Der Denkmal-Sanierer
von Klaus Kuderer
WDR 04.12.2011: WDR, Sonntag, den 04.12.2011 16:30 Uhr im Ersten
Bildunterschrift: Sanierung muss nicht immer teuer sein]
Unvorstellbar hohe Kostenvoranschläge für die Sanierung von historischen Gebäuden schrecken viele interessierte Investoren immer wieder ab, ein Baudenkmal zu kaufen und wieder instand zu setzen. Kernsanierungen und die oftmals gewünschte perfektionistische Erneuerung von Fassaden, Fensterrahmen und der Haustechnik sind dabei erhebliche Kostenfaktoren. Doch es geht auch anders.
Kernsanierung - nein danke!
Recycling ist in aller Munde, nur bei der Baudenkmalsanierung offenbar weniger. Eine grunderneuerte Fassade, ein neu gedecktes Dach - und schon „wirken viele renovierte historische Häuser wie geklonte Neubauten, die dann mit einer Patina nachträglich versehen werden“, meint Frank Pastille. Der gelernte Bauingenieur aus dem sächsischen Grimma, südöstlich von Leipzig gelegen, ärgert sich immer wieder darüber, dass viele Altbauten dem Verfall preisgegeben sind, weil ihre Instandsetzung angeblich zu kostspielig sei.
Bildunterschrift: Viele Baudenkmäler im Muldetal stehen leer]
Das malerische Muldetal ist voller Baudenkmäler und nicht wenige stehen leer oder sind schon Ruinen. Frank Pastille hat mit nur wenig Eigenkapital 27 dieser Bauten gekauft - Renaissancehäuser ebenso wie Fachwerkbauten - und damit gerettet. Sein Motto: Weniger ist mehr! Er nimmt Risse in Holzbalken oder in der Hausfassade hin, nur das Notwendige wird saniert. Schritt für Schritt und somit behutsam und preisgünstig können so ganze Wohnetagen wieder hergerichtet und damit neu vermietet werden. Übrigens für nur ortsübliche vier Euro per Quadratmeter.
Schornsteine, Dachziegel und Holzböden erhalten!
Alte Dachziegel, Holzdielen, Türen und Fensterrahmen werden wieder verwendet, aufgearbeitet oder nur teilweise ausgebessert. Das spart zusätzliche Kosten und kostet immer mal wieder Überzeugungskraft beispielsweise bei einigen Handwerkern. Denen muss der „Denkmal-Sanierer“ hin und wieder die Devise austreiben, dass lädierte Stellen an Wänden und Decken übertüncht werden müssten.
Bildunterschrift: Der Schornstein kann gerettet werden]
Auch geplagte Bauherren melden sich immer wieder mal beim erfahrenen Baudenkmalexperten. Ein alter Schornstein soll weg, wird ihm auf einer Baustelle eines mehrere hundert Jahre alten Hauses gesagt, doch Pastille widerspricht: Der könne für 1.000 Euro wieder funktionstüchtig gemacht werden, während der Abriss und Neuaufbau bis zu drei Mal so viel kosten könnte. Auch ein alter Holzboden ist seiner Meinung nach zu retten, nur der Unterboden müsste erneuert werden.
Denkmalschutz - ja bitte!
„Bevor mich ein Haus interessiert, habe ich immer erst mal beim Amt für Denkmalschutz nachgefragt“, erklärt Pastille, „die wissen alles über das Gebäude und können es gut einschätzen.“ Und die freuen sich über seine Aktivitäten. „Viele Bauherren wollen fast alles erneuern oder auswechseln“, bestätigt Jörg Liebig von der Unteren Denkmalschutzbehörde Mittelsachsen, „Herr Pastille aber will möglichst alles erhalten.“
Bildunterschrift: Solche Fenster sollte man bei einer Sanierung erhalten]
Man arbeite Hand in Hand und gebe Tipps und Anregungen. So wie bei den Jugendstilfliesen in der ehemaligen Lohgerberei in Geringswalde. Der Denkmalschützer datiert die Boden- und Wandfliesen und befürwortet die Ausbesserung mit einfachen, farbähnlichen Mitteln. Übrigens: Fördermittel für Privateigentümer gibt es kaum welche. Nur in Form von „energieeffizienter Sanierung“ gewährt die Kreditanstalt für Wiederaufbau auch für Denkmäler günstige Kredite.
Frank Pastille gibt jetzt zumindest sein Wissen in Workshops an andere Bauherren weiter. Und zwar in der Lohgerberei, die als „gläserne Baustelle“ für Besucher und Interessierte zur Pilgerstätte werden soll - zwischen alten Kachelöfen und Jugendstildeckenmalereien.
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