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Ratgeber
Erlebnisreisen
Sendung vom 01. Oktober 2011
Mit dem Molli entlang der Ostseeküste
Die Mecklenburgische Bäderbahn "Molli" verkehrt bis heute im Dampfbetrieb auf der in Deutschland sehr seltenen - da schmalen - 900-Millimeter-Spur. Die Bahn wurde 1886 eröffnet und verband zunächst Bad Doberan mit Heiligendamm. 1910 wurden die Gleise bis Kühlungsborn-West verlängert. Für die Gesamtstrecke von 15,4 Kilometern braucht der Zug eine knappe Dreiviertelstunde.
Der "Molli" gilt seit 1976 als Denkmal. Er ist aber nach wie vor nicht nur Museumsbahn, sondern auch in den öffentlichen Nahverkehr integriert. Der Zug verkehrt fahrplanmäßig, im Sommer tagsüber stündlich, im Winter etwa alle zwei Stunden. Parallel werden auch Busse eingesetzt.
Bei einer Geschwindigkeit von maximal 40 Stundenkilometern hat
man einen Ausblick auf die Felder der "Kühlung",
einer hügeligen Landschaft Nord-Mecklenburgs, auf den
Gespensterwald und in Bad Doberan beinahe in die Wohnzimmer der
Häuser, da der Zug hier mit Schrittgeschwindigkeit wie eine
Straßenbahn mitten durch die Stadt fährt.
Besichtigungen rund um die Strecke empfehlen sich vor allem in
Heiligendamm wegen der klassizistischen Bäderarchitektur, in
Bad Doberan wegen des Münsters und in Kühlungsborn wegen
der renovierten Stadtvillen. Von Heiligendamm aus kann man einen
schönen Strandspaziergang nach Kühlungsborn
unternehmen.
Vor allem aber vermittelt der Zug ein Fahrgefühl wie zu
Kaisers Zeiten, auch wenn die Waggons in den 70er-Jahren
modernisiert worden sind. Im Originalzustand belassen wurden
lediglich die Wagen eines Traditionszuges, der allerdings nur zu
Sonderfahrten eingesetzt wird.
Für das kulinarische Wohl ist im und um den "Molli" reichlich gesorgt. Auf fast jeder Fahrt ist ein Salonwagen dabei, in dem Kaffee und Kuchen oder ein Imbiss sowie diverse Getränke serviert werden - darunter der hauseigene "Molli-Sekt".
Erwachsene zahlen für eine Hin- und Rückfahrkarte 10,40 Euro, Kinder 7 Euro und eine Familie 26 Euro. Es gibt diverse Ermäßigungen für Gruppen. Außerdem sind (entsprechend billigere) einfache oder Kurzstreckenfahrten möglich. Eine Fahrradmitnahme kostet 1,70 Euro. Alle Tickets bleiben den ganzen Tag über gültig, sodass eine Fahrunterbrechung an jedem Bahnhof möglich ist. Maximal ein Gast darf im Führerstand der Lok mitfahren - für 25 Euro pro Richtung.
Die private "Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH" organisiert nicht nur den Zugbetrieb, sondern unterhält auch das Molli-Museum am Bahnhof Kühlungsborn-West. Hier können Eisenbahnfans Details der Technik studieren. Wer noch mehr lernen will, kann sich in einem zehntägigen Kurs zum Ehrenlokführer ausbilden lassen. Zum Museum gehört ein Café. Außerdem gibt es mit dem "Herzoglichen Wartesaal" im Bahnhof Heiligendamm und der Erlebnisgaststätte "Mollis Lo©kschuppen" im Bahnhof Kühlungsborn-Ost zwei Restaurants unmittelbar an der Strecke. Als Geheimtipp gilt der "Fischkaten zur Maischolle" in Kühlungsborn-Mitte, wo Peter Klatt frischen Ostseefisch serviert.
Wer morgens um sieben Uhr vom Pfeifen und Schnaufen des "Molli" geweckt werden will, kann im Bahnhof Heiligendamm Ferienzimmer oder -wohnung mieten.
Die Müritz in Mecklenburg-Vorpommern ist Deutschlands größter Binnensee. Er misst 117 Quadratkilometer und gehört zur Mecklenburgischen Seenplatte. Die Müritz ist eines der schönsten Wassersportreviere in Deutschland. Aber nicht nur Wassersport wird hier groß geschrieben, sondern auch Natur und Naturschutz. Der Müritznationalpark liegt am Ostufer des Sees. Auf der Müritz sind viele Hausboote unterwegs. Zu den Touren kann man von verschiedenen Häfen aus aufbrechen. Das Hafendorf Müritz in Rechlin ist ein Startpunkt. Für eine Hausboottour braucht man keinen Führerschein. Eine theoretische und praktische Einweisung vor Antritt der Reise reichen, um die bis zu 12,80 Meter langen Pötte alleine zu steuern. An den Seen gibt es überall kleine Häfen zum Anlegen. Kanäle verbinden die einzelnen Seen miteinander. Hübsche Ortschaften zum Einkaufen und Bummeln sind schnell zu erreichen - damit die Seefahrer alles haben, was sie brauchen.
Eine Woche auf einem Hausboot kostet ab 1.760 Euro für ein Boot, auf dem bis zu neun Personen Platz haben. Hinzu kommen Kautionen für das Boot von 1.000 Euro und für den Treibstoff in Höhe von 160 Euro. Treibstoff ist genug an Bord, Nachtanken ist überflüssig. Außerdem muss man mit 6,85 Euro pro Betriebsstunde des Bootes rechnen: Darin sind die Treibstoffkosten, Strom und Gas enthalten. Hafengebühren kosten extra. Sie werden nach Bootslänge berechnet, pro Meter zwischen einem und 1,30 Euro oder pauschal circa 15 bis 16 Euro. Wer Wasserwandern will und dabei die Natur erleben möchte, für den ist eine Hausboottour genau richtig - ein Ferienvergnügen nicht nur für Familien.
R. Kusch und Ulrike Bartels
Stand: 29.09.2011
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