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Sendung vom 02. Februar 2012
„Tante Erika“ – Ein Traditionsbüdchen
Inge Grondowski arbeitet seit 24 Jahren bei „Tante Erika“. Das Büdchen ist der Treffpunkt in Dortmund Hörde. Sie kennt die Wünsche und Geschichten vieler Kunden. Da ist zum Beispiel Christa Poplawski, die mit ihrem Hund Molly mindestens einmal am Tag vorbei kommt. Die 66-Jährige hat ihren Mann und ihren geliebten Vater beerdigt und die Plauderminuten helfen die Trauer und die Einsamkeit zu lindern. Auch für Inge Grondowski ist der Dortmunder Kiosk längst ein zweites Zuhause. Auch die 63-Jährige hat ihren Ehemann viel zu früh verloren und lebt allein in einem kleinen Gartenhäuschen. frauTV hat bei Christa und Inge in Dortmund Hörde vorbeigeschaut.
Zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen gehört der sonntägliche Gang zum Büdchen um die Ecke. Für 20 Pfennige gab es dort eine ganze Tüte voll mit süßen Köstlichkeiten: Lakritzschnecken, Weingummi, Brausestangen. Als Teenager hat man hier seine erste Packung Zigaretten oder sein erstes Bier gekauft. Auch heute noch gehört das Büdchen oder die Trinkhalle einfach zum Ruhrgebiet und sie sind mehr als ein Paradies für Kinder. Hier werden Informationen ausgetauscht, die neuesten Klatschgerüchte kommentiert und private Sorgen oder Probleme besprochen. Anders als im Supermarkt werden die Verkäuferinnen nicht zur Eile angetrieben. Im Kiosk kennt man seine Kunden und man hat Zeit für sie.
Auf der Suche nach einem geeigneten Büdchen für eine Fernsehreportage stieß ich in Dortmund Hörde auf „Tante Erika“. Drei Frauen haben dort das Sagen und verkörpern alles, was das Ruhrgebiet so liebenswert und authentisch macht: rauen Charme, ehrlichen Witz und bedingungslose Offenheit. Eine Woche lang haben wir die drei Damen vom Kiosk und ihre Kunden mit der Kamera begleitet. Wir haben viel gelacht und geblödelt, aber auch traurige Geschichten erfahren. Verkäuferinnen und Kunden haben uns an ihren Gesprächen teilhaben lassen und obwohl wir uns auf engstem Raum bewegt haben, sind wir uns nur selten auf die Füße getreten.
So viel vorweg: Reich wird man nicht mit einem Kiosk. Susanne Nelissen, die vor etwas mehr als einem Jahr “Tante Erika“ übernommen hat, kommt gerade so über die Runden. Und bei täglichen Öffnungszeiten von 6 bis 22 Uhr muss auch die Chefin mit anpacken. Ihre beiden 400-Euro-Kräfte sind eine große Hilfe, aber Susanne Nelissen ist eigentlich täglich präsent. Und noch mehr Mitarbeiterinnen kann sie sich nicht leisten. Trotzdem hat die Kioskbesitzerin ihre Entscheidung nicht bereut. Täglich erfährt sie Neuigkeiten aus ihrem Viertel, zu einigen Stammkunden hat sie mittlerweile sogar ein freundschaftliches Verhältnis und ihre beiden Mitarbeiterinnen Inge und Silvia sind ihr ans Herz gewachsen. Für Susanne Nelissen ist das Büdchen längst ein Stück Heimat, ein zweites Wohnzimmer, in dem sie gern ihre Zeit verbringt. In einer Zeit, in der Stress und Hektik unser Leben dominieren, ist das Büdchen ein Ort, an dem man einfach mal entspannen kann. Auch ich werde mir am nächsten Sonntag am Kiosk um die Ecke eine Tüte Gemischtes holen.
Marion Försching
Stand: 02.02.2012
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