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Erlebnisreisen
Sendung vom 06. Januar 2010
Sardinien - Städte, Strände, Steilküsten
Sardinien ist eine Insel der Gegensätze. Im Inselinneren wirken die Dörfer und Städte eher verschlossen, die Hafenstadt Alghero im Nordwesten hingegen weltoffen und leicht. Die Stadt zählt etwa 40.000 Einwohner, sie gilt als eine der schönsten Städte der Insel.
Alghero präsentiert sich als pittoreske Festungsstadt, die ihren Charme bewahrt hat. Angela Artissunch zeigt uns die schönen Ecken Algheros. Die Tochter eines Sarden und einer Deutschen lebt seit 1994 in Sardinien und arbeitet als Reiseleiterin auf der Insel.
Ein Teil der Altstadt ist für den Autoverkehr gesperrt. Mehr als in anderen sardischen Städten finden sich hier Straßencafés und Restaurants. Es gibt viele Boutiquen, die allerdings nicht preiswerter sind als die Modegeschäfte in Deutschland.
Im Sommer ist Alghero eines der wichtigsten Touristenzentren der Insel. Im Juli und August verdoppelt sich die Einwohnerzahl, und wer nicht rechtzeitig bucht, hat kaum eine Chance, noch ein Hotelzimmer zu finden. Das Gleiche gilt für die Restaurants im Zentrum. Ohne zeitige Tischreservierung ist hier in der Hochsaison kein Platz zu bekommen.
Die wunderschön erhaltene Stadtmauer ist zur beliebten Flaniermeile für die Algheresen geworden. Abgesehen von der Befestigungsanlage besticht Alghero nicht durch besondere Sehenswürdigkeiten, sondern durch seine Lage und seine mediterrane Atmosphäre. Aber aufgepasst: Zwischen 13.00 und 17.00 Uhr wirkt Alghero wie ausgestorben. Die Algheresen zelebrieren ihre Siesta konsequent. Vor allem am Spätnachmittag und am Abend ist die Stadt quicklebendig.
Es lohnt, den Torre Porta Terra zu besteigen. Von dem ehemaligen Stadttor hat man einen besonders guten Blick über die gesamte Stadt. Fisch- und Gemüsemarkt sind einen Besuch wert. Hier erlebt man die Algheresen noch unter sich.
Mittlerweile wird die Stadt aus Deutschland von Billigairlines angeflogen. Touristen lassen sich mit dem Bimmelbähnchen durch die Altstadt fahren. Die meisten Hotels liegen außerhalb des Stadtzentrums Richtung Norden.
ahrelang war Alghero in Sachen Besucherzahlen die unangefochtene Nummer eins in Sardinien. Kein Wunder, denn gleich in der Nähe finden sich viele schöne Strände.
Wahrzeichen der Stadt ist die riesige Festungsmauer, die von der genuesischen Adelsfamilie Doria gebaut wurde. Heute ist sie eine der schönsten Flaniermeilen des gesamten Mittelmeerraums. Bis 1353 blieb die Stadt unter genuesischer Herrschaft. Dann stand die Stadt vier Jahrhunderte unter katalanisch-aragonischer Herrschaft. Bis heute sprechen die Algheresen einen katalanischen Dialekt. Die Straßenschilder sind in zwei Sprachen gehalten. Für viele Sarden ist Alghero keine wirklich sardische Stadt.
Berühmt ist Alghero auch wegen seines Korallenschmucks. Seit Jahrhunderten verarbeiten algheresische Handwerker die dunkelrote sardische Koralle zu Schmuck. Das Geschmackspektrum reicht weit, von ultrakitschig bis gediegen und geschmackvoll. Die rote Edelkoralle lebt in Meerestiefen von 2 bis 280 Metern. Seit Frühjahr 2007 allerdings ist der Abbau der Koralle rund um Sardinien verboten. Zu viele Korallenbänke wurden in der Vergangenheit rücksichtslos vernichtet. Die Goldschmiede müssen sich aus Altbeständen bedienen. Ob das Korallentauchen je wieder erlaubt wird, ist ungewiss.
Etwa eine Autostunde entfernt, Richtung Süden, liegt Bosa. Verglichen mit dem quirligen Alghero führt das 8.000-Einwohner-Städtchen ein Schattendasein. Zu Unrecht. Denn der Ort am einzigen schiffbaren Fluss der Insel, dem Temo, ist allemal einen Abstecher wert. Schon die etwa 50 Kilometer lange Fahrt von Alghero entlang der Küstenstraße ist ein Erlebnis.
Etwa 1,7 Millionen Menschen leben auf einer Fläche von ungefähr 24.000 Quadratkilometern. Das sind etwa 70 Einwohner pro Quadratkilometer. Damit gehört Sardinien zu den am wenigsten besiedelten Gebieten Südeuropas. In der Hauptstadt Cagliari und Umgebung wohnen etwa 250.000 Menschen. Sassari ist mit 120.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt. In Alghero, Oristano und Nuoro sind weniger als 40.000 Einwohner gemeldet.
Die Ausdehnung der Insel beträgt in Ost-West-Richtung 145 Kilometer, in Nord-Süd-Richtung 270 Kilometer. Die Entfernung zum italienischen Festland liegt bei etwa 190 Kilometern, Tunesien ist etwa 180 Kilometer entfernt. Über die Meerenge von Bonifacio sind es nur 12 Kilometer nach Korsika.
Die gesamte Küste umfasst mehr als 1.800 Kilometer. Der höchste Berg ist die Punta La Marmora mit 1.834 Metern.
Bei unseren Dreharbeiten wurde uns von einer international arbeitenden Verleihfirma ein Wagen angeboten, dessen Reifen bereits bis auf die Metallkarkasse abgefahren waren. Das ist lebensgefährlich. Man sollte also bei der Übernahme den Wagen unbedingt sorgfältig prüfen, in Sardinien und überall sonst auch.
Ralf Gierkes
Stand: 17.12.2009