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Buchtipps von Christine Westermann

  • SendeterminDonnerstag, 16. Juni 2011, 22.00 - 22.30 Uhr.
  • WiederholungsterminMontag, 20. Juni 2011, 11.30 - 12.00 Uhr (Wdh.).

1. Buch: Der Schwimmer

Buchcover

Autorin: Zsuzsa Bánk
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-51020-7

Die Handlung

…spielt in Ungarn .Nach dem Aufstand 1956 verlässt eine Frau ihren Mann und die beiden Kinder, flieht in den „goldenen“ Westen.
Die Kinder Isti, der kleine Junge, und Kati, seine größere Schwester, bleiben beim Vater zurück, aus dem die Trennung einen wortlosen, fast versteinerten Menschen macht. Fortan zieht er mit den Kindern quer durch Ungarn, kommt mal bei einer entfernten Cousine unter, bei einem Großonkel, am Ende bei der Oma. Die längste Zeit bleiben die drei am Plattensee bei einer alten Tante und ihrem demenzkranken Mann.
Dort am See lernt der kleine Isti schwimmen, es wird zu seiner großen Leidenschaft. Mit dem Kopf im und unter Wasser kann er die Sehnsucht nach der Mutter, die Traurigkeit, die Trostlosigkeit seines Lebens vergessen. Dass dem Schwimmer eines Tages ausgerechnet das Wasser zum Verhängnis werden wird, kann niemand ahnen.

Die Autorin

Zsuzsa Bánk (Schuscha Bank ausgesprochen, die Eltern sind Ungarn), geboren 1956, war Buchhändlerin, heute lebt sie als Autorin in Frankfurt. „Der Schwimmer“ wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem deutschen Bücherpreis. In diesem Frühjahr erschien ihr zweiter Roman „Die hellen Tage“, wir haben ihn bei frauTV empfohlen.

Die Bewertung

Hätte man mir von der Geschichte nur das erzählt: Mutter verlässt Familie, tieftraurige Kinder, die von Tag zu Tag hoffen, dass sie doch noch zurückkommt - nie und nimmer hätte ich dieses Buch gelesen. Zu traurig, zu bedrückend. Beides stimmt, aber dennoch kommen die Schicksalsschläge im Leben der Familie leicht daher, werden fast beiläufig erzählt. Große Trauer und große Träume liegen dicht beieinander in der Welt der Kinder, die ihre Mutter und damit ihre Mitte verloren haben.
Der Klang in diesem Roman, hat ein Kritiker geschrieben, gleicht dem Wellenschlag an einem Seeufer in einer windstillen Nacht. Gleichmäßig, beruhigend, dass man Stunden lauschen möchte und darüber vergessen könnte, dass es eine Tragödie ist, die hier geschieht. Ein Buch , das das Herz zerreißt.
Das Buch war bei seinem Erscheinen vor vier Jahren ein Bestseller, jetzt ist es in einer wunderschönen, kleinen Taschenbuchausgabe erschienen. Ein Buch für den Sommer auf dem Balkon. Eine Geschichte, dessen Figuren man noch lange nachhängen wird.

2. Buch: Gruber geht

Foto Doris Knecht.

Autorin: Doris Knecht
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-871-34691-0

Die Handlung

…spielt in Wien, Berlin, Zürich. Gruber ist ein gutaussehender, sehr erfolgreicher Manager, dessen Leben aus Business Class Flügen, Designerapartment und attraktiven Frauen besteht. Ganz nebenbei ist er auch noch ein Kotzbrocken, aber das stört ihn nicht weiter. Das, was an diesem Typen so beeindruckend ist, fällt in sich zusammen, als Gruber erfährt, dass er einen Tumor im Bauch hat. Und jetzt? Jetzt beginnt eine wirklich gute Geschichte.

Die Autorin

Doris Knecht lebt mit ihrer Familie in Wien, ist 45 Jahre alt und eine sehr erfolgreiche Journalistin. Dieses Buch ist ihr erstes. Übrigens auch ein exzellenter Reiseführer (Bars, Restaurants, Hotels) durch Wien, Zürich und Berlin. Städte, in denen die Autorin gelebt und gearbeitet hat. Und sehr attraktiv ist sie obendrein.

Die Bewertung

Wenn einem der Protagonist, also dieser Gruber, von Beginn an von Herzen unsympathisch ist, wenn man sich zögernd mit ihm verändert, um ihn nach zweihundert Seiten sogar ganz okay zu finden, dann hat die Autorin beim Schreiben einiges richtig gemacht. Eigentlich alles. „Gruber geht“ ist ein schnelles, ein sehr unterhaltendes Buch, das immer gut die Kurve kriegt, wenn es ins allzu Flache oder Sentimentale abzudriften droht.
Die Sprache ist eigenwillig lakonisch, aber sie hat unglaublich viel Witz, viele Pointen, sie wird keine Sekunde rührselig oder bedrückend, was beim Thema Krebs nahe läge. Der Roman bleibt elegant in Balance zwischen Zynismus und menschlicher Wärme, Hoffnung und Enttäuschung. Honiggrenze hat es neulich mal ein Kritiker genannt, wenn ein Roman zu süßlich zu werden droht. Am Ende des Buches ist die Honiggrenze fast in Sichtweite, aber eben nur fast.
Ein absolut empfehlenswertes Buch!
Es gilt der Heidenreich-Klassiker: LESEN!!!
Westermann-Zusatz: Unbedingt lesen!

Autorin:

Christine Westermann

Stand: 16.06.2011


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