Vom Minijob zur Teilzeitstelle
- Donnerstag, 29. November 2012, 22.00 - 22.30 Uhr
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Zwei Jahre lang hat Marion einen Minijob als Fahrerin, als sie
von ihrem Arbeitgeber hört, dass er eine Teilzeitangestellte
sucht. Sie bespricht das mit ihrer Sachbearbeiterin vom Jobcenter
und bekommt Unterstützung. Das Jobcenter zahlt dem Arbeitgeber
einen Zuschuss für die Einarbeitungszeit, um die mangelnde
Berufserfahrung abzufedern. Bei Marion hat es geklappt. Nach der
Einarbeitungszeit bekommt sie eine unbefristete Teilzeitstelle. Sie
ist damit eine von inzwischen mehr als 450 Menschen, die ihren
Minijob - dank eines Dortmunder Projektes des Jobcenters -
umgewandelt hat.
Marion Saul ist froh, dass sie endlich wieder einen Job hat.
„Ich bin 49, habe vier Kinder, das jüngste ist zehn und
hat seit 2009 Diabetes. Damals hatte ich schon mal eine Stelle in
einer Kantine, die musste ich aber aufgeben, weil die Kleine nicht
damit zurechtkam. In meinem Beruf als Einzelhandelskauffrau hatte
ich aber quasi seit 1990, als mein erster Sohn geboren wurde, keine
Chance mehr zu arbeiten.“ Das typische Ende einer
Berufskarriere eben, wenn sich Mütter entscheiden, Kinder zu
erziehen.
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Raus aus dem Minijob, Marion hat es geschafft.
Vor fast zwei Jahren hat sie bei der Firma Budimir als Fahrerin
angefangen. Für 7,50 Euro die Stunde auf 400 Euro Basis. Ihren
Lebensunterhalt bestritt die allein erziehende Mutter mit Hartz
IV-Zahlungen vom Jobcenter. Zufrieden war sie damit nicht, aber
mehr traute sie sich auch nicht zu: „Je länger man aus
dem Beruf raus ist, desto schwächer wird ja das
Selbstwertgefühl und deshalb wäre ich ja von selbst gar
nicht auf die Idee gekommen, mich beruflich zu
verändern.“
Ihr Chef betreibt einen Kurierdienst und einen
Veranstaltungsservice. Er fasst selbst mit an und hat neben Marion
Saul noch einen Teilzeitangestellten und einen Minijober.
Irgendwann suchte er noch eine Teilzeitkraft für den
Veranstaltungsbereich. Das erfuhr Marion Saul und besprach das mit
ihrer Sachbearbeiterin im Jobcenter: „Ja dann haben die beim
Jobcenter gefragt, was ich denn davon halten würde, aus meinem
Minijob eine Teilzeitstelle zu machen. Na das fand ich
natürlich gut – endlich weg vom Amt und auf eigenen
Beinen zu stehen – aber ehrlich gesagt, habe ich gedacht,
mein Chef kann sich das gar nicht leisten.“
Ante Budimir bekam für die Einarbeitungszeit von einem Monat
einen Zuschuss vom Jobcenter Dortmund: „Für die
Einarbeitungszeit ist es super, dass man die Förderung hat.
Sie fuhr ja erst nur Prospekte aus. Dann fuhr sie erst mal mit, um
zu sehen, wie man Zapfanlagen anschließt und wie man sie
wieder reinigt und sonst was. Das ist eine Entlastung.“
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Marion Saul war mit dem Minijob immer noch auf Hartz IV angewiesen.
