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Buchtipps vom 29.11.2006
Amanda Sthers
Sammlung Luchterhand 2006, ISBN 3630621074
Die Geschichte spielt in Afghanistan und Amerika. Simon und Alfred sind Juden, nicht gerade die dicksten Freunde, verbringen aber notgedrungen Zeit miteinander, weil sie zu den wenigen Juden Kabuls gehören. Eines Tages sucht die junge Afghanin Naema Hilfe bei Alfred. Sie hat eine Liebesnacht mit dem amerikanischen Korrespondenten Peter verbracht. Wenn ihre Familie herausfindet, dass sie schwanger ist, wird man sie steinigen.Sie ist Analphabetin, mit Alfreds Hilfe wird sie einen Brief an Peter schreiben, damit er sie nach Amerika holt. Dieser Brief wird Peter nie erreichen. Seine Frau liest ihn, legt ihn in ein Schließfach und nimmt sich das Leben. Als Naemas Familie die Schwangerschaft bemerkt, werden der alte Jude und die junge Frau gesteinigt. Zehn Jahre später erfährt Peter in New York vom alten Simon, wie verzweifelt Naema auf seine Antwort gewartet hat.
Französin, 28 Jahre alt, Schriftstellerin, Fernsehredakteurin, Drehbuchautorin. Die Geschichte von Simon und Alfred wurde in Paris mit großem Erfolg fürs Theater inszeniert.
Eine moderne Version von Romeo und Julia, hat ein Kritiker
geschrieben. Und was für eine. Ich habe selten ein Buch wie
dieses gelesen. Es hat lange auf meinem Sachreibtisch gelegen, weil
ich mir nicht so sicher war, ob ich Worte finden würde, diese
Geschichte zu würdigen. Die Feinheit der Sprache , die sanfte
Melancholie, mit der von der Tragödie im Leben dieser Menschen
erzählt wird. Ich habe gleich zu Beginn der Geschichte auf die
letzten Seiten geblättert, etwas , was ich sonst nie tue. Ich
hatte wider besseres Wissen auf ein glückliches Ende gehofft.
Mir kommt es so vor , als würde die Sicht von außen, die
Sicht eines Fremden, meine Sicht, diesem Buch etwas von seiner
ungeheuren Ausstrahlung, seiner Kraft, seiner Wucht nehmen.
Ich mache deshalb eine Anleihe bei Elke Heidenreich: LESEN! Dieses
Buch! Ausrufungszeichen!
......dass man dieses Buch freiwillig zweimal liest.
...schon zu Beginn die letzten Seiten zu lesen.
Jon Kalman Stefansson
Reclam Leipzig 2006, ISBN 3379008672
Ein zehnjähriger Junge aus Island , der auf Abenteuerreise geht . Sommerferien bei den Großeltern – das bedeutet einen weiten Flug, denn Oma und Opa leben in Norwegen, wo es, anders als zu Hause, Bäume gibt und Männer in kurzen Hosen rumlaufen. Der Roman beschreibt die Welt aus den Augen eines Kindes, nicht unbedingt immer eine heile Welt , denn die Familienverhältnisse, aus denen es kommt, sind schwierig. In diesem Sommer passiert eine Menge. Der Junge macht neue Freunde und gute Geschäfte, indem er die Unterhosen seiner Teenie-Halbschwester an die älteren Jungens im Viertel verkauft. Er hat eine blühende Fantasie, fürchtet sich vor Spinnen, liebt Jäger und Ritter, denkt über Gott, die Frauen, den Himmel ,die Zeit, den Tod und die Liebe nach. Und rechnet eigentlich immer mit dem Schlimmsten. Das aber zum Glück eher selten eintritt.
... ist Isländer, 43 Jahre alt, hat Romane und Gedichte geschrieben. Für die „ Riesenkiefern...“ bekam er im letzten Jahr den isländischen Literaturpreis.
„Mit einer unvorstellbaren Menge von Süßigkeiten hinter einem Stein zu sitzen und von niemandem gesehen zu werden , außer vielleicht vom Meer und dem Himmel und vielleicht Gott“. Und Glückseligkeit für einen Erwachsenen? Dieses Buch zu lesen. Da denkt einer über seine Kindheit nach und schreibt diese Gedanken als Erwachsener auf. Erinnert sich wie ein Kind aber begreift wie ein Erwachsener. Und beschreibt in einer einfachen und doch großartigen Sprache die Welt der Großen und der Kleinen. Das ist sehr berührend, manchmal auch traurig, oft aber einfach nur komisch und zum Weglachen. Ein Buch, das einem ein nicht enden wollendes Lächeln ins Gesicht zaubert.
Die vielen schönen Sprachbilder und eines davon gilt den norwegischen Großeltern: „Oma und Opa. Zwei Worte, die einen aufrichten können wie eine Religion. Wie eine riesige Kiefer.“
Nicht wirklich schlimm, aber meine Bestenliste wird länger. Dieses Buch gehört unbedingt (!) dazu.