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Gute Mütter arbeiten

  • SendeterminDonnerstag, 19. Januar 2012, 22.00 - 22.30 Uhr .
  • WiederholungsterminMontag, 23. Januar 2012, 11.30 - 12.00 Uhr (Wdh.).

Mütter, die arbeiten, sind Rabenmütter. Diesen Vorwurf kennen alle berufstätigen Mütter. Eine ganz neue Untersuchung mit rund 6000 Familien schafft endlich wissenschaftlich basierte Abhilfe. Denn die Studie belegt: Mütter, die arbeiten, sind nicht nur nicht schlechter, sie sind sogar besser für ihre Kinder! Berufstätige Frauen sind leistungsorientierter als Hausfrauen und stärken damit sogar die Motivation ihrer Kinder, die beispielsweise meist auch besserer Noten aus der Schule mitbringen. frauTV stellt die Ergebnisse der Studie vor und appelliert an alle Mütter für mehr Gelassenheit.

„Ich wurde nicht direkt beschimpft, aber es wurden mir viele Ressentiments entgegen gebracht. Im privaten Bereich von kritischen Mütter, die mich kritisch fragten, ob mit meinem Mann etwas nicht stimme, das ich arbeiten gehe müsse. Andere sagten, dass wird sich an den Kindern schon rächen, wenn du nicht immer da bist. Im Kollegenkreis, gerade von älteren Kollegen kam die Reaktion, ganz krass, wie ich fand: Ach, ein Kind wollen wir Ihnen ja gönnen, mehr geht nicht. Eins ist schon okay, sonst werden sie uns noch schrullig und werden uns komisch in der Fakultät.“

Grafik Mutter mit Raben auf der Schulter
Rabenmütter gibt es als Begriff nur im Deutschen

Mutter + Beruf = Kinder + Nachteile?

Una Röhr-Sendlemeier erlebte, was viele Frauen ihrer Generation erleben mussten: Sehr kritisch reagierte ihr Umfeld auf die Tatsache, dass sie auch nach der Geburt ihrer Kinder weiter arbeiten wollte. Eine Mutter hat zumindest in den ersten drei Jahren, wenn nicht noch viel länger, vor allem bei ihrem Kind zu sein, alles andere führe dazu, dass die frühkindliche Entwicklung gestört werden könnte, galt und gilt vielen als unumstößliche Wahrheit. In Deutschland hält sich die Befürchtung, dass Kinder Nachteile haben, wenn Mütter berufstätig sind, hartnäckig. Mit Sicherheit ist das ein Grund, warum in Deutschland anders als in anderen europäischen Ländern nur 60 Prozent der Mütter berufstätig sind, unabhängig davon, ob sie allein erziehend oder gemeinsam mit dem Partner für das Kind zuständig sind. Zum Vergleich sei hier Schweden genannt: 80 Prozent aller Mütter arbeiten dort, niemand stört sich daran oder hegt Befürchtungen, dass die Kinder Nachteile haben könnten. Anders in Deutschland. Besonders hoch qualifizierte Mütter, die sehr ambitioniert ihrem Beruf nachgehen, gelten hier schnell als Rabenmütter. Wenn schon Berufstätigkeit von Müttern, dann in Teilzeit, als Zubrot sozusagen, alles andere, so gängige Meinung, ist mit dem Familienleben nicht vereinbar. Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik belegen, dass diese Überzeugung immer noch gängig ist: 70 Prozent aller Mütter arbeiten in Teilzeit.

Davon prfotieren alle!

Müssen Mütter wirklich in den ersten drei Jahren zuhause bei ihrem Kind bleiben, damit es sich gut entwickelt, wollte Una Röhr- Sendlmeier, Professorin für Psychologie an der Universität in Bonn, wissen und ging der Sache auf den Grund: 16.000 Menschen, 6.000 Familien wurden von ihr und ihren Mitarbeitern befragt. Und dann die Überraschung: Die Berufstätigkeit der Mutter ist nicht schlecht, sondern richtig gut für Kinder. „Davon profitieren alle: Es gibt sehr viel mehr Wohlbefinden, wie wir zeigen können. Es gibt sehr viel kompetentere Kinder, es gibt zufriedenere Frauen und Männer, ganz abgesehen davon, dass wir ja die qualifizierten Frauen auf dem Arbeitsmarkt auch brauchen.“ sagt sie.

Beziehungqualität

Kinder berufstätiger Mütter – egal in welchem Beruf - sind leistungsbereiter, haben bessere Schulabschlüsse, haben die besseren Berufsaussichten. Die Männer berufstätiger Mütter sind partnerschaftlicher eingestellt. Ja, sogar die Beziehung zwischen Mutter und Kind ist besonders intensiv. „Wir wissen auch, dass die Berufstätigkeit der Mutter häufig dann besonders positiv ist, wenn wir die Beziehungsqualität ansehen. Die Mutter, die weniger Zeit mit ihrem Kind hat, nutzt sie häufig in dem Sinne, in dem sie auf das Kind eingeht. Mütter, die beliebig viel Zeit für die Kinder haben, die häufig auch nutzen, um sich mit sich zu beschäftigen, mit Telefonaten, um in Zeitschriften zu blättern. „

Grafik Mutter mit Kindern auf dem Spielplatz und handy in der Hand
Rabenmütter – der Begriff müsste erst mal verschwinden!

