Ilex - die besten Sorten
von Friedemann Borchert
WDR 18.12.2011: WDR, Sonntag, den 18.12.2011 16:30 Uhr im Ersten
Beitrag als WebTV mit Gebärden-Dolmetscher
Bildunterschrift: Ilex 'Golden Milkboy']
Die Gartenschere hat Yvo Meyling immer dabei, wenn er den Garten mit den vielen Ilexsträuchern betritt. Ständig gibt es etwas an ihnen herumzuschnibbeln. Vor über 15 Jahren fing er damit an, den 11.000 Quadratmeter großen elterlichen Garten mit zahlreichen Ilex-Züchtungen zu bestücken. Die Begeisterung ist nach wie vor sehr groß: Ich finde es einfach faszinierend, was die Gattung Ilex an verschiedenen Farben und Formen hervorgebracht hat
, sagt Meyling.
Kennen gelernt hatte er die phantastische Ilex-Vielfalt beim bekannten Experten Hans-Georg Buchtmann. Inzwischen zählt der gelernte Baumschulmeister mit über 250 Arten und Sorten in der eigenen Sammlung selbst zu den Ilex-Experten: Eine der ganz wenigen Nutzpflanzen aus der Gattung Ilex, so verrät er, sei der Matestrauch Ilex paraguariensis aus Südamerika, Lieferant der koffeinhaltigen Mateblätter.
Beeren-Vielfalt
Bildunterschrift: Ilex mit gelben Beeren]
Ilex aquifolium - unsere heimische Stechpalme - ist eines der wenigen immergrünen Laubgehölze in Mitteleuropa mit typisch lederartigen, stacheligen, dunkelgrünen Blättern. Aus dem heimischen Ilex sind unzählige Zierformen hervorgegangen, zum Beispiel solche mit hellgrünen oder mit gelben Blatträndern. Bei anderen dagegen ist das Innere der Blätter gelb. Oder sie unterscheiden sich in der Farbe der Beeren, die gewöhnlich rot sind und damit äußerst attraktiv für die Vogelwelt. Die spielt eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der Samen. Es gibt aber auch Ilex mit schwarzen, weißen oder gelben Früchten. Zu letzteren zählen die Sorten 'Bacciflava', 'Goldfrucht' und 'Pyramidalis Fructu Luteo'.
Bildunterschrift: Ilex 'Ferox Argentea']
Ein besonders wehrhaftes Exemplar ist der Stachelschwein-Ilex 'Ferox Argentea', bei dem sogar auf der grün-gelben Blattoberfläche viele spitze Stacheln sitzen. Es gibt aber auch Ilex, die nicht pieksen, wie die Altaclerensis-Sorte 'Howick' mit glattrandigen Blättern
, erklärt Meyling. Besonders schön seien aber die vielen gelbbunten Sorten wie 'Sunny Foster', die in voller Sonne am besten wirke. Aber selbst an trüben Wintertagen bringt sie Farbe in den Garten. Zu Meylings Favoriten zählt 'Golden Milkboy': Ich mag Sorten besonders gerne, die in der Mitte gelb sind und am Rand grün. Man sieht am Rand außen dieses Dunkelgrün und dann so ein Mittelgrün und dann dieses schöne leuchtende Gelb.
Getrennte Geschlechter
Bildunterschrift: männliche Ilex-Blüte]
Beim Ilex herrscht Geschlechtertrennung: Von den rein männlichen Pflanzen mit Blüten, die nur vier gelbe Staubblätter und keinen Stempel haben, muss wenigstens ein Exemplar in der Nähe von weiblichen Pflanzen stehen, weil die sonst keine Beeren bekommen. Eine der wenigen Ausnahmen ist der holländische Zwitter 'J. C. van Tol', der für die leuchtend roten Beeren keinen Bestäubungspartner braucht, weswegen er wohl in unseren Gärten so verbreitet ist. Neben den vielen weiblichen Blüten gibt es auch ein paar männliche.
