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Internationaler Hebammentag

Hebammen protestieren – Berufsstand vor dem Aus?

Es ist einer der ältesten Berufe, so gut wie ausschließlich von Frauen ausgeübt: der Hebammen-Beruf. Rund 18.000 Hebammen gibt es bundesweit, ein Großteil arbeitet freiberuflich. Und genau diese Frauen sind von ihrer Existenz bedroht. Zum 1. Juli sollen die Haftpflichtprämien für die Hebammen so eklatant ansteigen, dass sie befürchten aufgeben zu müssen.

Geburtshäuser mussten bereits schließen

Hebamme wiegt Baby.

Am 5. Mai, dem Internationalen Hebammentag, sind die Frauen in diesem Jahr bundesweit auf die Straße gegangen, um für ihren Berufsstand zu kämpfen. „In Witten und Bocholt mussten bereits Geburtshäuser schließen. In Unna und Soest ist die Situation ähnlich schlimm, aber sie wollen irgendwie versuchen weiterzumachen“, beschreibt Renate Egeltraud, 2. Vorsitzende des Hebammen-Landesverbands NRW, die Lage. „Ich spreche jeden Tag mit Frauen, die gezwungen sind aufzugeben“, so Egeltraud. „Die persönlichen Geschichten sind heftig.“

Verdienst: 7,50 Euro die Stunde

Hebamme hält Baby auf dem Arm.

Betroffen sind die freiberuflichen Hebammen, die Belegbetten in Kliniken haben, in Geburtshäusern arbeiten oder als Hausgeburtshebamme tätig sind. Sie müssen eine Berufshaftpflichtversicherung haben, deren Beiträge in den letzten Jahren enorm gestiegen sind. Renate Egeltraud rechnet vor: „2007 habe ich noch 1.400 Euro im Jahr bezahlt, aktuell sind es 2.600 Euro jährlich.“ Und zum 1. Juli sollen die Prämien nun noch einmal um bis zu 50 Prozent steigen. Damit sehen die Hebammen das Aus für ihren Berufsstand, weil diese Kosten nicht mehr zu tragen seien. Demgegenüber stehen Einnahmen von 237 Euro für die Betreuung einer Beleggeburt sowie 537 Euro für eine Hausgeburt. „Umgerechnet bleiben uns 7,50 Euro die Stunde“, sagt Egeltraud. 7,50 Euro Stundenlohn für einen Beruf mit viel Verantwortung, dazu oft sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag in Bereitschaft sein.

Die Versicherer begründen den Anstieg der Haftpflicht-Beiträge nicht etwa mit einem Anstieg der Schadensfälle – ganz im Gegenteil: Das Problem sei vielmehr die Schadenshöhe der einzelnen Fälle. Für immer teurere Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten der Kinder nach geburtshilflichen Komplikationen müssen die Hebammen aufkommen.

Marke von 50.000 Unterschriften geknackt

Das können sie alleine nicht stemmen – und genau deswegen sind die Hebammen am 5. Mai auf die Straße gegangen. Sie fordern mehr Anerkennung für ihren Berufsstand, aber vor allem eine angemessene Bezahlung, damit ihre Arbeit auch in Zukunft noch möglich sein wird. Am 5. Mai haben die Hebammen außerdem eine E-Petition im Bundestag gestartet. Diese elektronische Petition müssen bis zum 25. Mai 50.000 Menschen unterschrieben haben, dann müssen sich die Parlamentarier mit der Situation der Hebammen befassen. Nach nur wenigen Tagen war die Marke erreicht, innerhalb von einer Woche haben knapp 68.000 Menschen unterzeichnet. Damit ist das erste Ziel für die Hebammen geschafft.

frauTV wird in einer der nächsten Sendungen über den schwierigen Alltag der Hebammen berichten!

Weitere Hintergrund-Informationen zu dem Thema gibt es auf den folgenden Internetseiten:

Autorinnen:

Redaktion frauTV

Stand: 05.05.2010


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