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Bericht aus Brüssel
Sendung vom 01. Februar 2012
Kreuzfahrten: größer, günstiger, dreckiger
Blauer Himmel, um die Nase weht eine leichte Brise, in der Hand ein kühler Cocktail – Leben an Deck kann so schön sein. Solange man den Blick nicht Richtung Schornstein schweifen lässt. Was da rausgeblasen wird, hat nicht mal das Wort Abfall verdient. Kreuzfahrtschiffe werden mit Schweröl angetrieben, ein Treibstoff, der übrigbleibt, wenn aus dem Rohöl Benzin und Diesel abgezogen werden. In empfindlichen Gewässern, zum Beispiel in der Arktis, darf er gar nicht gefahren werden.
Bei uns in Europa sind die Müllverbrennungsanlagen auf See aber erlaubt, und es werden immer mehr. Die Kreuzfahrtbranche boomt, mehr als eineinhalb Millionen Deutsche nahmen im vergangenen Jahr an einer Kreuzfahrt teil, Tendenz steigend.
Umweltschutzverbände fordern schon lange ein Schweröl-Verbot, jetzt werden auch die Stimmen im Europäischen Parlament dazu lauter. Eva Lichtenberger, österreichische Parlamentarierin der Grünen kämpft schon lange für den Einsatz von Treibstoffen, die umweltverträglicher sind. Durch die Katastrophe der „Costa Concordia“ hofft sie nun auf öffentliches Interesse: „Das Unglück hat uns deutlich gezeigt, dass endlich Schluss sein muss mit den fahrenden Müllverbrennungsanlagen auf See. Es ist ein Unding, dass in der Schifffahrt heute noch minderes Schweröl verwendet wird, dass man sonst als Sondermüll entsorgen müsste. Wir müssen auch eine Diskussion wieder aufgreifen, die wir schon im Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments geführt haben.“
Schon einmal lag ein Verbotsvorschlag auf dem Tisch der europäischen Abgeordneten. Er wurde im Plenum mit einer knappen Mehrheit mit der Argumentation abgeschmettert: Wird Schweröl EU-weit verboten, könne sich die europäische Schifffahrt nicht mehr im internationalen Wettbewerb durchsetzen. Jetzt droht das Schweröl, das noch in riesigen Tanks im Rumpf des havarierten Kreuzfahrtschiffs lagert, eine Naturkatastrophe zu verursachen. Denn wenn es erstmal aus einem Leck quillt, bildet es keinen Ölteppich, sondern wabert als schwarzer Schleim auch unter Wasser herum und wird von Wellen und Strömungen grob verteilt. Außerdem liegt die Unfallstelle in einem Meeresschutzgebiet, wenn Öl in das Wasser kommt, wird es von den Tieren aufgenommen.
Neben der Verbotsfrage muss deshalb auch diskutiert werden, ob der Kreuzfahrttourismus gerade in sensiblen Gewässern beschränkt werden muss. „Ich halte dieses Ausmaß an Kreuzfahrten im Mittelmehr für extrem gefährlich, wenn man den Grad an Schädigungen betrachtet, der schon entstanden ist. Außerdem wird vergessen, wie wichtig das Mittelmehr ist, nicht nur als Erholungsraum, sondern auch als ökologischer Ausgleichsraum in Europa. Ich halte das für einen völlig unterschätzten Aspekt, der uns erst an den Kopf fallen wird, wenn es zu spät ist, um noch eingreifen zu können“, kritisiert die grüne Abgeordnete Lichtenberger.
Ein Umdenken der Tourismusbranche ist allerdings nicht in Sicht: Die Bewohner der Insel Giglio, vor der die „Costa“ gestrandet ist, fürchten nun, dass das Wrack nicht zeitnah geborgen werden kann. Allerdings nicht, weil sie sich um die Umwelt sorgen. Sie haben Angst, dass der Anblick des halb untergegangenen Schiffs die Touristen abschrecken könnte.
Katharina von Tschurtschenthaler
Stand: 31.01.2012
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