Bildunterschrift: 'J.C. van Tol' mit roten Beeren]
Nachteilig ist, dass sich 'J. C. van Tol' wenig verzweigt und im Inneren des Strauches typischerweise ziemlich kahl wird. Um ihn schön buschig zu bekommen, sollte er am besten schon als junge Pflanze regelmäßig gestutzt werden. Yvo Meyling bevorzugt kompakte Ilexpflanzen, viele sind als Kugel oder Kegel geschnitten. Nur kann das auf Kosten des Beerenschmucks gehen. Eine weitere selbstfruchtbare Sorte ist übrigens 'Limsi'. Wer einen guten Befruchter für seine weiblichen Ilexpflanzen sucht, kann zu 'Myrtifolia' oder 'Blue Prince' greifen.
Frostharte Hecken-Ilex
Bildunterschrift: Ilex 'Heckenfee']
Auch als Hecke macht Ilex eine gute Figur. Hier empfiehlt Yvo Meyling vor allem zwei Sorten: 'Heckenfee' und 'Heckenstar'. Die 'Fee' ist weiblich und bekommt rote Beeren, der 'Star' dagegen ist männlich und ein guter Bestäuber, nicht nur für die 'Heckenfee', sondern auch für weibliche Aquifolium-Formen. Beide Heckensorten wachsen vergleichsweise schnell und besitzen ein dunkles, blaugrünes Laub mit 'Stacheln', die nicht stechen.
Auch für den Kübel sind sie gut geeignet, weil sie zu den äußerst winterharten sogenannten 'Blauen Stechpalmen' zählen. Darunter versteht man Kreuzungen des heimischen Ilex aquifolium mit Ilex rugosa, der aus dem Norden Japans stammt. Ihm wird eine extreme Frosthärte nachgesagt, bis zu minus 40 Grad soll er vertragen. Die ersten Kreuzungen nahm die amerikanische Hobbyzüchterin Kathleen Kellogg Meserve vor, die sich Ilexsorten wünschte, die die harten Winter im Nordosten der USA aushalten. Ihr zu Ehren werden die Blauen Stechpalmen-Hybriden Ilex x meservae genannt.
Der erste Formschnitt bei Heckenpflanzen erfolgt am besten Ende April, Anfang Mai mit Beginn des Austriebs. Wer allerdings stärkere Eingriffe vornehmen möchte, muss sich an die neuen rechtlichen Regelungen zum Vogelschutz halten und bis Ende Februar seine Hecken geschnitten haben. Wenn man die Pflanzen sehr buschig und kompakt haben möchte, folgt drei bis vier Wochen später, also Ende Mai, Anfang Juni, ein zweiter Schnitt. Dabei werden die frischen Triebe um die Hälfte eingekürzt, was zu einer stärkeren Verzweigung führt.
Ilex als Buchsbaum-Ersatz
Bildunterschrift: Ilex crenata als Kugel geschnitten]
Von Natur aus sehr buschig wächst die Japanische Stechpalme, Ilex crenata, die mit den kleinen, immergrünen Blättern dem Buchsbaum zum Verwechseln ähnlich sieht; 'crenata' bezieht sich auf die leicht gekerbten Blattränder. Meylings streng geschnittene Kugeln beweisen: zum Buchsbaum ist Ilex crenata eine prima Alternative.
Um den Buchsbaum ist es nämlich schlecht bestellt. Neben diversen Schädlingen und Krankheiten macht ihm ein neuartiger Pilzerreger namens Cylindrocladium buxicola zu schaffen, der sich kontinuierlich ausbreitet und immer mehr Buchshecken und Kugeln dahinrafft. Ilex crenata ist allerdings starkwüchsiger und muss deswegen häufiger beschnitten werden, als man es vom Buchsbaum her kennt. Besonders gut als Ersatz für Buchsbaum eignen sich die Sorten 'Glory', 'Stokes' und 'Minor', verrät Yvo Meyling.
