
Sie befinden sich hier:
WDR.de
WDR Fernsehen
WDR Regional
daheim+unterwegs
Sendung vom 17. Juni 2011
Ihr Thema
Auf einmal sind beide im Ruhestand. Mann und Frau verbringen Tag und Nacht zusammen – 24 Stunden – jede Menge Zeit, um sich gegenseitig auf die Nerven zu gehen. Er mischt sich auf einmal in Dinge ein, die sie 40 Jahre lang allein gemeistert hat. Und sie nörgelt an ihm herum, weil er ihr nichts recht machen kann. Wenn Männer und Frauen in den Ruhestand gehen, prallen sie ungebremst aufeinander. Die Psychologin Susanne Altweger weiß, was Sie machen können, damit das Rentnereheleben nicht im Dauerzoff endet.
Frauen haben den Haushalt seit Jahrzehnten trotz Stress im Griff – Kinder, Haushalt, eventuell Job und trotzdem läuft alles. Auf einmal kommt der Mann dazu und mischt mit und nichts geht mehr. Früher konnte die Gattin es als „Mitmischexperiment“ dulden, wenn der Gemahl mal frei hatte und mithelfen wollte. Das war dann auch bald vorbei. Doch Ruhestand ist etwas endgültiges. Hier geraten Gegensätze aneinander. Frauen sind immer im Fluss: Sie sind vielseitig orientiert, haben viele Projekte, die ineinander übergehen. Sie sind dann auch irgendwann müde und haben so eher die Fähigkeit den Ruhestand zu genießen. Männer hingegen stecken oft noch in alten Rollen fest, hat unsere Expertin beobachtet. Sie haben sich zu wenig Gedanken darüber gemacht, was sie als Rentner machen wollen. Für die Ergebnisorientierten ist die Rente daher ein Schock. Diese Menschen haben einen Beruf gewählt, um ein gewisses Maß an Wohlstand zu erzielen und eine gesellschaftliche Stellung zu erreichen. Menschen, die schon vor der Rente erlebnisorientiert waren, haben meistens einfach nur mehr Zeit, ihre Hobbys zu pflegen. Daher sind sie zufriedener und es kommt weniger zu Streit.
Der größte Fehler, den ein Paar im Ruhestand machen kann, ist nur aufeinanderzuhocken. Dann hat man sich nichts mehr zu erzählen und geht sich schnell auf die Nerven. Eine andere Gefahr ist, dass sich einer gehen lässt und nicht mehr attraktiv ist.
Hilfreich ist die SSV-Rentenformel: Man braucht einen Sinn, eine Struktur und eine Vorbereitung! Spätestens fünf Jahre vor Renteneintritt sollte man sich Gedanken machen, welche Träume man verwirklichen will. Dann sollte man langsam anfangen, einen Freundeskreis aufzubauen, oder ein Hobby vorzubereiten. Das ist wichtig, damit die Ziele nicht verloren gehen. Jeder muss Rückzugsgebiete haben, doch es muss auch Zeit für Gemeinsames geben. Aufgaben müssen neu verteilt werden. Das Allerwichtigste ist, dass man den anderen achtet. Außerdem sollte man nicht zu große Erwartungen haben, das birgt Enttäuschungen. Im schlimmsten Fall gibt man sowieso nur Illusionen auf.
Stand: 16.06.2011
Seite teilen