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Buchtipp vom 18.05.2005
Renate Dorrestein
C. Bertelsmann Verlag, ISBN 3-570-00824-X
Die Geschichte eines kleinen Mädchens, das in einer holländischen Reihenhaussiedlung aufwächst. Loes ist fünf Jahre alt und lebt anders als die anderen Kinder .Hat keinen Vater, der morgens zur Arbeit fährt und keine Mutter, die sich um den Haushalt kümmert. Im Gegenteil. Die Mutter illustriert Kinderbücher, der Haushalt ist ihr ziemlich egal. Sie lebt mit den Lucos zusammen, zwei Männern, die beide glauben, dass sie Loes Vater sind. Loes ist mutig, hat immer verrückte Ideen und alle Kinder wollen mit ihr befreundet sein. Das ändert sich schlagartig, als eines Tages der Vater ihres besten Freundes tot aufgefunden wird. Jemand hat ihm einen Buntstift durchs Auge bis in den Schädel gerammt. Loes Mutter soll ihn umgebracht haben, weil er das Kind sexuell belästigt hat. Als die Mutter ins Gefängnis kommt, wenden sich die Kinder von Loes ab. Sie wird gedemütigt, geschnitten, verachtet verprügelt. Und lässt alles still, ohne Gegenwehr, über sich ergehen .Als die Mutter nach Jahren aus der Haft entlassen wird, ist aus dem fröhlichen Kind ein introvertiertes, wortkarges Mädchen geworden. Die Mutter ahnt warum und handelt. Die „Familie“ verlässt die Siedlung und zieht auf eine kleine Insel vor der Küste Irlands. Dort erfährt Loes kurz nach ihrem 18. Geburtstag, was wirklich in jener Mordnacht passiert ist und dass sie den falschen Menschen vertraut hat.
Ein Erdbeerfeld ist Loes großer Traum, seit sie auf der kleinen Insel mitten im rauen Atlantikklima lebt, wo nur Weißkohl eine Überlebenschance hat. Zu ihrem 18. Geburtstag schenken ihr die Lucos ein Erdbeerfeld nahe der niederländischen Siedlung, wo alles Unheil begann.
Renate Dorrestein ist in den Niederlanden eine sehr bekannte Schriftstellerin. „Das Erdbeerfeld“ stand in den Niederlanden 2003 wochenlang auf den Bestsellerlisten. Im Original heißt das Buch „Das Düstere, das uns trennt“, ein Titel, der meiner Meinung nach den Kern der Geschichte besser trifft als „das Erdbeerfeld“.
Die Geschichte ist spannend, aber kein Kriminalroman. Bewegend, aber kein Rührstück. Traurig , aber nicht zum Heulen. Sie wurde offensichtlich nahe an der Wirklichkeit geschrieben. Bevor das Buch entstand, fand die Autorin zufällig einen Zeitungsartikel über Mobbing. Eine Mutter erzählte, dass sie in der Tasche ihrer Tochter Drohbriefe gefunden hatte: „Du dreckige Schlampe, wir fackeln dich ab. Absender. Dein ärgster Feind.“ Renate Dorrestein hat dieses Zitat wörtlich in ihrem Roman verwendet. Es war der Auslöser, dieses Buch zu schreiben.
Der Roman ist eine „Zwiebelgeschichte“. Es gibt überraschende, völlig unerwartete Wendungen und nur langsam, ganz sachte schält sich die Wahrheit heraus. Ein Buch , das einem noch Tage später morgens einfällt, wenn man aufwacht.
Das Ende. Die letzten, sagen wir mal, zehn Seiten. Die sind völlig überflüssiger Rührkram. So als ob sich die Autorin nicht aufraffen konnte, endlich Schluss zu machen oder unbedingt über dreihundert Seiten kommen wollte. Das fand ich richtig ärgerlich. Aber da Sie es jetzt ja wissen, können Sie bei Seite 310 das Buch einfach zuklappen.