Heimunterbringung der Mutter

Ende eines unaufhaltsamen Prozesses

  • Donnerstag, 10. Januar 2013, 22.00 - 22.30 Uhr

Junge Frau streichelt alter Frau über die Wange

Heimunterbringung der Mutter

(29:48)

Donnerstag, 10. Januar 2013, 22.00 - 22.30 Uhr

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2006 erhielt Dorothee S. die niederschmetternde Diagnose: Demenzieller Abbauprozess vom Typ Alzheimer. Obwohl der Ehemann und auch die damals 22-jährige Tochter alles getan haben, um diesen unaufhaltsamen Prozess bei Dorothee zu verlangsamen, war der körperliche und geistige Abbau nicht zu verhindern. Täglich wechselten sich Vater und Tochter in der Betreuung ab, holten sich ab 2008 noch zusätzliche Betreuer dazu, um überhaupt noch arbeiten gehen zu können. Doch die Belastungen waren für Vater und Tochter auf die Dauer zu hoch. Rainer S. war kurz davor, selbst zu einem Pflegefall zu werden und die Tochter stand vor einem Nervenzusammenbruch. Gemeinsam haben sie entschieden, Dorothee in einem Pflegeheim unterzubringen. Für die gesamte Familie war das die beste Lösung.

Familie beim Spaziergang

Häusliche Pflege - Video der WDR Servicezeit

Wer Angehörige Zuhause pflegen möchte findet in NRW Unterstützung bei den Pflegestützpunkten. Unsere Kollegen von der Servicezeit haben 12 Pflegestützpunkte in NRW unter die Lupe genommen.

Kriterien für die Auswahl eines Pflegeheims:

Wer sich frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzt, seinen Angehörigen in einem Pflegeheim unterzubringen, wird im Notfall nicht davon überrascht. Da Behörden und Träger keine Empfehlungen machen dürfen, ist es wichtig, sich selbst ein Bild von den Gegebenheiten des Heims zu machen. Zunächst ist es ratsam, eine Checkliste anzulegen mit all den Kriterien, die für sich und den Angehörigen besonders wichtig sind. Dann sollten Sie die infrage kommenden Heime besichtigen, denn Heimprospekte geben keine verlässliche Auskunft über die Qualität des Heimes. Schauen Sie sich auch Heimverträge und Hausordnungen genau an, sprechen sie mit der Heimleitung. Engagierte Heimleiter beantworten Fragen bereitwillig. Gehen Sie auch einmal unangemeldet und zu unterschiedlichen Tageszeiten oder zum Wochenende hin. Um das eigene Bild abzurunden, sprechen Sie mit Pflegern und anderen Heimbewohnern. Wenn Sie eine Entscheidung gefällt haben und es stellt sich heraus, das der Angehörige sich nicht wohl fühlt oder es gibt trotz sorgfältiger Auswahl Pflegemissstände, kann der Vertrag fristgerecht gekündigt und der Bewohner in ein anderes Heim umziehen oder die Pflege zu Hause kann wieder aufgenommen werden.

Nachfolgend einige Hinweise, aus denen Sie sich ihre eigene, persönliche Checkliste zusammenstellen können.

Unterbringung im Heim bei Demenzerkrankung:

  • Gibt es eine eigene Demenzabteilung in dem Heim?
  • Gibt es Einzel- oder Doppelzimmer?
  • Wie sieht das Zimmer aus? Ist es geräumig und mit Telefon, Fernseher und Notruf ausgestattet?
  • Kann man eigene persönliche Dinge wie Möbel usw. mitbringen?
  • Wie sieht der Speiseplan aus? Enthält er frisches Obst und Gemüse?
  • Sind die Essens- und Ruhezeiten starr oder haben die Bewohner Freiräume?
  • Welche regelmäßigen Angebote (Ausflüge, Tanztee, Singkreis, kulturelle Angebote, Sport) kommen den Interessen entgegen?
  • Welche regelmäßigen Angebote (Ausflüge, gemeinsames Kochen und Backen, Musizieren, Karneval feiern usw.) werden speziell für Demenzkranke angeboten? Und werden diese Angebote auch tatsächlich durchgeführt?
  • Ist die Einrichtung in den Stadtteil bzw. Ort und das Gemeindeleben integriert?

