Hawaiipalme
Eine Schönheit aus Kauai
von Markus Phlippen
WDR 02.03.2008: WDR, Sonntag, den 02.03.2008 16:30 Uhr im Ersten
Bildunterschrift: Hawaiipalme]
Auf Hawaii wächst eine der ganz seltenen Pflanzen der Erde, und
zwar an den höchsten Meeresklippen der Welt. Die Hawaiipalme ist
eine Pflanze mit einer äußerst traurigen Geschichte, der vielleicht
aber doch noch ein glückliches Ende beschieden ist: Ihr ist der
Bestäuber abhanden gekommen, offenbar ist er ausgestorben -
keiner kennt ihn. Jetzt spielen Wissenschaftler die Rolle des
mutmaßlichen Schmetterlings und bestäuben die letzten sieben,
überwiegend weiß blühende Exemplare, die es von ihr in freier Natur
noch gibt.
Nur noch sieben Exemplare
Reichen diese letzten aus, um die Art mit Namen Brighamia insignis zu erhalten? Es scheint zu funktionieren. Besuch bei einem niederländischen Exotenzüchter in Warmenhuizen, der eng mit hawaiianischen Forschern zusammen arbeitet und weiß, wie die 'Brighamia' bestäubt werden muss: "Die Pflanze hat einen männlichen und einen weiblichen Teil. Hier ist sie noch immer geschlossen - so schützt sie sich vor Selbstbestäubung. Und erst später öffnet sie sich und dann kann sie bestäubt werden", sagt Andre Dekker. Dazu nimmt er die Pollen einer anderen Pflanze und bringt sie vorsichtig auf den weiblichen Teil der Blüte. "Dann müssen wir warten, bis die Samen entstehen. "
Der geheimnisvolle Bestäuber muss einen sehr langen Saugrüssel haben, denn der Nektar sitzt tief unten am Fuß der dreizehn Zentimeter langen Blüten. Die Aussaat in Hawaii brachte die erste Generation hervor, bei der Menschen nachgeholfen haben. Alle Hawaiipalmen stammen jetzt von diesen Pflanzen ab. Herauszufinden, ob die Nachkommen sich möglicherweise als Zierpflanzen in heimischen Gefilden eignen, war Aufgabe der Holländischen Züchter. In Zusammenarbeit mit 'The World Conservation Union' (IUCN), dem weltweit größten Netzwerk für Artenschutz, wurde die Aufgabe in Angriff genommen:
Hübsche Zimmerpflanzen
"Wir haben etwas Saatgut von diesen Pflanzen bekommen und
haben getestet, ob es in unserem Klima geeignet ist, weil das
natürlich ganz anders als in Hawaii ist", berichtet Dekker.
Man habe einige Auslesen betrieben und die gelbblütige Linie
'Kirsten' selektiert, die sehr einfach in unserem Klima wächst und
auch zu Hause sehr einfach zu halten sei. "Man soll sie
pflegen wie einen Kaktus. Ganz wenig gießen - eigentlich
einmal die Woche ein bisschen, das reicht." Der Stamm der
Pflanze ist ein Wasserspeicher, das heißt, sie kann einfach 6
Wochen ohne Wasser überleben. "Sie können ruhig in Urlaub
fahren. Alte Blätter werden gelb - so wie diese - die
können Sie einfach abbrechen. "
Bildunterschrift: Hawaiipalme Milchsaft]
Dabei tritt ein klebriger weißer Milchsaft zutage, der schnell
aushärtet und die Wunde verschließt. Unterhalb der Krone
entsteht so mit den Jahren ein hübscher bauchiger Stamm mit
charakteristischen Blattnarben. Damit erinnert die Hawaiipalme in
der Tat an eine Palme, botanisch gesehen gehört sie jedoch zu den
Glockenblumengewächsen - die Blüten verraten sie! Und sie hat noch
mehr Überraschungen auf Lager. Das besondere an dieser Pflanze ist
die Sommerruhe und das Wachstum im Winter. "Im Winter macht
sie viele neue Blätter und verliert kaum welche. Wenn es Sommer
wird, verliert sie ziemlich einfach ihre Blätter und das hat damit
zu tun, dass es auf Hawaii immer 12 Stunden dunkel ist und zwölf
Stunden Licht ", erklärt Andre Dekker. Da es bei uns im
Sommer aber immer länger als zwölf Stunden hell ist, bekommt sie
etwas Stress und stößt deswegen ihre Blätter ab - ein natürlicher
Vorgang.
Sommerruhe für Hawaiipalmen
Die Gärtner brauchen sich deswegen nicht zu sorgen und können
die Pflanze im Sommer an einen schattigeren Ort stellen. Dann
kommen ab August neue Blätter, gefolgt von hübschen Blüten im
Herbst. Brighamia insignis ist sehr genügsam, nur Spinnmilben
können manchmal Probleme machen: "Sie brauchen nicht zu
spritzen. Sie brechen einfach die befallenen Blätter ab, so dass
nur noch die kleinen Blätter übrig bleiben ", erklärt
Dekker. Man wäscht den Stamm sehr gut ab mit lauwarmem Wasser unter
dem Wasserhahn, dabei auch die Unterseiten der Blätter abwaschen,
Schon bald kämen neue Blätter und innerhalb von sechs Wochen
sei sie wieder wie neu.
Bildunterschrift: Hawaiipalme Blüten]
Die Zuchtarbeit in Holland verhilft den hawaiianischen Forschern
jedenfalls zu wertvollen Erkenntnissen und der Verkauf der
Zierpflanzen bringt finanzielle Unterstützung für das
Artenschutznetzwerk. Viel weiß man noch nicht über die Brighamia:
Sie hat Blätter wie ein Kohlkopf, wird wie ein Kaktus gepflegt und
man nennt sie Palme. Sie gehört aber zu den Glockenblumen! Doch wie
alt kann sie werden? "Ich weiß es nicht ganz genau",
sagt Dekker, "aber ich glaube sie kann ziemlich alt werden.
Wir haben selber Pflanzen, die sind fünfzehn Jahre alt und die
sehen nicht aus, als wenn die morgen kaputt gehen - Also ich
glaube, es wird noch lange dauern. "
Bezugsquelle:
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