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Bericht aus Brüssel
Sendung vom 11. Januar 2012
Finanzmarktrichtlinie: Kein großer Wurf
Über 40 Jahre hat Ulrich Krane aus Wuppertal gearbeitet. Als vor einigen Jahren seine Lebensversicherung fällig wurde, wollte der 63-Jährige sein Geld für eine sichere Rente anlegen. Er war selbstständiger Handelsvertreter und muss deshalb selbst für seine Altersbezüge sorgen.
Der Besuch bei der Bank endete für ihn mit einem Schock: Bei der Commerzbank hatte man ihm einen windigen Indienfonds verkauft mit der Aussicht auf eine regelmäßige Zinszahlung und eine saftige Rendite. Aber es kam ganz anders: Über 20 000 Euro hat der Rentner verloren. „Das macht meiner Frau und mir sehr zu schaffen, weil wir das Leben, das wir eigentlich gewollt hätten, so nicht führen können. Wir würden zum Beispiel gerne unserem Enkelkind öfter etwas schenken, aber das geht nicht.“
„Schuld daran ist die falsche Beratung bei der Commerzbank“, sagt Ulrich Krane. Der Berater hatte ihn damals nicht auf die Risiken des Fonds hingewiesen und ihm das Projekt als sichere Geldanlage angepriesen. Nun klagt Krane gegen die Bank, aber seine Aussichten, tatsächlich entschädigt zu werden, sind schwierig einzuschätzen. Denn bisher fehlen gesetzliche Grundlagen für den Anlegerschutz weitgehend.
Das könnte sich nun ändern: In Brüssel wird gerade im Europäischen Parlament über die so genannte Mifid-Richtlinie diskutiert, die auch die Bankenberatung reglementieren soll. Aber der Vorschlag, den die Europäische Kommission den Abgeordneten vorgelegt hat, enthält nur wenige lasche Regeln. Eigentlich hätten zum Beispiel Provisionen für besonders risikoreiche Produkte verboten werden sollen. Davon steht nichts in dem Kommissionspapier. Sven Giegold, EU-Abgeordneter der Grünen ist enttäuscht: „Die Kommission hatte offenbar Angst, zu tief in diesen Bankenmarkt einzugreifen, weil die Banken dann Gewinne verlieren würden. Das sind allerdings Gewinne auf Kosten von guter Finanzberatung für die Anleger. Die provisionsgetriebene Beratung wird bleiben.“
Oft werden besonders hohe Provisionen für die Produkte bezahlt, die der Bank den größten Gewinn bringen. Ob das Produkt auch zum Kunden passt, ist für die Berater deshalb oft zweitrangig.
Ulrich Krane ist wütend – auch auf die Politiker in Brüssel. Er hofft, dass die sich zu einem besseren Anlegerschutz durchringen: „Wir Wähler haben dafür gesorgt, dass diese Leute in Brüssel arbeiten dürfen. Und da sollten sie für uns ein bisschen mehr tun und nicht immer nur auf das Geld hören.“ Allein in der Kanzlei von Marcus Benn in Wuppertal haben schon über 200 Verbraucher geklagt, die Geld verloren haben, weil ihnen die Bank ein unpassendes Produkt verkauft hat. Bundesweit schätzt der Anwalt die Betroffenenzahl auf über 10000.
Deshalb wollen sich die Grünen im Europäischen Parlament für strengere Regeln einsetzen und den Kommissionsvorschlag verbessern – zumindest ein wenig. „Wenn die Provisionen nicht gestrichen werden, dann müssen sie zumindest öffentlich gemacht werden. Dazu gehört auch, dass für spekulative Fonds mehr Geld fließt als für sichere Bundesschatzbriefe“, sagt der Europaparlamentarier Sven Giegold. Außerdem wünscht er sich, dass jede Bank Finanzprodukte anbieten muss, die einfach zu verstehen sind. Die Verhandlungen werden nun einige Monate dauern. Für Ulrich Krane kommen die neuen Regeln dann in jedem Fall zu spät.
Ruth Reichstein
Stand: 10.01.2012
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