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Sendung vom 24. September 2011
Sardinien: Bootsfahrt am Golf von Orosei
Sardinien ist die Strandinsel schlechthin. An den 1.800 Kilometern Küste finden sich unzählige nahezu unberührte Strände. Das Wasser ist meist von bester Qualität und hat selbst im Oktober bis Anfang November noch etwa 20 Grad Celsius.
An der Ostküste starten Ausflugsboote zu Tagesausflügen entlang des Golfes von Orosei, eine der imposantesten Steilküsten des Mittelmeeres. Wir sind im Hafenstädtchen Arbatax an Bord der Helios von Kapitän Sergio Vacca gegangen. Das Schiff ist 16 Meter lang, 23 Tonnen schwer und weitgehend aus Holz gefertigt. Die Helios ist für 25 Passagiere ausgelegt.
Sergio ist ein Vollblutkapitän, der nichts riskiert. Bei schlechtem Wetter bleibt die Helios im Hafen. Schließlich sind die Felswände des Golfes von Orosei nicht ganz ungefährlich. 1963 zerschellte hier bei hohem Seegang ein Schiff, 13 Seeleute fanden den Tod.
Sergio Vacca ist ein Allroundtalent. Bevor er das Kapitänspatent erlangte, hat er als Kfz-Mechaniker und Lebensmittelgroßhändler gearbeitet. Den Winter über verdient er seinen Lebensunterhalt immer noch als Fischer.
Sergio liebt es, Touristen durch den Golf von Orosei zu fahren. Im Sommer erzählt er täglich mit bleibender Begeisterung von all den Grotten und Stränden, den Stränden der Verliebten, Verlobten und Geschiedenen - eine wunderbare Mischung aus Seemannsgarn und sardischen Sagen. Einziger Nachteil: Sergio spricht nur Italienisch und Sardisch. Meist aber findet sich unter den Gästen an Bord jemand, der übersetzen kann.
Knapp 70 Kilometer Küste in Richtung Norden sind unverbaut. Viele Strände und Grotten, die auf der Bootstour angelaufen werden, sind nur nach stundenlangen Fußmärschen oder mit dem Boot zu erreichen. Wo die Helios nicht fahren kann, kommt ein Schlauchboot zum Einsatz.
In eine der Grotten gelangt man durch einen kleinen Felskanal, das Grotteninnere wird durch ein Felsfenster beleuchtet, das zum Meer hin geöffnet ist. Die Farben des Wassers sind bei Sonnenschein kristallklar.
Den kleinen Sandstrand im Inneren einer anderen Grotte kann man nur schwimmend und auch nur dann erreichen, wenn man unter einem kleinen Felsvorsprung durchtaucht.
Bei dieser Tour gibt es nicht nur einen Höhepunkt. In den 50 Euro pro Person ist außer der etwa neun Stunden dauernden Bootsfahrt auch ein gutes Essen enthalten. Der Strand der Verliebten bietet mehr als einen Hauch von Karibik, das Wasser ist auch hier kristallklar. Am Ende der Bucht steht Bootsmann Tonino mit einer Suppenkelle und Plastikbechern am Fels und schöpft Wasser aus dem Meer. „Probier mal, das ist Süßwasser!", sagt er. Der scheinbare Scherz entpuppt sich als extravagantes Spiel der Natur. Tatsächlich ist das Wasser im Salzwasser Süßwasser. Eine Quelle aus den Felsen tritt hier, am Meer, an die Oberfläche und sorgt ständig für frisches Trinkwasser.
Besonders eindrucksvoll ist die „Grotta del Fico". Sergio läuft sie auf besonderen Wunsch an. Die Tropfsteinhöhle wurde erst 2003 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Öffnung zur Grotte liegt 10 Meter über dem Meeresspiegel. Etwa 1,8 Grottenkilometer sind mittlerweile zu besichtigen. Die Grotte gilt als eine der schönsten in Sardinien. Ein Großteil von ihr ist noch nicht erforscht. Bis in die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts lebten an der Grotte zahlreiche Mönchsrobben, die inzwischen von sardischen Fischern ausgerottet wurden.
Manchmal kann es an Bord etwas schaukeln. Alle, die schnell seekrank werden, sollten sich also überlegen, ob sie diese Tour buchen.
Etwa 1,7 Millionen Menschen leben auf einer Fläche von ungefähr 24.000 Quadratkilometern. Das sind etwa 70 Einwohner pro Quadratkilometer. Damit gehört Sardinien zu den am wenigsten besiedelten Gebieten Südeuropas. In der Hauptstadt Cagliari und Umgebung wohnen etwa 250.000 Menschen. Sassari ist mit 120.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt. In Alghero, Oristano und Nuoro sind weniger als 40.000 Einwohner gemeldet.
Die Ausdehnung der Insel beträgt in Ost-West-Richtung 145 Kilometer, in Nord-Süd-Richtung 270 Kilometer. Die Entfernung zum italienischen Festland liegt bei etwa 190 Kilometern, Tunesien ist etwa 180 Kilometer entfernt. Über die Meerenge von Bonifacio sind es nur 12 Kilometer nach Korsika.
Die gesamte Küste umfasst mehr als 1.800 Kilometer. Der höchste Berg ist die Punta La Marmora mit 1.834 Metern.
Man könnte Sardinien auch als die Hirteninsel bezeichnen. 30.000 Schäfer sind Herren über die etwa vier Millionen dort lebenden Schafe. Die geben im Jahr etwa 300 Millionen Liter Milch. Schafe und Ziegen sind eine wichtige Säule der sardischen Wirtschaft: 25.000 Tonnen Schafskäse (Pecorino) werden auf der Insel produziert. Das sind 80 Prozent des gesamten in Italien produzierten Schafskäses mit einem Umsatz von knapp 400 Millionen Euro.
Ralf Gierkes
Stand: 17.12.2009
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