum für die ADO-Gardine lagen allerdings weit unter den Konzentrationen, die bei den von ADO in Auftrag gegebenen Labortests eingesetzt wurden.

Vielleicht zeigt die Gardine ja auch in unserem Testraum keine messbare und im Labor eine gute Wirkung, weil bei Untersuchungen für ADO im Labor rund 30-mal so viel Gardine mit Katalysator pro Kubikmeter Luft verwendet wurden, wie in unserem Test-Büroraum. „Die Rahmenbedingungen der Versuche sind nicht von uns festgelegt worden,“ erklärt uns dazu Thomas Schütte, Institut für Umweltschutz und Agrikulturchemie. „Wir haben uns da absolut nach den Vorgaben der Hersteller gerichtet und die exakt nachgearbeitet.“ Wir können das kaum glauben, aber auch ADO erklärt uns: Erst habe die Konkurrenz die wenig realistischen Testverfahren festgelegt, was die bestreitet. „Da haben wir uns logischerweise auch daran orientiert, wie unser Mitbewerber testet und diese für unsere Laborausarbeitungen übernommen“, so Christoph Schepers von den ADO Gardinenwerken im Interview mit dem ARD Ratgeber Bauen+Wohnen.

 

Dieser Text gibt den Inhalt des Fernsehbeitrags von Ratgeber Bauen+Wohnen vom 18.02.2007 wieder, ergänzt um Zusatzinformationen der Redaktion. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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