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Sendung vom 18. Februar 2010
Schwanger in den Wechseljahren
Etwa zwischen 45 und 55 Jahren treten sie ein: die von vielen Frauen gefürchteten Wechseljahre. Begleitet von Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen oder Brustspannen. Es ist eine Zeit der hormonellen Umstellung. In den Wechseljahren versiegt langsam die Aktivität der Eierstöcke und es reifen immer weniger befruchtungsfähige Eizellen heran. Die Produktion der Geschlechtshormone geht zurück und es kommt zu unregelmäßigen Monatsblutungen. Dennoch kann es immer wieder zu Eisprüngen kommen. Erst die so genannte Menopause, die letzte Monatsblutung, besiegelt das Ende der Fruchtbarkeit. Aber sie lässt sich nur rückwirkend feststellen. Erst, wenn eine Frau ein Jahr lang keine Regelblutung mehr hatte, kann sie sichergehen, dass sie nicht mehr schwanger wird. Bis dahin sollte sie verhüten, wenn sie wirklich kein Kind mehr möchte. Frauen unter 50 wird teilweise sogar geraten, zur Sicherheit noch zwei Jahre weiter zu verhüten. Natürlich ist es sehr unwahrscheinlich, um die 50 noch schwanger zu werden. Aber es ist möglich. Wer ganz sicher gehen möchte, müsste mehrfach seinen Hormonspiegel im Blut messen lassen.
Auch Beate Jankowiak wollte eigentlich nur ihren Hormonstand checken lassen. Mit fast 50 waren viele ihrer Freundinnen schon in den Wechseljahren. Die typischen Symptome und Beschwerden waren Thema an Frauenabenden. Und tatsächlich hatte auch sie ein verändertes Körpergefühl. Doch als die Frauenärztin sie dann untersuchte, diagnostizierte sie nicht etwa die Wechseljahre, sondern eine Schwangerschaft in der 7. Woche, eine Zwillingsschwangerschaft. Schwanger mit fast 50 und dann noch mit Zwillingen, das musste Beate Jankowiak erstmal verdauen. Zwar hatte sie sich anfangs mit ihrem zweiten Mann noch ein Kind gewünscht. Aber acht Jahre ist nichts passiert. Und nun waren ihre vier Kinder aus erster Ehe aus dem Gröbsten raus und sie konnte endlich so richtig durchstarten. Gerade hatte sie ein Bistro eröffnet und sich mit professionellem Catering selbständig gemacht. Wieder Windelwechseln, wenn andere sich schon mental auf die Rente vorbereiten: das wäre für viele Frauen eine Katastrophe. Doch Beate Jankowiak hat sich die Frage nach einer Abtreibung nie wirklich gestellt.
Die Reaktionen von Bekannten und Freunden auf Beate Jankowiaks späte Schwangerschaft waren sehr durchwachsen. Viele stellten Fragen: wie das kommen konnte, ob das denn sein müsse, ob sie sich das zumuten wolle, sie solle an ihre Gesundheit denken und an die der ungeborenen Kinder. Tatsächlich steigt das Risiko für Mutter und Kind mit dem Lebensalter exponentiell an. Schon Schwangere ab 35 haben ein fünfmal höheres Risiko, dass ihr Kind an einer Fehlbildung leidet, als 20jährige. Und ab 40 erleiden fast die Hälfte aller Schwangeren eine Fehlgeburt. Auch für die Mütter ist die Schwangerschaft mit zunehmendem Alter mit mehr Schwangerschaftskomplikationen (z.B. Schwangerschaftsdiabetes, Venenthrombosen oder Schilddrüsenerkrankungen) verbunden.
