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23.02.2012

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Ivan Hicks - Gartenphantasie im Winter

von Markus Phlippen

WDR 18.12.2011: WDR, Sonntag, den 18.12.2011 16:30 Uhr im Ersten

Beitrag als WebTV mit Gebärden-Dolmetscher

 

Ivan Hicks und Clive Farrel; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Ivan Hicks und Clive Farrel]
In der südenglischen Grafschaft Dorset liegt ein fast vierzig Hektar großes, privates Anwesen mit dem mystisch anmutenden Namen 'Ryewater Nursery'. Der Besitzer, Clive Farrel, ist Jurist und Insektenforscher. Er hat deshalb darauf Wert gelegt, alle Gartenbereiche besonders auf die Bedürfnisse von Insekten und anderen wild lebenden Tieren auszurichten. Dieser Ansatz war ein wichtiger Aspekt für den befreundeten Garten-Designer Ivan Hicks, der auf Ryewater Nursery im Auftrag von Farrel mehrere Gartenräume entstehen ließ, die auch im Winter pure Magie ausstrahlen. Wir begleiteten den vielleicht einzigen surrealistischen Gartenkünstler der Welt bei einem Winterspaziergang durch seine Gartenträume auf der 'Ryewater Nursery'.

Der Klettergarten

Klettergarten; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Klettergarten]
Der Klettergarten widmet sich als kleinster der von Hicks gestalteten Gartenräume - Nomen est omen - ganz den Kletterpflanzen. Auf der Größe eines durchschnittlichen Hausgartens ranken verschiedene Kletterer an dicken Tauen empor und nehmen die kubusartige, zentrale Pergola in Besitz. Die äußere Begrenzung des Klettergartens wird ebenfalls durch Hecken aus Kletterpflanzen geschaffen. Im Zentrum unter der Pergola liegt ein rechteckiger Teich, dessen Mitte von einer knorrigen alten Baumwurzel markiert wird. Zwischen Pergola und Hecke beherrschen winterharte Farne den Halbschatten.

 

Blauregen klimmt an Seilen; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Blauregen klimmt an Seilen]
Für Ivan Hicks ist gerade der Winter eine interessante Zeit, weil dann die Grundstruktur des Gartens, das 'Gartenskelett', offenbar wird. Mit den Jahren hat der Blauregen (Wisteria) als beherrschende Kletterpflanze die gesamte Pergola mit dicken gewundenen Ästen erklommen. Die starken verholzten Triebe harmonieren perfekt mit den dicken Seilen, die selbst wie nach oben klimmende Pflanzen aussehen. Alle Triebe und Seile münden schließlich in einer großen Spirale, die das Dach der Pergola bildet. In das Zentrum der Spirale hat Hicks ein blaues Auge aus Glas gesetzt, das allzeit auf den Gartenbesucher herunterschaut. Eine zweite Spirale in einem Holzrahmen auf der Kopfseite des Klettergartens mutet wie ein riesiges Spinnennetz an und verleiht dem Garten etwas besonders Geheimnisvolles.

Der Spiralgarten

Spiralgarten; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Spiralgarten]
Die Spirale ist das wichtigste und immer wiederkehrende Symbol in Ivan Hicks Gartenkreationen. Hicks erklärt, dass die Spirale häufig in der Natur vorkommt, sei es in Form eines Schmetterlingsrüssels oder als Spinnennetz. Metaphorisch steht die Spirale für ihn aber auch für die unendliche Gedankenspirale, die sich bei der Beschäftigung mit der Natur und dem Leben in jedem entfaltet.

Der Spiralgarten wurde als erster Garten von Ivan Hicks auf Ryewater angelegt. Auf einer Grundfläche von gut zweitausend Quadratmetern windet sich ein spiralförmiger Weg ins geheimnisvolle Zentrum. Während im Sommer die flankierenden Gehölze mit ihrem Laubkleid den Blick ins Innere verhindern, kann der Gartenbesucher im Winter durch das Geäst die zentrale Insel mit einem Tempel aus Weißbirken erspähen. Hicks hat bei der Gehölzauswahl darauf Wert gelegt, dass auch im Winter hinter jeder Biegung eine Überraschung wartet.

 

Zaubernuss; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Zaubernuss]
Winterblüher wie die Zaubernuss (Hamamelis mollis) ziehen mit leuchtend gelben oder scharlachroten Blüten die Blicke auf sich und verströmen einen zarten Duft. Die tibetische Kirsche (Prunus serrula) wiederum lässt ihre einzigartige mahagonifarbene Rinde leuchten. Die strahlend roten Triebe des Tatarischen Hartriegels (Cornus alba sibirica) setzen hier und da vertikale Akzente. Hicks erklärt, dass die Äste nach jedem Winter stark zurück geschnitten werden müssen, damit der Strauch von unten her wieder schön austreibt. Nur bei den jungen Zweigen verfärbt sich die Rinde im Winter rot.

