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Sendung vom 25. Mai 2012
Stralsund
Stralsund ist ja sozusagen die Schwesterstadt Wismars, was den Kultur-Erbe-Status betrifft. Weltkulturerbe – seit 2002 teilen sich beide Innenstädte dieses begehrte Markenzeichen. Ob man sich damals nicht entscheiden konnte? Mag sein. Stralsund hat einen ganz eigenen Charakter, der dem Wismars aber an Attraktivität keineswegs nachsteht. Die alte Hansestadt liegt am Festland direkt gegenüber von Rügen. Wer von Altefähr, dem kleinen Hafen auf Rügen, in Richtung Stralsund schaut, der wird mit einem fantastischen Blick auf die Stadt belohnt. Und er kann mit dem Schiff von Altefähr übersetzen. Am Hafen fällt ein Gebäude sofort ins Auge: das Ozeaneum. Wie hingeworfene Kiesel sieht es aus, verkleidet mit Stahlblechen aus dem Schiffsbau. Eigenartig und doch sehr maritim. Günther Behnisch, der Architekt des ehemaligen Bonner Plenarsaals und weltberühmte Baumeister, hat das Haus entworfen. Im Inneren geht es genauso spektakulär weiter. Das Ozeaneum beherbergt eine sehr liebevoll gemachte Ausstellung des Lebensraums Nordatlantik. Man sieht dessen Tierwelt in riesigen Aquarien, man erlebt eine Präsentation über die Welt der Wale mit den Meeressäugern im Maßstab eins zu eins. Doch das Ozeaneum ist nur eines von drei maritimen Museen in Stralsund. Es gibt noch das Meeresmuseum im ehemaligen Kloster Sankt Katharinen, und das Nautineum, das die Meeresforschung präsentiert. Die Preise für einen Besuch im Ozeaneum sind mit 14 Euro pro Erwachsenem und 8 Euro pro Kind nicht unerheblich. Doch es gibt auch Familientickets für zwei Erwachsene und ein Kind für 31 Euro, beziehungsweise 34 Euro mit zwei Kindern. Wer länger in Stralsund ist und die anderen Museen auch besuchen möchte, für den empfiehlt sich das Kombiticket. Das ist sogar drei Monate gültig. 19,50 Euro kostet der Besuch in allen drei Museen für Erwachsene, 12,50 Euro für Kinder. Das Familienticket gibt es hier ab 44,50 Euro.
Stralsund hat wirklich viel zu bieten. Allein die Altstadt mit ihren Gassen, die mittlerweile wieder vorbildlich restaurierten Backsteinhäuser und die Museen bieten Beschäftigung für eine gute Woche. Auf gar keinen Fall darf man versäumen, das Museumshaus in der Mönchstraße 38 zu besuchen. „Museumshaus“, das hört sich ein bisschen betulich an, ist aber ausgesprochen spannend. Das Haus ist nämlich ein altes Kaufmannshaus aus dem Mittelalter, das bis 1974 bewohnt wurde. Die Jahrhunderte haben Spuren hinterlassen in diesem Gebäude, und diese Spuren hat man sichtbar gemacht. Alles wurde so restauriert, dass die Schichten der Zeit erlebbar werden. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart – unmittelbarer und greifbarer kann man Geschichte nicht erfahren. Dass es in Stralsund auch einige der schönsten Backsteinkirchen an der ganze Ostseeküste gibt, ist da schon fast eine Selbstverständlichkeit. Sankt Nikolai, direkt hinter dem Rathaus mit seiner kunstvollen Schaufassade gelegen, ist von allen die spektakulärste. Die Farbigkeit des Innenraums ist überwältigend.
Das Johanniskloster, das Heilgeistkloster, das kulturhistorische Museum ... Es gibt wirklich viele Orte, die man sich in Stralsund nicht entgehen lassen sollte. Gerade die alten Klosteranlagen sind liebevoll restaurierte Orte mit einem ganz besonderen Flair. Genauso wie der alte Hafen. Früher war hier Sperrgebiet. Zu DDR-Zeiten durfte niemand, der hier nichts verloren hatte, den Hafen betreten. Zu nah die Gegenwart von Schiffen, die in alle Welt fahren konnten. Heute ist der Hafen ein lebendiges Stadtviertel geworden mit Kneipen, Gassen und Museen. Das Segelschulschiff Gorch Fock etwa ist hier vor Anker gegangen und kann besichtigt werden. Und auch einen Blick vom Kirchturm von Sankt Marien sollte man sich nicht entgehen lassen. Nirgendwo sieht man besser die herrliche Lage Stralsunds, umgeben von Wasser, und direkt an der Ostsee. Bei gutem Wetter kann man sogar den Leuchtturm von Hiddensee sehen – und mit der Fähre auch direkt von Stralsund aus übersetzen. Die Fahrt dauert zweieinhalb Stunden. Auch eine Idee – aber erst, wenn man Stralsund wirklich erkundet hat!
P. Eling und U. Eling
Stand: 05.08.2011, 00.00 Uhr
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