Teufelskreis Schmerzmittel
frauTV fragt nach
- Donnerstag, 11. Oktober 2012, 22.00 - 22.30 Uhr
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Wer Schmerzen hat will sie loswerden und das ziemlich schnell. Der Griff zum Medikament ist inzwischen für viele Frauen alltäglich. 80 % aller Schmerzmittel werden von Frauen eingenommen. Jede Zweite gibt an, regelmäßig zu einer Pille zu greifen. Trotz der Risiken: Magengeschwüre, Nierenschäden und Blutungen. frauTV fragt nach, warum Frauen in diese Abhängigkeit geraten…
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Der regelmäßige Griff zum Schmerzmittel ist nicht ohne Risiko.
Die schlechte Nachricht zuerst: Frauen sind tatsächlich
schmerzempfindlicher als Männer. Wissenschaftler haben
herausgefunden, dass die Hormone eine große Rolle dabei
spielen, wie man den Schmerzreiz wahrnimmt. So lassen die
Testosterone den Mann den Schmerz besser aushalten. Sie
dämpfen regelrecht den Schmerz. Wogegen die weiblichen
Östrogene das Schmerzempfinden steigern.
Die gute Nachricht also: Frauen können gar nichts dafür.
Die Hormone sind mal wieder schuld.
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Schnelle Hilfe: Meistens greifen Frauen bei Kopfschmerzen zur Tablette.
Im Jahr 2011 wurden fast 120 Millionen Packungen Schmerzmittel verkauft, die meisten rezeptfrei. Davon werden 80 % von Frauen eingenommen. Jede Zweite gibt an, regelmäßig wegen Kopf- oder Regelschmerzen zu Schmerzmitteln zu greifen. Da die gängigen Schmerzmittel auch frei verkäuflich in der Apotheke zu erwerben sind, implizieren sie oft eine unbedenkliche Einnahme. In der Freiverkäuflichkeit der Schmerzmittel sieht die Pharmakologin Professor Petra Thürmann auch die Gefahr: Die Risiken wie Nierenschädigung bis hin zu Magenblutungen und Magengeschwüren werden nicht ernst genommen, die Beipackzettel gar nicht richtig gelesen. Oft geraten gerade Frauen in den Teufelskreis der Schmerzmittelabhängigkeit. Viele der regelmäßigen Konsumentinnen fühlen sich gar nicht mehr in der Lage, einen Schmerz einfach mal auszuhalten.
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Wenn Mädchen Schmerzen haben, gibt es mehr Zuwendung.
Indianer kennen ja auch keinen Schmerz. Oder?
Die Ursache wiederum, Schmerz kaum aushalten zu können, sehen die Forscher in der Kindheit begründet. Immer noch werden die Schmerzen von Mädchen ernster genommen, als die von Jungen. Mädchen erfahren immer noch mehr Zuwendung, wenn sie sich wehgetan haben. Ein Indianer kennt eben keinen Schmerz. Oder doch? Aber die geschlechtsspezifische Sozialisation prägt fürs Leben. Und die Mütter geben den Schmerzmittelbedarf auch an die nächste Generation weiter. Das erste Schmerzmittel bekommt ein Mädchen oder eine junge Frau nicht durch den Arzt, sondern durch die eigene Mutter. Meistens sind es Kopf- oder Regelschmerzen, die die Mütter dazu veranlassen.
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Vorsicht vor der „Eigenmedikation“: Manchmal helfen auch Hausmittel.
Manchmal helfen auch alte Hausmittelchen
Dabei helfen die alten Hausmittelchen oft besser als erwartet. Oft kommen Kopfschmerzen doch von einer Nackenverspannung und ein Wärmekissen und Entspannungsübungen können dem Schmerz ein Ende bereiten. Bei Spannungskopfschmerzen hilft häufig der kalte Lappen auf der Stirn und einfach mal die Augen zu schließen. Viele Frauen nehmen sich gar nicht mehr die Zeit, den wahren Ursachen auf die Spur zu gehen, da sie ja mit ihrer „Eigenmedikation“ gut klar kommen. Professor Petra Thürmann rät dringend, allen Schmerzmittelkonsumenten zu einer Abklärung der Symptome. Eine Migräne muss einfach anders behandelt werden als ein Kopfschmerz, der von Stress kommt. Für die Pharmakologin gibt es eine klare Grenze: Wer mehr als einmal die Woche ein Schmerzmittel einnimmt, sollte sich ärztlichen Rat holen.
Buchtipps
Jutta Richter:
„Schmerzen verlernen“
Die erfolgreichen Techniken der psychologischen
Schmerzbewältigung.
Anleitung und Übung zur Selbsthilfe.
Springer Verlag 2011, ISBN 978-3642168482
Das Gehirn kann umlernen, ist die Parole der Autorin. Betroffene
mit ständigen Schmerzen suchen häufig Alternativen zu
Schmerzmitteln oder auch der medizinischen Therapie. Dabei
können Techniken der psychologischen Schmerzbewältigung
eine hervorragende Hilfe sein. Das Buch zeigt über 30
Übungen/Techniken aus der Praxis.
Hanne Seemann:
„Freundschaft mit dem eigenen Körper
schließen“
Über den Umgang mit psychosomatischen Schmerzen.
Klett-Cotta Verlag 2011, ISBN 978-3608890693
Die Verbesserung der "Kommunikation" zwischen Körper
und Ich ist das Ziel dieses Buches. Wie das gehen soll, zeigt die
Autorin an vielen Beispielen aus der Praxis. Mit Anleitungen
für den Einsatz von Geschichten, Tranceinduktion,
Entspannungsübungen.
Autorin: Susann Liman
Stand: 08.10.2012
- Deutsche Schmerzliga e.V. Portal für Menschen mit akuten und chronischen Schmerzen. Viele Hintergrundinformationen und Hilfe bei der Behandlungssuche.
- Spiegel Online Link zum Spiegel-Artikel „Verblüffende Sorglosigkeit“
- WDR Servicezeit Link zu einem WDR-Servicezeit-Beitrag zum Thema „Gesundheitsgefahr durch rezeptfreie Schmerzmittel“
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