Kompetente Mütter

Dann lohnt sich also der ganze Stress? Dieser ganze Irrsinn um Kinder und Job zu verbinden? Denn nicht nur auf den ersten Blick ist der Alltag von berufstätigen Eltern mehr als anstrengend. Alles muss genau organisiert werden: die Kinderbetreuung, der Einkauf, der Haushalt, ein Stress der viele Mütter von einer Berufstätigkeit absehen lässt. Dabei lohnt sich die Anstrengung, beides zu vereinbaren auf jeden Fall, fand Una Röhr-Sendlmeier raus. Die unterschiedlichsten Untersuchungen, die sie sie mit ihrem Team gemacht hat, kommen alle zu dem gleichen Ergebnis: Je stärker die Leistungsbereitschaft der Mutter ist, desto leistungsbereiter sind die Kinder. Ganz unabhängig vom Beruf, ganz unabhängig von der Schicht, entwickeln sich Kinder besser, wenn sie die Mutter als kompetent, als selbst bestimmt und als zufrieden erleben. „Nur Hausfrauen“ begründen ihre Entscheidung gegen einen Job ja gerne damit, dass sie sich dann ganz den Kindern widmen können und sie so besonders gerade im schulischen Bereich befördern. „Das ist ein Trugschluss“, sagt Una Röhr-Sendlmeier, Kinder lernen eher schlecht unter der Aufsicht von Müttern.

Gesellschaftspolitische Komponente

Frauen, die sowohl Kinder als auch Beruf haben, sind mittlerweile auch gesellschaftspolitisch äußerst interessant, sagt Ute Klammer. Ute Klammer ist die Vorsitzende der Sachverständigenkommission für den ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Diese Mütter, so weiß man mittlerweile auch in der Politik, sind genau die, die die Politik unterstützenswert findet. Ute Klammer bedauert, dass es noch nicht flächendeckend Tageseinrichtungen gibt, so dass sich Mutterschaft und Arbeit besser verbinden lässt. „Die Politik versucht hier einiges. Das sieht man ja auch beim Ausbau der Kinderbetreuung der unter Dreijährigen. Die scheitert ja häufig an den knappen Kassen der Gemeinden. Es geht nicht so voran, wie gewünscht. Wir sehen viele andere Strukturen, die sich noch nicht geändert haben.Gegen eine Berufstätigkeit entscheiden sich oft Frauen, die am Arbeitsmarkt keine Chance haben. Diesen Müttern die so genannte Herdprämie zu zahlen, so sieht es Ute Klammer, wäre das völlig falsche Zeichen! „Wir haben klare Hinweise darauf, dass ein Betreuungsgeld klare Anreize gerade den Müttern bieten würde, die dem Arbeitsmarkt sehr fern sind, die schlecht qualifiziert sind, Und auch geringe Erwerbschancen hätten. Bei diesen Müttern ist nicht unbedingt gegeben, dass sie ihre Kinder so fördern, dass sie sich in der Schule beispielsweise gut entwickeln.“

Letztendlich zählt die Balance

Rabenmütter sind, denkt man diesen Gedanken dann weiter, genau die Mütter, die bislang glaubten alles richtig gemacht zu haben: Nämlich die Mütter, die für Ihr Muttersein den Verzicht unverzichtbar fanden, die sich aufopferten für` s Kind. Das wäre natürlich fatal, wenn jetzt einfach eine andere Muttergruppe als Rabenmutter gelten würde, sagt Una Röhr-Sendlmeier. Sie differenziert das: Am allerwichtigsten für die Entwicklung von Kindern ist die Zufriedenheit der Mutter. Eine Mutter, die sich ganz für diese Rolle entscheidet und dabei sehr zufrieden ist, ist genauso so gut für die Entwicklung des Kindes wie eine Mutter, die berufstätig ist. Schwierig sind die unzufriedenen Mütter, die unzufriedenen Väter, denn natürlich spielt auch die Zufriedenheit des Vaters für das Kind eine große Rolle. Ist der Vater zufrieden, wirkt sich das auch unterstützend auf das Kind aus. Und für die Zufriedenheit junger Eltern wären andere Arbeitstrukturen ganz entscheidet. Die meisten jungen Paare heutzutage, das haben ihres Studien gezeigt, wünschen sich ein gleichberechtigtes Leben. Eines, in dem sie frei entscheiden können, wie viel Zeit sie mit ihrem Kind verbringen. Und nicht eines, diktiert durch Arbeitsstrukturen aus dem letzten Jahrhundert. „Man sollte jungen Frauen mehr Chancen geben, flexibler sein zu können. Das gilt dann auch für die Männer. Denn auch für die Männer ist es sehr wichtig, dass sie Familie und Beruf vereinbaren. Dann sind sie zufrieden. Das hat unsere Studie gezeigt: es ist enorm wichtig, dass die Balance zwischen Beruf und Privatleben irgendwie glücken muss.“

Autorin:

Heinke Schröder

Links

  • WDRBundesfamilienministerium. Auch der neueste Familienreport der Bundesregierung bestätigt, dass die Berufstätigkeit von Müttern den Kindern durchaus gut tun kann.
  • WDRBonner Generalanzeiger. Interview mit Una Röhr-Sendlmeier zur der Mütterstudie.

Stand: 19.01.2012


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