Bei Beate Jankowiak ist alles gut gegangen. Die Zwillinge, zwei Mädchen, sind gesund, und ihr ganzer Stolz. Natürlich hat die späte Mutterschaft aber auch ihren Preis. Ihr Bistro und ihre neue Freiheit musste die heute 52jährige erst einmal aufgeben. Ihre Kinder bekommen zu haben, hat Beate Jankowiak dennoch nie einen Moment bereut. Doch nicht alle Frauen sehen eine späte Schwangerschaft so gelassen. Immerhin etwa 7,7 % aller Schwangerschaftsabbrüche werden von Frauen über 40 vorgenommen. Wenn die Kinder schon fast aus dem Haus sind noch einmal von vorne anzufangen, den Job aufzugeben und dann noch die gesundheitlichen Risiken zu tragen, dass traut sich nicht jede zu. Die späte Mutterschaft erfordert manchmal auch ein dickes Fell. Denn natürlich ist Beate Jankowiak als alte Mutter auch immer wieder mit Reaktionen von außen konfrontiert. Ob sie Oma-Dienst habe, wird sie ständig gefragt, oder Leute tuscheln hinter vorgehaltener Hand, wenn sie mit ihren kleinen Kindern auf dem Spielplatz ist. Doch da steht sie mittlerweile drüber. Denn die späte Mutterschaft hat auch einen Vorteil: Viele Dinge sieht man wesentlich gelassener.
Dr. med. Ingeborg Lackinger Karger:
„Wechseljahre“
Graefe und Unzer Verlag 2008, ISBN-13: 978-3833812231
Die Autorin ist Frauenärztin und Psychologin und erklärt
genau, was in den Wechseljahren mit Körper und Seele passiert.
Ihr Buch gibt Tipps, wie Frauen mit der richtigen Ernährung
und Fitness die Zeit der Wechseljahre gut überstehen. Auch auf
die aktuelle Hormondebatte geht sie ein und stellt
Behandlungsalternativen vor.
Dr. med. Kathrin Schaudig, Dr. med. Anneliese Schwenkhagen:
„Kompass Wechseljahre“
Trias 2007, ISBN-13: 978-3426644287
Dieser Ratgeber gibt einen umfassenden Überblick über
mögliche Wechseljahrsbeschwerden und zeigt
Behandlungsmöglichkeiten auf. Die Vor- und Nachteile der
Hormonersatztherapie und ihre Alternativen werden diskutiert. Und
die Autorinnen – beide sind niedergelassene
Frauenärztinnen – geben psychologische
Hilfestellungen.
Dr. med. Christiane Northrup:
„Lustvoll durch die Wechseljahre: Sexualität,
Lebensfreude und Neuorientierung in der zweiten
Lebenshälfte“
Goldmann Verlag 2009, ISBN-13: 978-3442338573
Eine neue Sicht auf die Wechseljahre gibt dieses Buch. Es macht
Frauen Mut, die Wechseljahre als Neubeginn zu betrachten, auch in
sexueller Hinsicht. Mit 50, so das Plädoyer, hört die
Lust keinesfalls auf, im Gegenteil. Auch hier schöpft die
Autorin aus ihrer Erfahrung als Gynäkologin.
Petra Fosen-Schlichtinger:
„Vom Glück, spät Mutter zu
werden“
Moderne Verlagsgesellschaft, Mvg 2008, ISBN-13:
978-3636072382
Aus medizinischer, psychologischer und gesellschaftlicher Sicht
wird hier das Thema späte Schwangerschaft beleuchtet. Die
Autorin geht auf die Risiken und Chancen ein und macht Frauen Mut
zum Kind, egal, wie alt sie sind.
Petra Ritzinger, Ernst Rainer Weissenbacher:
„Später Kinderwunsch. Chancen und
Risiken“
Zuckschwerdt 2006, ISBN-13: 978-3886039005
Die Medizinjournalistin Ritzinger schöpft nicht nur aus ihrer
beruflichen Erfahrung, sondern auch aus ihrer Erfahrung als
Erstgebärende über 40. Professor Weissenbacher ist
spezialisiert auf die Betreuung von Spätgebärenden und
Risikoschwangerschaften. Zusammen bestärken sie Frauen
einerseits, sich auch spät noch für ein Kind zu
entscheiden, zeigen aber andererseits auch die Risiken und
Nachteile einer späten Mutterschaft auf.
Silke Bierhoff
Stand: 18.02.2010