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Abhängig vom Medium

  • SendeterminDonnerstag, 19. Januar 2012, 22.00 - 22.30 Uhr .
  • WiederholungsterminMontag, 23. Januar 2012, 11.30 - 12.00 Uhr (Wdh.).

Andrea Kappelmann steckte in einer Lebenskrise. Eheprobleme, pubertierende Kinder, viel Stress im Beruf als Krankenschwester. Sie hatte das Gefühl, nicht mehr klarzukommen und wollte Hilfe. Aber die Wartelisten bei den Psychologen waren lang. Eine Freundin gab ihr die Telefonnummer von einer Frau, die Lebensberatung anbot. Andrea Kappelmann rief an. Dass dieser Anruf ihr ganzes Leben verändern würde, war ihr damals nicht klar.

Die Sehnsucht nach Sicherheit

Schon nach dem ersten Telefonat mit der sogenannten Lebensberaterin fühlte sich Andrea Kappelmann besser: endlich jemand, der ihr zuhört. Für damals 90 DM die Stunde ging sie dann regelmäßig zu der Frau. Sie besprachen ihre Probleme, die Frau gab ihr Tipps und Andrea Kappelmann bekam einen Halt, den sie so lange vermisst hatte. Stück für Stück geriet sie in eine Abhängigkeit von ihrem „Medium“. Schneller als sie dachte. Bald bildete sich eine esoterische Gruppe um die Frau, der auch Andrea Kappelmanns Geschwister angehörten. Gehirnwäsche wurde da betrieben, sagt Andrea Kappelmann heute. Damals glaubte sie alles, besonders auch den in der Gruppe entdeckten sexuellen Missbrauch durch die Eltern. Die drei Geschwister zeigten, unterstützt durch die Lebensberaterin, die Eltern an.

Frauenportrait
Andrea Kappelmann befand sich in einer schweren Lebenskrise.

Die Strafanzeige

Die Eltern fielen aus allen Wolken. Lange schon machten sie sich Sorgen um ihre Kinder in dieser seltsamen esoterischen Gruppe. Als dann aber die Strafanzeige kam, waren sie verzweifelt und holten sich Hilfe von der Beratungsstelle „Schulterschluss e.V.“. Hier können sich Menschen beraten lassen, deren Angehörige in die Fänge von esoterischen Gruppierungen geraten.

Andrea Kappelmann bekam langsam Zweifel und stellte ihrer „Führerin“ unangenehme Fragen. Kurzerhand wurde sie aus der Gruppe geworfen. Sie fing eine echte Psychotherapie an und erkannte hier, was sie schon länger vermutete: Einen Missbrauch durch die Eltern hat es nie gegeben. Alles war ihr von der Gruppenführerin eingeredet worden, damit sie immer stärker in die Gruppenabhängigkeit geriet. Andrea Kappelmann nahm wieder Kontakt zu ihren Eltern auf und sprach sich mit ihnen aus. Heute haben sie wieder ein gutes Verhältnis, auch wenn die Narben immer bleiben werden.

Frau von hinten geht über Wiese
Inzwischen hat Andrea Kappelmann es geschafft, sich aus der Gruppe zu lösen.

Die angebliche Freiwilligkeit

Da sich die Esoterikabhängigen freiwillig in diesen Gruppierungen bewegen, ist ein Eingreifen von außen schwierig. Angehörige fühlen sich oft ohnmächtig. Die Zahl der Esoteriksüchtigen nimmt stetig zu. Empfänglich sind dafür Frauen im mittleren Alter, die sich durch Ehe- oder Familienprobleme, Krankheit oder sonstige Probleme in einer Lebenskrise befinden. Die spirituellen Angebote sind vielfältig: Neben den selbst ernannten Lebensberatern und Wahrsagern gibt es Vorträge, Seminare oder Kurse zu spirituellen Themen. Meist sind sie kostenpflichtig und haben ein gemeinsames Ziel: Den Krisengeschüttelten erst emotional und dann finanziell auszunehmen.

Rat der Beratungsstellen

Wie bemerkt man, dass sich Angehörige in einer spirituellen Gruppe befinden? Warnsignale sind:

  • Sozialer Rückzug, Abbruch von persönlichen Kontakten.
  • Veränderungen in der Kommunikation.
  • Finanzielle Not.
  • Veränderungen der Persönlichkeit

Wie geht man mit Menschen um, von denen man vermutet, dass sie sich in der Abhängigkeit einer spirituellen Gruppe befinden?

  • Unbedingt Kontakt aufrechterhalten.
  • Nicht mit Vorwürfen agieren.
  • Auswege aufzeigen, denn nur eine seriöse Psychotherapie kann helfen.
  • An frühere schöne Ereignisse erinnern.
  • Sich selbst Beratung holen.

Buchtipps

Joachim Huessner:
„Ein Weg hinters Licht“
Drachenmond Verlag, ISBN: 978-3-931989-55-2
Der Autor beschreibt den Weg seiner Frau, die immer tiefer in die Abhängigkeit einer esoterischen Gruppierung gerät. Ein erschütternder Erfahrungsbericht, um den Kampf eines Mannes um seine Frau, den er am Schluss verliert.

Heike Dierbach:
„Die Seelen-Pfuscher. Pseudotherapien, die krank machen können“
Rowohlt, ISBN: 978-3-499-62586-2
Die Autorin und Dipl.-Psychologin warnt in ihrem Buch vor den Risiken selbsternannter Heiler und ihrer Methoden. Sie zeigt auch, wie sinnvolle therapeutische Hilfe aussieht und wo man sie findet.

Ingo Kugenbach:
„Warum sich der Löffel biegt und die Madonna weint. Übersinnliche Phänomene und ihre irdischen Erklärungen“
Humboldt, ISBN: 978-3-89994-207-1
Der Journalist und Physiker beschäftigt sich in seinem Buch mit der Erforschung übersinnlicher Phänomene.

Autorin:

Susann Liman

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Stand: 17.01.2012


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