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„Die Armutsindustrie“

Ein Film von Eva Müller

  • SendeterminMontag, 24. August 2009, 22.00 - 22.45 Uhr .
  • WiederholungsterminDonnerstag, 24. September 2009, 14.15 - 15.00 Uhr (Wdh.).
Verkäuferin in einem Supermarkt; Rechte: WDR
Christine K. arbeitet als Ein-Euro-Jobberin

Vor einem Jahr hat die Kölner Firma ,Bellicon‘ ihre Sportgeräte-Produktion aus China zurückgezogen. Man setze jetzt wieder auf ,made in germany‘ hieß es. Wie sich das lohnt? Die Sportgeräte produzieren jetzt deutsche Arbeitslose, vom Staat bezahlt - als Beschäftigungsmaßnahme. René Thiel zum Beispiel. Er ist Mechaniker bei Porsche gewesen. Dann wurde er entlassen. Die Arbeitsagentur schickte ihn in eine so genannte „Beschäftigungsgesellschaft“. Dort arbeitet er nun am Schweißroboter und liefert der Kölner Firma zu. Seinen Lohn zahlt komplett die Arbeitsagentur.

Arbeiter; Rechte: WDR
René T. war Mechaniker bei Porsche - jetzt zahlt die Arbeitsagentur seinen Lohn.

Genauso wie den von Hans Jürgen Nix. Hans Jürgen Nix ist seit 1982 Berufskraftfahrer. Als er plötzlich arbeitslos wird, schickt die Arbeitsagentur den 51jährigen sofort in ein Praktikum. So taucht er erst gar nicht in der Statistik auf. In einer Euskirchener Firma packt er wochenlang Pakete am Fließband - für das Unternehmen völlig kostenfrei. Sein Chef erzählt, dass er auch zwei, drei Leute fest anstellen könnte, dass es mit den Praktikanten aber natürlich noch besser laufe. Ganz normale Arbeit mit öffentlichen Geldern bezahlt - wie kann das sein? Für Millionen von Arbeitslosen hat die Arbeitsagentur keine Beschäftigung, findet keine echten Stellen. Deshalb beauftragt sie Firmen, die Arbeitslose nicht selbst einstellen, sondern gegen Lohnzuschuss beschäftigen, sie als Praktikanten übernehmen, sie auch qualifizieren sollen. Sieben Milliarden Euro kostet das im Jahr.

Die Autoprüfgesellschaft Dekra etwa bekommt 500 Euro im Monat für jeden Arbeitslosen, den sie weiterbildet und beschäftigt. Bei der Dekra Braunschweig überprüfen Ein-Euro-Jobber gespendete Puzzle für arme Kinder auf ihre Vollständigkeit: durch selber Legen. Man wolle die Menschen wieder daran gewöhnen, einen geregelten Alltag zu bewältigen, heißt es von der Dekra. "Jeden Tag aufzustehen und sein Ding zu machen", formuliert eine Anleiterin das Ziel, für das man auch mal zehn Tage lang ein Puzzle legen darf. Ob in Braunschweig oder Berlin, in Köln oder Stuttgart: Dieser Film erzählt, wie aus dem Mangel an Arbeit für andere ein lukratives Geschäft geworden ist. Ob diese Mühen René Thiel, Hans-Jürgen Nix und ihre Kollegen wieder in Arbeit bringen, ist mehr als fraglich. Die Firmen aber verdienen, vom Staat subventioniert, gut mit an seiner Misere. Im Dunstkreis von Hartz IV entsteht eine parallele Arbeitswelt: die Armutsindustrie.

Redaktion: Jo Angerer

Autorin:

Eva Müller

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Stand: 04.02.2010


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