Einfache Stecklingsvermehrung
Bildunterschrift: Ilex-Stecklinge im Zimmergewächshaus]
Beim Ilex kann jede Menge Schnittgut anfallen, warum also nicht mal die Stecklingsvermehrung ausprobieren? Der beste Zeitpunkt dafür ist der August, weil die Triebspitzen die perfekte Holzreife haben. Man schneidet sie in einer Länge von 10-12 Zentimeter ab, entfernt die untersten beiden Blätter und schneidet mit einem scharfen Messer nochmals schräg nach. Die Triebe dann in ein feuchtes Gemisch aus Torf und Sand stecken und gut andrücken.
Sehr praktisch dafür ist ein kleines Zimmergewächshaus mit durchsichtigem Deckel. Die Stecklinge kurz einsprühen, um die Luftfeuchte zu erhöhen, den Deckel aufsetzen und das Ganze drinnen auf die helle Fensterbank stellen. Allerdings nicht an die Südseite, pralle Mittagssonne vertragen solche Stecklinge nämlich nicht. Bis zum nächsten Frühjahr, erklärt Meyling, seien dann im Schnitt neun von zehn bewurzelt, auch ohne Bewurzelungshormone oder andere Hilfsmittelchen. Dann könne man sie einzeln in Töpfe umpflanzen.
Vielfalt durch Sprossmutationen
Bildunterschrift: Sprossmutation beim Ilex]
Die Stecklingsvermehrung bietet sich dann besonders an, wenn es zu einer der häufigen sogenannten Sprossmutationen kommt. Darunter versteht man ganz spontane Veränderungen im Aussehen des Ilex. Das kann die Farbe der Blätter betreffen, aber auch die Art der Bestachelung. Zum Beispiel ist die attraktive gelblaubige Sorte 'Yellow Star' als Steckling einer Sprossmutation an der reingrünen Sorte 'Alaska' entstanden. Beide tragen leuchtendrote Beeren. Wer so eine Sprossmutation entdeckt, kann im Prinzip seine ganz eigene Ilex-Sorte kreieren. Weil echte Neuheiten aber relativ selten sind, bestimmte Sprossmutationen also wiederholt auftreten, und ein Spross auch in die ursprüngliche Sorte wieder zurückfallen kann, entfernen echte Fans, wie Yvo Meyling, in den meisten Fällen solche Veränderungen. Die Ilexpflanze soll ihr typisches Aussehen behalten, auch deswegen ist die Gartenschere immer mit dabei.
Keine Staunässe
Bildunterschrift: Amerikanische Korallenhülse]
In der Regel heißt es, Ilex solle man in den Schatten oder Halbschatten pflanzen. Allerdings hat Yvo Meyling die Erfahrung gemacht, dass einige gelblaubige Sorten erst in voller Sonne richtig gelb werden. Die gelben Zweige von 'Sunny Foster' biegt er zur Demonstration auseinander. Darunter kommen Blätter zum Vorschein, die durchweg grün sind, denn dort kommt einfach keine Sonne hin. Bei vollsonnigen Standorten muss man aber damit rechnen, während länger dauernder Hitzeperioden ab und zu durchdringend wässern zu müssen. Vor allem gilt das für junge Ilex-Exemplare.
An den Boden stellt der Ilex keine besonderen Ansprüche. Ist er sehr sandig, sollte man ihn durch Humusgaben oder durch Zugabe von Pflanzerde nährstoffreicher machen. Wichtig sei nur, so Meyling, dass Ilex nicht längere Zeit im Wasser steht. Einzige Ausnahme: Ilex verticillata, die Amerikanische Korallenhülse verträgt auch Staunässe. Bei ihr färbt sich das Laub im Herbst gelb, um dann abgeworfen zu werden. Im Winter leuchten ihre vielen roten Beeren dann umso stärker. Solche blattlosen Beerenzweige von Ilex verticillata und auch von Ilex serrata, der Japanischen Korallenhülse, sind es, die drinnen für Weihnachtsdekorationen immer beliebter werden.
Bezugsquellen:
Das Standardsortiment in den Gartencentern ist i.d.R. gering. Bezugsquellen für Ilexsorten erfahren Sie bei der Hotline WDR Fernsehen: 0221-56789 999.

