Zeugen Jehovas

Ein schwieriger Ausstieg

  • Donnerstag, 08. November 2012, 22.00 - 22.30 Uhr

Frauenprotrait

Zeugen Jehovas

(29:01)

Donnerstag, 08. November 2012, 22.00 - 22.30 Uhr

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Weltweit sind die Zeugen Jehovas mit schätzungsweise über sieben Millionen Mitgliedern eine der am schnellsten wachsenden Religionsgemeinschaften. Rund 170.000 Menschen bekennen sich in Deutschland zu den Zeugen Jehovas, alleine in Nordrhein-Westfalen sollen rund 35.000 Menschen Mitglied dieser Religionsgemeinschaft sein. Die Zeugen Jehovas fallen auf, wenn sie auf der Straße mit ihrer Zeitschrift „Wachtturm“ stehen oder direkt an den Haustüren zu missionieren versuchen. In 12 Bundesländern sind sie mittlerweile auch als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Das heißt, sie dürften wie auch die katholische oder evangelische Kirche Kirchensteuern eintreiben, Religionsunterricht anbieten, Schulen gründen oder in den Rundfunkgremien berücksichtigt werden. In Nordrhein-Westfalen ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Viele Sektenberatungen aber warnen vor den Zeugen Jehovas, werfen der Religionsgemeinschaft autokratischen und totalitären Umgang mit den Mitgliedern vor.

Familienidylle

Harmlose Religionsgemeinschaft?

Die Zeugen Jehovas wurden 1881 in den USA von Charles Taze Russel gegründet, damals noch unter dem Namen „Watch Tower Bible and Tract Society". Die Organisation finanziert sich durch Spenden. Die Zeugen Jehovas leben streng nach den Regeln, die ihnen eine eigene Auslegung der Bibel vorgibt. So lehnen sie Feste wie Weihnachten oder Geburtstage als heidnisch ab, sie verweigern Bluttransfusionen, gehen nicht zu Wahlen, verweigern den Militärdienst. Sex vor der Ehe ist verboten, Ehepartner darf man sich nur unter den Zeugen suchen. Die Zeugen Jehovas glauben an den Vorrang eines theokratischen, also göttlichen Gesetzes, das für sie über den staatlichen Gesetzen steht. Und – so die Überzeugung der Zeugen Jehovas – nur wer den strengen Regeln der Religionsgemeinschaft folgt, hat eine Chance, eine Art endzeitliche Entscheidungsschlacht, das „Harmagedon“ zu überleben. Denn alles sogenannte „Weltliche“ gilt als satanisch beeinflusst und wird deshalb vernichtet werden. Die Folge dieser Überzeugung ist, dass die Zeugen Jehovas den Kontakt zur angeblich feindlichen Außenwelt auf ein Minimum reduzieren, um möglichst jede „satanische“ Beeinflussung zu vermeiden. Bereits die Kinder werden angehalten, Freundschaften nur mit den Kindern anderer Zeugen Jehovas einzugehen. Auch die Erwachsenen müssen Kontakte zu Nicht-Zeugen auf das Notwendigste beschränken und zu Aussteigern soll der Kontakt möglichst abgebrochen werden.

Auf Foto eines Atompilzes der Schriftzug Harmagedon

Barbara Kohout hat den Ausstieg geschafft.

Barbara Kohout aus Augsburg war selber 60 Jahre lang überzeugtes Mitglied der Wachtturmgesellschaft. Bereits als Kind kam sie zu den Zeugen, ihre Eltern, Flüchtlinge aus Jugoslawien, fanden bei den Zeugen eine religiöse Gemeinschaft, die sie freundlich aufnahmen und ihnen Halt bot. Barbara Kohout lernte bei den Zeugen Jehovas auch ihren Mann kennen, sie bekamen drei Kinder. Erst als ihre Tochter mit 27 die Zeugen verließ, geriet der Gehorsam von Barbara Kohout gegenüber der Wachtturmgesellschaft ins Wanken. Es war ihr unmöglich, den Kontakt zu ihrer Tochter ganz abbrechen zu lassen. Deshalb verließ auch sie vor drei Jahren mit über 70 die Zeugen. Ihren Mann konnte sie schließlich ebenfalls davon überzeugen, dass sie lange einer Gemeinschaft mit ganzer Energie und auch finanziellem Engagement gedient haben, die ihnen im Gegenzug nur religiöse Versprechungen bietet. Sie wirft der Organisation unredliche Druckmethoden vor, um die Mitglieder zu halten. Denn viele fürchten eine soziale Ausgrenzung und bleiben deshalb der Organisation treu. Barbara Kohout hat sich heute dem Kampf gegen die Zeugen Jehovas verschrieben. Sie hat in Augsburg eine Sektenberatung gegründet, hat mehrere Bücher geschrieben und warnt in Vorträgen und Interviews vor den manipulativen Lehren der Wachtturmgesellschaft.

Frau hält vor Dialeindwand einen Vortrag

Buchtipps

Barbara Kohout:
„Mara im Kokon: Ein Leben unter Wachtturm-Regeln“
Engelsdorfer Verlag, ISBN 3862680037
Barbara Kohout erzählt aus der Sicht einer fiktiven Person von ihren Erfahrungen mit der Wachtturmgesellschaft.

Barbara Kohout:
„Saras Mut - Ein Jugendroman“
Engelsdorfer Verlag, ISBN 3862684008
Barbara Kohout erzählt über Jugendliche bei den Zeugen Jehovas und die Konflikte, die sie durchzustehen haben.

Raymond Franz:
„Der Gewissenskonflikt - Menschen gehorchen oder Gott treu bleiben? Ein Zeuge Jehovas berichtet“
Bruderdienst Missionsverlag, ISBN 3000200533
Raymond Franz berichtet aus seiner Zeit als einer des leitenden Mitglieder der Zeugen Jehovas und entzaubert den Anspruch der Organisation, Gottes eigenes Werkzeug zu sein.



Frauenprotrait

Autorin: Inga Thiede


Stand: 07.11.2012