 

Figur im Spiralgarten; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Figur im Spiralgarten]
Das Zentrum des Gartens wird durch einen magischen Hügel mit einem Tempel aus weißen Birken markiert, der für den Besucher unerreichbar von einem Wassergraben umgeben ist. In der Mitte der Birken entdeckt man eine Figur in einer Art Badewanne mit einem Schmetterling auf dem Zeh. Ivan Hicks bemerkt schmunzelnd, dass sein Freund Clive ihn dort als Figur verewigt hat: Er weiß: Meine besten Ideen entstehen in der Badewanne. Da bin ich also mit einem Schmetterling auf dem dicken Zeh und träume!

Der Gefängnisgarten

Zifferblätter im Gefängnisgarten; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Zifferblätter im Gefängnisgarten]
Der Gefängnisgarten lässt auf den ersten Blick nicht erahnen, wie er zu seinem ungewöhnlichen Namen gekommen ist. Das Thema 'Gefängnis' wird eher mit dem typisch feinsinnigen Humor des Surrealisten hier und da zitiert. Beispielsweise findet man in einem überdimensionalen Steinbett kleine Schachtelboxen mit alten Zifferblättern als Symbol für die Zeit, die im Gefängnis nicht vergeht.

 

Beete im Winter; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: Beete im Winter]
Für Ivan Hicks hat dieser Garten ein besonders schönes Wintergesicht. Das liegt einmal an der Grundstruktur, die durch konzentrisch angeordnete runde Beete um einen runden zentralen Teich geprägt wird. Zum anderen fallen im Winter die verwendeten Materialien besonders ins Auge. Feuersteine, Taue, alte Ziegel oder buntes Glas bilden Beetumrandungen. Hicks hat bei der Auswahl der Dinge immer die Ökologie mit im Blick. Löchrige Ziegelsteine bieten Unterschlupf für Insekten, alte Kanthölzer werden langsam von Pilzen zersetzt und zwischen den Feuersteinen können sich Kröten und Eidechsen verstecken. Ein Rundbeet mit einer Umrandung aus alten Tonscherben beherbergt eine Pflanzenkombination, die im Winter pure Mystik ausstrahlt: Schwarzer Schlangenbart (Ophiopogon nigrescens) kombiniert mit grünen Hauswurzen (Sempervivum).

 

alte Gesetzbücher im Gefängnisgarten; Rechte: WDR (TV-Bild) Bildunterschrift: alte Gesetzbücher im Gefängnisgarten]
Ivan Hicks ist der Meinung, dass die meisten Gärten viel zu aufgeräumt sind. Und doch gibt es ein höheres Rundbeet, das in seinen Schachtelfächern aus alten Holzbohlen außen herum für einen Garten höchst ungewöhnliche Dinge in eine neue, surreale Ordnung bringt. Über 100 Jahre alte Gesetzbücher stehen hier in Reih und Glied neben einer alten Schreibmaschine oder Musikinstrumenten. Die Gegenstände nehmen Bezug auf den Gartenbesitzer, der unter anderem als Jurist arbeitete. Schließlich wird das Gefängnisthema mit einem Wortspiel aufgegriffen: Überall im Garten wächst Thymian, der auf Englisch 'Thyme' heißt, ausgesprochen wie der Begriff 'time' - die Zeit. 'Doing time' bedeutet hingegen 'im Gefängnis sitzen'.

Der Gefängnisgarten auf Ryewater lädt dazu ein, ungewöhnliche Dinge zu entdecken und mit neuen Inspirationen in den eigenen Garten zurückzukehren. Oder, wie Ivan Hicks abschließend bemerkt: Man braucht den Winter um den Frühling zu schätzen!

Die Gartenanlagen auf Ryewater sind in Privatbesitz und können nicht öffentlich besucht werden.

Literaturtipp:

  • Stefan Steinhäuser
    Magische Gärten - Die Welt des surrealistischen Garten-Designers Ivan Hicks

    DVA, 2010

    ISBN: 9783421036391
    Preis: 29,95 Euro
 

Dieser Text gibt den Inhalt des Fernsehbeitrags von Ratgeber Heim+Garten vom 18.12.2011 wieder, ergänzt um Zusatzinformationen der Redaktion. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

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