Personal und medizinische Betreuung:

  • Arbeiten hauptsächlich examinierte Vollzeitkräfte in der Pflege?
  • Wie hoch ist der Personalanteil mit der Ausbildung Demenz?
  • Wie hoch ist an Sonn- und Feiertagen die Personalbesetzung, ganz besonders nachts?
  • Wird in der Einrichtung auf Leiharbeitsfirmen zurückgegriffen? Wie oft und in welchem Ausmaß besonders nachts?
  • Wie hoch ist der Personalanteil mit ungenügenden Deutschkenntnissen? (Besonders bei Demenzkranken kann dies zu Irritationen führen)
  • Welche therapeutischen Maßnahmen bietet das Heim? Beispiele: Schwimmen, Gymnastik, Mobilisation.
  • Welche medizinische Versorgung gibt es in der Einrichtung? Kommen auch Fachärzte zur Visite?

Die Angehörigen:

  • Hat die Einrichtung eine gute Erreichbarkeit für Angehörige und Besucher?
  • Inwieweit werden Angehörigen von demenzkranken Menschen in den Alltag mit einbezogen?
  • Gibt es Gesprächskreise für pflegende Angehörige in der Einrichtung?
  • Nimmt man sich Zeit für die Nöte der Bewohner bzw. der pflegenden Angehörigen?
  • Werden Fragen zufriedenstellend beantwortet?

Vertrag und Kosten:

  • Wie sieht der Heimvertrag aus? Ist er klar und verständlich formuliert? Wenn eine Leistung nicht drinsteht, können Sie diese auch später nicht einfordern.
  • Sind die Kosten im Vertrag aufgeschlüsselt in Pflegekosten und Kosten für Unterkunft und Verpflegung etc.? Auch die Beteiligung der Bewohner muss aufgeführt sein.
  • Ist der Träger des Heims privat, ist es wichtig zu klären, ob er mit den Pflegekassen einen Kostenübernahme-Vertrag abgeschlossen hat.

Die Finanzierung:

Eine Heimunterbringung ist teuer. Vergleichen Sie die Kostensätze der einzelnen Einrichtungen. Hierbei gilt: die teuerste Einrichtung muss nicht zwangsläufig auch die beste sein. Informieren Sie sich vorab zu Finanzierungsmodellen bei der geplanten Heimunterbringung. Wie viel Geld die Pflegekasse übernimmt und wie hoch ist der Eigenanteil ist, ist abhängig von:

  • Einstufung der Pflegestufe
  • eigenen Ersparnissen
  • staatlicher Pflegeversicherung
  • privater Pflegeversicherung

Wenn Sie heute die Kosten einer Unterbringung tragen können, sollten Sie sich aber auf jeden Fall noch folgende Frage stellen: Kann ich die Finanzierung der Unterbringung auch langfristig sicherstellen?



Buchtipps

Gabriela Zander-Schneider:
„Sind Sie meine Tochter? Leben mit meiner alzheimerkranken Mutter“
Rororo TB, ISBN: 978-3499621895
Gabriela Zander-Schneider berichtet von der allmählichen Persönlichkeitsveränderung ihrer Mutter, von ihren Erfahrungen mit Ärzten, von den Problemen im Alltag, die die Pflege einer Angehörigen mit Alzheimer mit sich bringt.

Katrin Hummel:
„Gute Nacht, Liebster: Demenz. Ein berührender Bericht über Liebe und Vergessen“
Bastei Lübbe, ISBN: 978-3404616466
Dieser sehr persönliche Tatsachenroman der Journalistin Katrin Hummel ist auch ein bewegendes Plädoyer für die Liebe. Mit Vorwort und Infoteil der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V..



Autorin: Beatrix Wilmes


Stand: 08.01.2013