Gelebtes Europa: Wie geht es weiter mit Erasmus?
- Mittwoch, 30. Januar 2013, 22.00 - 22.15 Uhr
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„Ohne Erasmus und ohne das Royal College of Art würde ich heute nicht vor Ihnen stehen als Designchef.“ An dem renommierten College in London hat Gorden Wagener vor fast 20 Jahren ein Jahr lang studiert. Jetzt ist er Chef und leitet seit 2008 den weltweiten Designbereich von Mercedes Benz. Mit seinen 44 Jahren ist der jüngste Designchef, den das Unternehmen jemals einstellte. Ohne das Erasmus-Stipendium wäre aus seinem Aufenthalt an der Themse wohl nichts geworden. Die Studiengebühren – viele tausend Pfund – pro Jahr, hätte er sich niemals leisten können.
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Mehr als drei Millionen haben dank Erasmus schon mal im Ausland studiert
Wer einen Erasmusplatz ergattert, ist von den Studiengebühren befreit – die übernimmt die Gastuni. Für die Hochschulen ist es wichtig, möglichst viele Studenten aus dem Ausland in ihren Hörsälen zu versammeln. Das ist gut fürs Image und zeugt von Internationalität.
Aufrschrei durch Europa
Das Geld für das Erasmusprogramm kommt aus dem großen EU-Haushaltstopf. Wenn der leer ist, muss gespart werden. Das sollte ausgerechnet bei der Bildung passieren und hätte auch Erasmus betroffen. Erst ein großer öffentlicher Aufschrei und eine Unterschriftenaktion von mehr als 100 europäischen Promis haben dazu geführt, dass die Finanzlücke im letzten Moment von der Europäischen Kommission gestopft wurde.
Viel Geld steht für das Erasmusprogramm ohnehin nicht zur Verfügung: In Deutschland waren es im vergangenen Jahr rund 57 Millionen Euro. Verteilt wurde das Geld auf rund 37.000 „Mobilitäten“, also Studenten, Praktikanten und Lehrkräfte. Die meisten Ausgaben werden in Studienmaßnahmen investiert, etwa in Sprachkurse oder Exkursionen. Ein kleiner Teil landet bei den Studenten selbst. Die 200 Euro pro sind eher als Taschengeld gedacht, in kaum einer europäischen Metropole lässt sich damit ein Lebensunterhalt bestreiten.
Mit Erasmus wächst Europa zusammen
Gorden Wagener hat im teuren London deshalb seine eigene Strategie entwickelt: „Ich hatte ein Zimmer bei einer Lady, das war nicht besonders teuer, ansonsten war ich eh von morgens bis Abends an der Hochschule, bis nachts um elf und habe dann noch bis drei Uhr morgens gezeichnet. Während mir meine Freunde Bilder aus dem Surfurlaub geschickt haben, und ich dachte: Super, ich arbeite.“
Erasmus, da denken viele erstmal an durchgetanzte Nächte und viel Bier mit neuen Freunden. Das gehört sicherlich auch zur Auslandserfahrung dazu, allerdings bedeutet so ein Jahr eben auch anderes: nämlich die Gelegenheit, an einer Eliteuni zu studieren, sich in einer fremden Stadt zurechtzufinden, viele Kontakte zu knüpfen und eine neue Sprache zu lernen. Der 44-jährige Designchef rät jedem zu einem Erasmusjahr: „Das bringt einen auch persönlich sehr viel weiter, gerade in einer EU ist es essentiell, dass Leute sich austauschen, in andere Länder gehen, die Welt wird jeden Tag ein bisschen kleiner. Und für heutige Nachwuchstalente ist es ein Muss, weil die Welt so international ist.“
Anstrengender Kampf ums Budget
Dass Studenten auch künftig diese Erfahrung machen können, dafür kämpft die konservative EU-Abgeordnete Doris Pack. Sie leitet den Kulturausschuss und hat das Hickhack um die Finanzen hautnah mitgekriegt. Obwohl der Kampf um die Erasmus-Millionen zermürbend war, hatte die Diskussion doch sein Gutes: „Denn es hat die Leute aufgerüttelt hat, wenn’s jetzt in der Landwirtschaft gewesen wäre, hätten die Leute gesagt, das ist nicht so schlimm. Aber dass das bei Erasmus war, hat dann dazu geführt, dass man gesagt hat, so kann’s doch nicht gehen. Und deshalb haben wir’s dann ganz schnell gelöst.“
Über die Zukunft des Austauschprogramms entscheiden die Staats- und Regierungschefs nächste Woche in Brüssel. Auf dem EU-Haushaltsgipfel werden die Gelder für die nächsten Jahre verteilt. Wieviel vom großen Kuchen für Bildung abfällt, ist noch offen.
Autorin: Katharina von Tschurtschenthaler
Stand: 29.01.2013
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