Berlin - Entdeckungstour auf zwei Rädern

  • Sonntag, 01. Juli 2012, 06.40 - 06.47 Uhr

Bildcollage

Es führen viele Wege durch Berlin, und darum gibt es auch viele Wege, die Hauptstadt zu entdecken - ob nun per Schnitzeljagd zu Fuß, bei einer Safari mit dem Trabi oder auf einem futuristisch aussehenden Elektroroller. Moritz geht gleich dreimal auf Entdeckungsreise. Dabei kennt er die Hauptstadt eigentlich ganz gut. Seit drei Jahren studiert er in Berlin, und trotzdem betritt er mit uns gewissermaßen Neuland.



Berliner Dom

Berlin entdecken per „Segway“

Der erste Schritt auf das Gefährt ist ein bisschen unsicher, und nicht nur die umstehenden Schaulustigen fragen sich, wie dieses Ding wohl funktioniert. Der fahrbare Untersatz nennt sich „Segway“ und ist ein Elektroroller. Das Gerät balanciert sich selbstständig elektronisch aus. Verlagert man dann das Gewicht nach vorne, kommt der Segway langsam ins Rollen. Es ist kinderleicht, damit durch die Stadt zu rollen.
„Mit dem Segway zu fahren, erlernt eigentlich jeder relativ schnell“, erklärt Engin Cömert vom Veranstalter Movingaction. „Nach zehn Minuten haben die meisten realisiert, dass das Gerät nicht umkippt, und plötzlich werden sie dann beinahe größenwahnsinnig und wollen die abenteuerlichsten Manöver ausprobieren.“

Natürlich gibt es auch etwas zu sehen auf der dreistündigen Segway-Tour. Die üblichen Sehenswürdigkeiten im Umfeld der Prachtstraße „Unter den Linden“ sind das Ziel. Vom Brandenburger Tor führt die Route vorbei am Hotel Adlon bis zum Berliner Dom. Mit maximal 12 km/h erreicht Moritz alles Sehenswerte ganz bequem.

Zur Tour mit dem Hightech-Roller gehört auch ein Hightech-Reisebegleiter - namens „Cruso“. Ein speziell entwickeltes Navigationssystem zeigt Moritz anhand eines Stadtplans jederzeit, wo er sich gerade befindet. Mit Hilfe eines Kompasses erkennt der Cruso sogar, auf welche Sehenswürdigkeit Moritz gerade schaut. Ein einfacher Druck auf das Display und schon erzählt der Cruso über Kopfhörer wie ein richtiger Reiseführer alles Wissenswerte.

Diese Tour ist verglichen mit üblichen Stadttouren vergleichsweise teuer. Doch Moritz findet, dass sich die Investition lohnt. „Im Vordergrund steht eigentlich weniger das Sightseeing. So einen Segway zu fahren, das ist das Spektakuläre an dieser Tour. Ich stehe jetzt seit drei Stunden auf dem Roller und will eigentlich gar nicht mehr runter.“ Muss er aber, denn am Checkpoint Charlie wartet nach dem Ausflug in die Zukunft jetzt eine Reise in die Vergangenheit.



Mit Segway durch Berlin

Berlin entdecken im Trabi

Nicht nur Hightech-Fahrzeuge muss man sich erklären lassen. Auch vor der Tour mit dem Trabi absolviert Moritz erst einmal eine Einweisung. Wo ist der Blinker, und wie funktioniert die Lenkradschaltung?

Die Informationen und Kommandos während der „Trabi-Safari“ kommen per Funk aus dem Führungsfahrzeug. Vorbei geht es vor allem an dem, was an Ostberlin erinnert: East-Side-Gallery - das längste erhaltene Stück der Mauer -, Friedrichstadtpalast, Alexanderplatz. Auf der Karl-Marx-Allee erfährt Moritz dann per Funk, wie man im Arbeiter- und Bauernstaat an eine der begehrten Wohnungen an der Prachtstraße kam. „Es gab in der DDR dafür ein Bonussystem“, erklärt die Stimme aus dem Funkgerät. „Für drei Stunden unentgeltliche Arbeit gab es einen Stempel in das Bonusheft. Hatte man genug Stempel gesammelt, konnte man sich für die Verlosung der begehrten Wohnungen bewerben, und mit viel Glück bekam man tatsächlich irgendwann mal eine Wohnung zugewiesen.“

Moritz erfährt bei dem Abenteuertrip im Trabant viel über das Leben in der DDR und sieht eigentlich nur einen kleinen Nachteil: „Als Fahrer ist man doch sehr mit dem ungewohnten Trabi beschäftigt. Darunter leidet die Aufmerksamkeit für die Sehenswürdigkeiten schon ein bisschen. Aber als Beifahrer kann man die Tour und den wilden Osten ganz entspannt genießen.“ Nach anderthalb Stunden ist es dann aber genug, denn länger kann auch Moritz die Abgase seiner Vorderleute kaum ertragen.



Trabi

Berlin zu Fuß entdecken

Am Treffpunkt Berliner Dom bekommt Moritz erst einmal einen Sekt zur Begrüßung. Das Rätselbuch und ein Stadtplan, das ist alles, was man für eine anständige Schnitzeljagd braucht. Hier treffen sich wildfremde Menschen, erkunden die Stadt zu Fuß und suchen in Teams nach Antworten auf die 30 Fragen im Rätselbuch. Wo, zum Beispiel, gibt es Männer im Schlussverkauf? In einem Hinterhof hängt ein Plakat am Eingang eines Theaters. „Männer im Schlussverkauf“ ist ein Bühnenstück.



Zu Fuß durch Berlin

Finde das „missing house“ - so lautet die nächste Aufgabe. Das „missing house“ ist eine Baulücke, die nach dem Zweiten Weltkrieg nie geschlossen wurde. Schilder an den Wänden der Nachbarhäuser erinnern daran, wer dort einmal wohnte. „Diese Tour verbindet drei Dinge miteinander“, findet Moritz. „Ich sehe Berlin wirklich mal aus einer anderen Perspektive, lerne dabei auch noch ein paar Leute kennen, und ein bisschen sportlicher Ehrgeiz ist auch dabei. Denn jede Gruppe will schließlich am Ende der Sieger sein.“



Autor: Torge Hidding


Stand: 07.06.2010




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