Telemedizin: „Pille danach“ per Post
- Mittwoch, 30. Januar 2013, 22.00 - 22.15 Uhr
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In den meisten europäischen Ländern gibt es eine Notfallverhütung rezeptfrei in der Apotheke, die so genannte „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel. In Deutschland muss ein Arzt zuvor ein Beratungsgespräch führen und ein Rezept ausstellen. Trotzdem können jetzt Frauen in Deutschland das Medikament bekommen, ohne einen Arzt gesehen zu haben. Möglich macht dies eine Lücke im europäischen Recht.
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Ein paar Klicks reichen - und die "Pille danach" wird per Post geliefert
Das britische Medizinportal DrEd.com beruft sich auf die „Richtlinie zur grenzüberschreitenden Patientenversorgung“. Danach sei es erlaubt, ein ausländisches Rezept in Deutschland einzulösen. Darüber hinaus sei die Telemedizin darin ausdrücklich als Gesundheitsdienstleistung erwähnt.
"Dubiose Praktiken gehören abgeschafft"
Die Internetärzte von DrEd prüfen die wichtigsten Bedingungen für eine Verschreibung mit einem Online-Forumular. Der registrierte Patient muss viele Fragen beantworten: zum Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs, zum Zeitpunkt der letzten Periode, zu möglichen Vorerkrankungen. Entsprechen die Antworten bestimmten Kriterien, wird das Rezept ausgestellt und an eine Versandapotheke in Hamburg weitergeleitet. Von dort aus wird das Medikament über Nacht per Express ausgeliefert.
Solche „dubiosen Praktiken“ seien unverantwortlich und gehörten schnellstens abgeschafft, meint Dagmar Roth-Behrendt. Die SPD-Gesundheitsexpertin im EU-Parlament weist darauf hin, dass Großbritannien zurzeit das einzige EU-Land sei, in dem die Telemedizin erlaubt ist.
Modernen Präparat überall verschreibungspflichtig
Auch EU-Abgeordnete Peter Liese von der CDU hält das Verfahren für fachlich falsch. Die „Pille danach“ müsse so schnell wie möglich zur Verfügung stehen, dafür müssten auch in Deutschland neue Strukturen geschaffen werden. Der Postversand sei keine sichere Lösung, aber auch eine rezeptfreie Abgabe lehnt der frühere Mediziner ab: „Das ist Billigmedizin. Rezeptfrei gibt es nur, was schon lange auf dem Markt und zum Teil schon überholt ist“.
In der Tat ist seit zwei Jahren neben Levonorgestrel (LNG) ein zweiter Wirkstoff auf dem Markt: Ulipristalacetat (UPA). UPA ist länger wirksam und zuverlässiger, das Schwangerschaftsrisiko sinkt gegenüber LNG um die Hälfte. Der Berufsverband der Frauenärzte weist außerdem darauf hin, dass alle bis auf einen Hersteller den Vertrieb von LNG in Deutschland bereits eingestellt haben. Das modernere Präparat UPA sei dagegen überall in Europa verschreibungspflichtig.
Autorin: Silke Schmidt
Stand: 29.01.2013
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