
Sie befinden sich hier:
WDR.de
WDR Fernsehen
Information
Bericht aus Brüssel
Sendung vom 03. Februar 2010
Cybermobbing - Häme im Netz
Das Internet ist zu einem Moloch geworden, in dem viel passiert, was kaum noch einer kontrollieren kann; erst recht nicht Eltern oder Lehrer. Die Jugendlichen kennen sich meist besser aus mit der Technik und sind sozusagen „digitale Eingeborene“: Für sie ist das Internet eine Selbstverständlichkeit.
Um so fieser ist es da, wenn Jugendliche sich das Internet aussuchen, um einen Außenseiter zu mobben, ihn zum Beispiel mit dem Handy in einer unangenehmen Situation filmen und diesen Film dann ins Internet stellen. Eine andere Form des sogenannten „Cybermobbings“ ist es, wenn eine Person mit Nachrichten übers Internet terrorisiert wird. „Das Schlimme ist, dass man das Internet nicht abstellen kann. 24 Stunden weltweit können Dich Leute an den Pranger stellen“, sagt Dirk Heinrichs. Der Schauspieler arbeitet als Trainer in Schulen, um die Jugendlichen zu sensibilisieren für die Folgen von Cybermobbing.
Denn auch wenn bisher Zahlen fehlen, sind Experten davon überzeugt, dass diese Form des Fertig-Machens beständig zunimmt. Und in Einzelfällen hat der Terror übers Netz sogar schon zum Selbstmord von Schülern und Lehrern geführt. „Diese Verletzungen sind viel schlimmer als der Schlag ins Gesicht. Gemobbte trauen sich nicht mehr in die Schule, gehen nicht mehr ohne Schutz auf die Straße. Sie werden immer weiter ins Abseits gedrängt“, sagt Heinrichs.
Die Europäische Union will dagegen ankämpfen und zwar gleich auf mehreren Kanälen. Zum einen finanziert sie Initiativen überall in Europa, die zum Beispiel Workshops durchführen wie die von Dirk Heinrichs. In Deutschland übernimmt das die „Klicksafe-Initiative“. Darüber hinaus versucht die EU-Kommission die Jugendlichen auch direkt im Netz zu erreichen - zum Beispiel mit Videoclips, die die Folgen von Cybermobbing zeigen oder die Jugendlichen zu einem vorsichtigen Umgang mit ihren persönlichen Daten im Netz auffordern.
Einmal im Jahr, am „Safer Internet Day“, zieht die EU-Kommission in Brüssel Bilanz und macht öffentlich auf die Problematik aufmerksam. In diesem Jahr fällt der Tag auf den 9. Februar. Dann will die Europäische Kommission auch einen Bericht darüber vorlegen, ob die Anbieter von sozialen Netzwerken wie Facebook, SchülerVZ oder ICQ zusätzliche Schutzmechanismen für Kinder auf ihren Seiten eingebaut haben. Dazu hatten sich 18 dieser Anbieter im vergangenen Jahr verpflichtet. Sie wollen zum Beispiel einen Stoppknopf einrichten, mit dem Jugendliche melden können, wenn sie im Internet gemobbt werden.
Zwar haben sich die meisten Anbieter an diese Vorgaben gehalten, aber Dirk Heinrichs ist nicht überzeugt von der positiven Wirkung dieser Änderungen: „Bei SchülerVZ sitzen dann eine Handvoll Leute da und kümmern sich um die Anfragen der Jugendlichen. Das kann manchmal mehrere Wochen dauern, bis da was aus dem Netz genommen wird“, bemängelt der Trainer.
Für ihn ist das beste Rezept gegen Cybermobbing, die Jugendlichen selbst davon zu überzeugen, dass sie sich verantwortungsbewusst im Netz bewegen und sich so den Gefahren erst gar nicht aussetzen. Dazu gehört auch, nicht zu viele persönliche Informationen in den Netzwerken für alle zugänglich zu veröffentlichen.
Ruth Reichstein
Stand: 01.02.2010