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Bericht aus Brüssel
Sendung vom 30. November 2011
Bottrop begeistert Brüssel
In der Bergbaustadt Bottrop werden jedes Jahr noch immer vier Millionen Tonnen Kohle aus der Erde geholt. Der Kohlestaub hinterlässt seit Jahrhunderten seine Spuren an den Häusern in der Stadt. Mit diesem grauen Image will Bottrop nichts mehr zu tun haben: Bis 2020 soll die Stadt ihre klimaschädlichen Treibhausgase halbieren und auf erneuerbare Energien umsteigen. So plant Oberbürgermeister Bernd Tischler Spitzenreiter in Sachen Klimaschutz werden – Bottrop als Modellstadt für die gesamte Europäische Union. Am Brüsseler Wettbewerb nimmt sie jedenfalls teil. Falls Bottrop siegt, kann die Ruhrstadt mit umfangreichen Fördergeldern von der Europäischen Union rechnen.
„Wir machen das natürlich auch, weil wir Arbeitsplätze schaffen wollen. Aber wir sind vor allem überzeugt, dass wir mit neuen Technologien unsere Energietradition in eine gute Zukunft führen können“, sagt Oberbürgermeister Tischler. Die EU-Gelder benötigt er dringend. Seine Stadt ist hochverschuldet und könnte die Finanzspritze für den Klimaschutz gut gebrauchen.
Um in Brüssel zu überzeugen, hat die Stadt bereits zahlreiche Projekte angeschoben – ganz kleine und richtig große: Neuerdings hat die Stadtverwaltung ein Elektroauto im Fuhrpark, mit dem die Angestellten zu ihren Terminen fahren können. Das Knappschaftskrankenhaus wird gerade von Grund auf saniert. Es bekommt 360 neue Fenster. Drinnen bleibt es warm für die Patienten. Draußen wehrt die neue Dämmung die Winterkälte ab. 20 Prozent Energie sollen so gespart werden.
Auch zahlreiche Wohnhäuser wurden und werden saniert. Auf dem Hausdach des Mehrfamilienhauses, in dem auch Fred Eiden wohnt, sind Photovoltaik-Zellen für Solarenergie angebracht worden. Die Wände wurden zusätzlich isoliert. Der Rentner hatte erst Angst vor den Umbauarbeiten. „Es war unglaublich dreckig und laut. Wir waren schon manchmal am Verzweifeln“, sagt der ehemalige Feuerwehrmann, der seit Jahrzehnten in Bottrop lebt. Aber mittlerweile sind er und seine Nachbarn vom Ergebnis überzeugt. „Uns bringt der Klimaschutz ja auch etwas: Die Fenster sind dicht. Es zieht nicht mehr so. Und unsere Heizrechnung ist viel niedriger“, sagt Eiden.
Sein Nachbar Edgar Markwitz hat schon mal nachgerechnet: Für seine Nachtspeicherheizung musste er im Monat 120 Euro bezahlen – jetzt sind es nur noch 67 Euro. „Das lohnt sich“, meint auch Markwitz. Mit all diesen Projekten hat Bottrop in Brüssel gute Chancen, meint sogar der EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Er glaubt fest daran, dass gerade im Ruhrgebiet eine Modellstadt für ganz Europa entstehen kann: „Es hängt immer von den Menschen ab und in Bottrop verfolgen die Bürger und der Oberbürgermeister das Projekt mit Leidenschaft“, sagt der EU-Kommissar.
Auf die Gelder aus Brüssel will sich der Oberbürgermeister allerdings nicht verlassen. Er setzt auf die Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen. Das Elektroauto wurde der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt. Ein Heizungsbauer wechselte gratis die zehn ältesten Heizungen der Stadt aus. So ist Bottrop auf einem guten Weg. Hier gelingen neue Energiekonzepte, die Vorbild sein können für ganz Europa.
Ruth Reichstein
Stand: 29.11.2011
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