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Buchtipps vom 16.04.2008
Markus Zusak
Blanvalet 2008
ISBN-13: 978-3764502843
Die Geschichte eines kleinen Mädchens in Zeiten des 2.
Weltkriegs. Auf der Flucht stirbt der Bruder der kleinen Liesel vor
ihren Augen. Die Mutter ist völlig überfordert, gibt die
Kleine bei Pflegeeltern in der Nähe Münchens ab. Hans und
Rosa Hubermann sind dem Mädchen fremd, doch mit Hilfe des
liebevollen Pflegevaters findet sie sich bald zurecht.
Jetzt könnte man erzählen, in welche Katastrophe die
zusammen gewürfelte Familie hineinrutscht und dass ein paar
gestohlene Bücher nicht nur Liesel das Leben retten werden.
Aber es gibt in diesem Buch einen grandiosen Erzähler und er
beschreibt perfekt, worum es geht: “Es ist eigentlich nur
eine kleine Geschichte, und sie handelt unter anderem von einem
Mädchen, ein paar Worten, einem Akkordeonspieler, ein paar
fanatischen Deutschen , einem jüdischen Faustkämpfer und
einer ganzen Menge Diebstählen.“
Der Erzähler ist niemand anderes als der Tod. Er sieht Rosa,
die kleine Bücherdiebin drei Mal. Beim dritten Mal nimmt er
sie mit.
Markus Zusak, Jahrgang 1975, lebt in Sydney, schrieb preisgekrönte Romane für Jugendliche. „Die Bücherdiebin“ ist sein erster Roman für Erwachsene. Er wurde in 26 Sprachen übersetzt, die Filmrechte sind verkauft, das Buch kam sofort in zahlreichen Ländern auf die Bestsellerliste.
Eigentlich, schreibt der Autor im Nachwort, sollte dieses Buch
bloß ein schmales Bändchen werden, nicht mehr als eine
Erinnerung an die Geschichten seiner Eltern aus München und
Wien. Eine Erinnerung an die Bombennächte des zweiten
Weltkrieges, wenn der Himmel in Flammen stand. Und eine Erinnerung
an ein paar Kinder, die bestraft wurden, weil sie völlig
entkräfteten Juden, die irgendwo in Süddeutschland
über eine Dorfstraße zum KZ Dachau getrieben wurden, ein
Stück Brot schenkten.
Aus dem schmalen Bändchen ist ein fast 600 Seiten starkes Buch
geworden, aber der Umfang muss niemanden abschrecken. Die
Geschichte von Liesel, der kleinen Bücherdiebin, trägt
einen davon, ganz leicht und mühelos von der ersten bis zur
letzten Seite .Denn der Tod ist ein grandioser Erzähler,
sanftmütig und freundlich, aber – letzten Endes - auch
sehr konsequent.
Dass es ein sehr bewegendes, aber nicht unbedingt ein trauriges Buch ist. Große Tragödien und kleine Freuden, Lachen und Weinen, Liebe und Grausamkeit, Gut und Böse halten sich immer die Waage.
Dass es in Teilen eine wahre Geschichte ist und dass man nicht anders kann, als sich der Nazideutschen von damals auch heute noch zu schämen.
Hiromi Kawakami
Hanser Verlag 2008
ISBN-13: 978-3446209992 008
ist eine Liebesgeschichte und sie hat etwas von den zwei
Königskindern, die nicht zusammenkommen können. Nicht
wollen?
Es ist die Geschichte eines alten Mannes und einer mittelalten
Frau. Tsukiko ist knapp vierzig und zur Liebe nicht begabt. Das
glaubt sie zumindest. Eines Tages trifft sie in einer Kneipe ihren
alten Japanisch-Lehrer aus der Schule wieder. Auch er lebt allein.
Sie reden und essen zusammen, danach geht jeder seiner Wege. Aber
sie treffen sich immer wieder in jener Kneipe, ohne dass sie sich
verabredet hätten. Als suchten sie einander, obwohl sie
gleichzeitig versuchen, jede Annäherung zu vermeiden. Der alte
Mann, weil die Erinnerung an seine Frau, die ihn vor vielen Jahren
verlassen hat, zu stark ist. Die Frau, weil sie glaubt, zur Liebe
nicht begabt zu sein.
Ob die beiden Königskinder bleiben oder ob sie zueinander
finden, das darf man vorher nicht verraten. Es ist zu schön,
das selbst herauszufinden.
Hiromi Kawakami, 1958 in Tokio geboren, studierte Naturwissenschaften und unterrichtete Biologie. Vor 18 Jahren erschien ihr erster Roman. Ihre Bücher wurden mit zahlreichen japanischen Literaturpreisen ausgezeichnet (auch dieses Buch) und sie zählt zu den populärsten Schriftstellern ihres Landes. “Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ wurde bereits verfilmt. Es ist Kawakamis erstes Buch, das ins Deutsche übersetzt wurde.
Ich kenne Sushi und Sashimi, ich weiß um Hiroshima und
Nagasaki, ich habe von Kamikaze gehört und die Gerüchte
über das japanische Kaiserhaus.
Ich weiß also fast nichts von Japan. Während ich dieses
Buch las, dachte ich: vielleicht lieben sie ja so, die Japaner,
vielleicht ist das ihre Art, Liebe zu zeigen, abwartend und fern zu
bleiben, sich die ganze Zeit über zu siezen.
Am Ende des Buches war mir klar, dass das falsch ist. Wahr ist,
dass die Liebe zwischen zwei Menschen immer einzig – artig
ist, egal ob sie sich in Tokio oder in Bielefeld treffen.
Dieses Buch, hat ein Kritiker geschrieben, liest sich wie eine
Anleitung zum Glück. Es erzählt von den kleinen Dingen
des Lebens, von den kleinen Gesten, die es heller machen. Und das
macht es auf eine feine und gleichzeitig auch fast herbe Art. Aber
es kostet kein bisschen Mühe, diese beiden Menschen zu
beobachten, sich in der uns fremden Kultur zurechtzufinden. Es ist
eine wunderschöne Liebesgeschichte, deren beeindruckendes Ende
fast beiläufig daherkommt.
Und am Ende würde man am liebsten die nächsten vier
Wochen beim Japaner essen.
Dass ich mich auf dieses Buch eingelassen habe.
Dass ich das Glossar am Ende des Buches (das ein paar wichtige japanische Alltagsbegriffe erklärt) leider wirklich erst am Ende entdeckt habe.
Christine Westermann
Stand: 16.04.2008