Wenn die eigene Mutter alt wird

  • Donnerstag, 18. Oktober 2012, 22.00 - 22.30 Uhr

Zwei ineinander verschlungene Hände.

Wenn die eigene Mutter alt wird

(28:51)

Donnerstag, 18. Oktober 2012, 22.00 - 22.30 Uhr

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Dass auch die eigene Mutter älter wird, ist allen klar. Doch wenn sie krank und pflegebedürftig wird, scheint sich alles umzukehren. Auf einmal sind nicht mehr wir die Kinder, die Zuspruch und Unterstützung erfahren, sondern es ist die Mutter, die uns braucht und ohne unsere Hilfe nicht mehr zurechtkommt. Auf einmal müssen wir für sie entscheiden, tragen wir die Verantwortung für ihr gesundheitliches und leibliches Wohl. Ein Rollentausch, der schwierig und oft schmerzlich ist. Eine Tochter berichtet eindringlich über die Demenzerkrankung ihrer Mutter, ihre aufopfernde häusliche Pflege, aber auch die Einsamkeit, die sich dadurch in ihr eigenes Leben geschlichen hat.

Ineinander verschlungene Hände.

2,25 Millionen Menschen sind derzeit pflegebedürftig, nach vorsichtigen Schätzungen werden es 2030 schon 3,4 Millionen Menschen sein.
Auch jeder Demenzkranke ist ein Pflegefall. Je nach Schweregrad muss er rund um die Uhr versorgt werden. Aktuell sind in Deutschland circa 1,2 Millionen Menschen an einer Demenz erkrankt. Die Alzheimer Krankheit ist mit 90 % die häufigste Form der Demenzerkrankung. Veränderungen im Nervensystem des Gehirns führen zu den typischen Krankheitszeichen der Alzheimer Demenz: Vergesslichkeit kurz zurückliegender Ereignisse und Schwierigkeiten, alltägliche Verrichtungen durchzuführen.

Die Expertin – Gabriela Zander-Schneider

2003 hat Gabriela Zander-Schneider frauTV ihre Geschichte erzählt: Damals war sie körperlich und seelisch am Ende. Rund um die Uhr, 24 Stunden, betreute sie Zuhause ihre Mutter, die an Alzheimer erkrankt war. Tagsüber war sie dauernd im Einsatz und auch nachts kam sie nicht zur Ruhe. Nie konnte sie ihre Mutter allein lassen, ohne für Betreuungsersatz zu sorgen. Alles drehte sich um ihre Mutter, ihr Familienleben lag auf Eis. Entlastungshilfen, wie sie heute angeboten werden, gab es damals noch nicht. Da entschloss sie sich, die Mutter in ein Pflegeheim zu geben. Die Mutter hatte sich schnell und gut eingelebt und Gabriela Zander-Schneider hat ihre Entscheidung nicht bereut.

Als ihre Mutter starb, war Gabriela Zander-Schneider längst zur Expertin in Altenpflegefragen geworden. Sie hatte sich jahrelang in das Thema eingearbeitet, weil sie immer um die beste Lösung für ihre Mutter bemüht war. Gemeinsam mit ihrem Mann beschloss sie, dieses Wissen weiterzugeben und sie gründeten eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alzheimererkrankten. Mittlerweile ist die Alzheimer Selbsthilfe, eine gemeinnützige Organisation, deutschlandweit vertreten und allein in Köln suchten in letztem Jahr rund 6.000 Angehörige von Demenzkranken Rat über das Sorgentelefon oder per Mail.

Mögliche Anlaufstellen für die Organisation der Betreuung zu Hause

• Pflegeberater der Krankenkassen
• Caritative Einrichtungen
• Ambulante Pflegedienste
• Gerontopsychiatrische Beratungsstellen
• Alzheimer Selbsthilfegruppe

Krankenkassen bieten auch Pflegekurse an. Diese Kurse sind kostenlos.



Entlastung durch Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege und Tagespflege

Tagespflege:
Tagespflegeeinrichtungen betreuen den Kranken in der Regel von 9 bis 16 Uhr. Je nach finanziellen Möglichkeiten zwischen 1 bis 5 Tage pro Woche. Die Kosten hängen von dem Grad der Pflegebedürftigkeit der Person ab und dem Pflegesatz der Einrichtung. Besteht eine Pflegestufe, kann ein Teil der Kosten über die Pflegekasse finanziert werden.

Verhinderungspflege:
Ist der Angehörige wegen Krankheit, Urlaub oder aus sonstigem Grund nicht in der Lage, die Pflege fortzuführen, erhält der Pflegebedürftige für maximal 4 Wochen pro Jahr eine Ersatzpflegekraft.

Kurzzeitpflege:
Aus gleichen Gründen kann die Kurzzeitpflege für mindestens vier Wochen in Anspruch genommen werden. Die Kurzzeitpflege kann nur in einer stationären Einrichtung durchgeführt werden. Wichtig: Es werden nur die pflegebedingten Kosten übernommen, nicht die Unterkunft, Verpflegung etc.

Buchtipps

Verbraucherzentrale:
Pflegefall, was tun? Erste Hilfe Ratgeber für Angehörige
Bestellmöglichkeiten über Verbraucherzentrale:
Internet: www.vz-ratgeber.de
Bestell-Telefon: 02 11/38 09 555, Mo - Fr von 9 bis 16 Uhr

Sabine Kieslich:
„Demenz“
Der Angehörigenratgeber
Südwest Verlag 2008, ISBN 978-3517083513
Tipps, Hinweise und Ratschläge für Angehörige Demenzerkrankter.

Gabriela Zander-Schneider:
„Sind Sie meine Tochter?“
Leben mit meiner demenzkranken Mutter
Rowohlt Verlag 2006, ISBN 978-3-499-62189-5
Gabriela Zander-Schneider berichtet vom Leben mit ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter, von der schleichenden Persönlichkeitsveränderung, von Erfahrungen mit Ärzten und Problemen im Alltag.

Autorin: Beatrix Wilmes


Stand: 17.10.2012