Marion Saul erhielt am Ende die Teilzeitstelle und ist sehr
zufrieden: „Wenn der Chef ihnen sagt: Hey, hast Du gut
gemacht! Da sind sie fünf Meter groß. Das sind Sachen,
die haben sie zuhause nicht. Das steigert natürlich das
Selbstwertgefühl.“
Ante Budimir ist auch zufrieden: „ Gutes Personal ist
schwierig zu finden, und sie wollte ja eine Festanstellung und ich
habe gedacht, bevor sie geht, will ich sie lieber behalten. Trotz
Förderung habe ich einen finanziellen Nachteil, denn Frau Saul
bekommt als Teilzeitkraft ja auch mehr Stundenlohn. Aber dafür
habe ich auch jemanden, der sich mit der Firma identifiziert und
zuverlässig ist.“
1.100 Euro brutto bekommt Marion Saul für 25 Stunden/Woche,
das ist nicht viel, aber sie kann mit ihren Kindern davon leben.
Außerdem zahlt sie so auch in die Rentenkasse ein, so dass
sie im Alter nicht ganz ohne Geld da steht. „Alleine
hätte ich nie den Mut gehabt, meinen Minijob in eine
Teilzeitstelle umzuwandeln, obwohl ich immer weg von Hartz IV
wollte.“
Minijob umwandeln: Hilft raus aus der Hartz IV-Falle
Link
- Video Experteninterview Susanne Cziske, Projektleiterin im Jobcenter Dortmund, erklärt in diesem Video, wann und wie Minijobs umgewandelt werden können.
Sie war eine der ersten von inzwischen über 450 Menschen,
die ihren Minijob in Dortmund umgewandelt haben. Für solche
Maßnahmen sind übrigens in allen
Jobcentern im Land Gelder vorhanden.
„Natürlich müssen wir die Arbeitgeber
überreden, wenn sie beim gleichen Stundenlohn bleiben, dann
sparen sie am Ende sogar, weil die Sozialabgaben gestaffelt sind
und beim Minijobber bei 30 Prozent liegen. Wer seinen Minijob
umwandeln möchte und dafür dann auch qualifiziertere
Arbeit im Unternehmen bekommt, der hat Anspruch auf Förderung
des Arbeitgebers, damit der sich darauf einlässt. Weil das
aber zwar im Ermessen der einzelnen Sachbearbeiter liegt, ist es
gut, wenn man auch bei einer Ablehnung hartnäckig
bleibt“, meint die Dortmunder Projektleiterin Susanne Cziske.
„Aber ohne Arbeitsplatzangebote bleibt das Alles
natürlich graue Theorie: Ich appelliere eigentlich an
Arbeitgeber, den Mut zu zeigen, Frauen zu nehmen, denen eine Chance
zu geben, auch einen Job zu finden. Weil ohne die Arbeitgeber die
ganze Sache nicht klappt, da können wir qualifizieren,
ausbilden wie wir wollen, wir brauchen auch die Arbeitgeber, damit
die Frauen einen Job finden.“
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Marion Saul und ihre Kinder kommen jetzt ohne Hartz IV aus.
Minijobs verschärfen Fachkräftemangel
Einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge, könnten
Reformen bei Minijobs 60.000 neue Vollzeit-Arbeitsplätze
bringen und der Staat nähme neun Millionen Euro mehr ein.
Nutznießer wären demzufolge besonders die Zweitverdiener
im Haushalt – meist also Frauen.
Die Verfasser der Bertelsmann-Studie empfehlen Reformen:
- Minijobs in der heutigen Form abzuschaffen und stattdessen eine
gleichmäßige Abgabenprogression im Verdienstbereich bis
800 Euro. (Derzeit müssen Arbeitgeber Abgaben von rund 30 %
zahlen; ab 401 Euro fallen auch Arbeitnehmerbeiträge
an.)
- Steuersplitting durch Einführung eines Höchstbetrages
für das übertragbare Einkommen zu begrenzen.
Autorin: Uschi Müller
Stand: 28.11.2012
- Bertelsmann Stiftung Zusammenfassung und PDF-Datei der Bertelsmann-Studie zu Minijobs.
- Bundesagentur für Arbeit Presseinfo zum Projekt „Minijobs umwandeln“.
- Jobcenter Dortmund Kontakt zum Jobcenter Dortmund für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Region.
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