Bahnpaket: Freie Fahrt für die Konkurrenz?
- Mittwoch, 23. Januar 2013, 22.00 - 22.15 Uhr
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Bahnfahren ist in Deutschland wieder teurer geworden. Kurz vor Weihnachten hat die Deutsche Bahn erneut die Preise erhöht. Begründung: gestiegene Energiekosten. Innerhalb von 7 Jahren sind die Tarife um rund 20 Prozent angehoben worden. Im Fernverkehr hat der Großkonzern so gut wie keine Konkurrenz, abgesehen von anderen Verkehrsträgern wie Auto, Billigfliegern und neuerdings Fernbussen.
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Alle Zeichen auf rot: So einfach will die Deutsche Bahn ihre Vormachtstellung nicht aufgeben
Eine der wenigen Ausnahmen ist das Unternehmen HKX, das seit einem halben Jahr zwischen Köln und Hamburg pendelt. Zwar fahren die Züge noch viel zu selten, aber dafür sind echte Schnäppchenpreise möglich. Wer im Voraus im Internet bucht, kann mit etwas Glück für 18 Euro nach Hamburg fahren. Da hält selbst die Mitfahrzentrale, über die sich Auto-Fahrgemeinschaften bilden, nicht mit.
4. Bahnpaket schon lange in Planung
Die EU-Kommission will insgesamt mehr fairen Wettbewerb auf der Schiene. Das so genannte „4. Bahnpaket“ ist in Vorbereitung. Die Veröffentlichung wurde aber mehrfach verschoben. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas versucht, die verschiedenen Interessenslagen bis zur letzten Minute abzuwägen. Viel Druck bekommt er auch aus Deutschland zu spüren. Die Deutsche Bahn will insbesondere einen Plan aus Brüssel stoppen: die eigentumsrechtliche Abtrennung des Schienennetzes vom restlichen Konzern.
Die Bahn hat gute Argumente. Nirgendwo sei der Wettbewerb auf der Schiene so groß wie in Deutschland, sagt Joachim Fried, Beauftragter der Deutschen Bahn für Europäische Angelegenheiten.
Privaten erobern vor allem Nah- und Güterverkehr
Tatsächlich haben die Privaten im Güter- und Nahverkehr inzwischen ein Viertel des Marktes erobert. Dass es kaum Wettbewerb auf der Fernstrecke gebe, liege nicht daran, dass die Bahntochter DB Netz über das Streckennetz wache: „Fernverkehr ist enorm teuer. Sie müssen viel in rollendes Material investieren und die Renditen waren nicht so, dass sie viele Newcomer angelockt haben“, sagt Fried.
Doch wer so mutig ist, wie das kleine Bahnunternehmen HKX und das Risiko trotzdem wagt, muss mit einer übermächtigen Deutschen Bahn rechnen, nicht nur bei der Trassenvergabe. So darf HKX zum Beispiel seine Tickets nicht im Reisenzentrum an den Bahnhöfen verkaufen, bedauert Geschäftsführerin Eva Kreienkamp: „Etwa 50 Prozent der Menschen kaufen Tickets am Bahnhof. Genau diese Menschen können wir nicht erreichen.“ Auf echten Wettbewerb und günstigere Preise im Fernverkehr müssen die Fahrgäste vermutlich noch länger warten.
Autorin: Silke Schmidt
Stand: 22.01.2013
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