Der Krankheit Paroli bieten
Ganz Frau - auch ohne Brüste
- Donnerstag, 17. Januar 2013, 22.00 - 22.30 Uhr
- Aktiver Kanal: Sendung verpasst?
- Livestream
- Inaktiver Kanal: Vorschau
- Inaktiver Kanal: Spezial
Eins war ihr sofort klar, als sie die Diagnose Brustkrebs bekam: Sie wird alles tun, um ihre Kinder groß werden zu sehen. Aber im Laufe der Krankheit hat sie noch viel mehr getan – sie hat ihre Krankheit zunächst für alle Menschen, die ihr wichtig waren öffentlich gemacht, mit Fotos dokumentiert, täglich. Und mit der Zeit wurde ihr immer klarer – sie will ganz Frau sein, auch ohne Brüste.
-
-
Bild vergrößern +
Sie kämpfte darum, ihre Kinder aufwachsen zu sehen.
Die Krebsvorsorge, z.B. Mammographie
Eines Vorweg: Viele Krebserkrankungen sind nicht mehr in einem
Frühstadium, wenn sie Symptome verursachen. Deshalb zielt
"echte" Früherkennung auf die Diagnose zu einem
Zeitpunkt, zu dem ein sich entwickelnder bösartiger Tumor noch
gar keine Beschwerden verursacht. Dann ist die Chance am
größten, dass der Tumor noch klein und örtlich
begrenzt ist, und dann lässt er sich am besten behandeln.
Außerdem gilt: Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Es
können verschiedene Ursachen und Formen vorliegen, die
unterschiedlich zu behandeln sind.
Was fehlt sind umfassende Informationen als
Entscheidungsgrundlage. Hilfe bietet die Broschüre
„Brustkrebs Früherkennung – Informationen zur
Mammografie – eine Entscheidungshilfe“ vom
„Nationalen Netzwerk Frauen und Gesundheit“. Sie
liefert umfassende Informationen, damit Frauen besser entscheiden
können, ob sie zur Mammografie gehen oder nicht. Hier sind
u.a. Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien zusammengestellt,
die sich mit der Wirksamkeit von Mammographie beschäftigen. Es
wird beschrieben, was die Mammografie leisten kann und was
nicht.
Beispielsweise wird die Mammografie vielfach mit
„Vorsorge“ gleichgesetzt. Dabei kann sie den Brustkrebs
nicht verhindern, sondern sie entdeckt ihn früher. Eine
frühzeitige Diagnose verlängert in manchen Fällen
aber nicht das Leben, sondern nur den Leidensweg von
Patientinnen.
Auch konnte bisher keine Studie belegen, dass durch Screening
weniger Operationen und Therapien nötig sind. Gerade besonders
bösartige Tumore wachsen so schnell, dass sie selten durch die
Momentaufnahme einer Mammografie festgestellt werden können.
Neben dem „falsch-negativen“ Befund ist aber auch der
„falsch-positive“ Befund keine Seltenheit. In diesem
Fall deutet das Röntgenbild fälschlich auf einen Tumor
hin – ein Angst auslösender Irrtum, der erst durch
weitere Untersuchungen ausgeräumt werden kann. Außerdem
werden vermehrt Vorstufen von Brustkrebs (sog. DCIS) entdeckt, von
denen nicht vorherzusagen ist, ob sie sich tatsächlich je zu
lebensbedrohendem Brustkrebs entwickeln werden – trotzdem
wird in diesen Fällen zur Operation geraten. Es kann sein,
dass Frauen durch eine Therapie geschädigt werden, obwohl
dieser Befund nie ihr Leben bedroht hätte.
-
-
Bild vergrößern +
Ihre Kinder waren noch klein, als die Diagnose kam.
Alle Frauen ab 50 bis zum Ende des 70. Lebensjahrs werden alle
zwei Jahre in eines der zertifizierten Screeningzentren zur
Mammographie eingeladen. Nur diese Zentren sind dazu berechtigt,
Früherkennungsmammographien durchzuführen, die dann von
den Krankenkassen bezahlt werden. Der Europäische Kodex
empfiehlt ein Mammographie-Screening dagegen nur alle drei Jahre.
Die meisten Studien wurden jedoch mit zweijährigen Intervallen
durchgeführt. Nach den Europäischen Leitlinien zum
Mammographie-Screening, die dem deutschen Programm zugrunde liegen,
sind Intervalle von zwei bis drei Jahren angemessen.
Auch in der Altersgruppe zwischen 40 und 50 Jahren kann die
Früherkennungsmammographie Studien zufolge die
Brustkrebssterblichkeit senken. Allerdings ist die Datenlage nicht
einheitlich. Außerdem ist Brustkrebs bei diesen jüngeren
Frauen insgesamt deutlich seltener. Das Brustdrüsengewebe ist
dichter und lässt sich mit der Mammographie weniger gut
beurteilen. Strahlenempfindlicher ist es zudem, so dass eine
Ausdehnung der Screeningphase unter die Altersgrenze von 50 Jahren
eventuell ein Risiko bergen könnte, durch die erhöhte
Strahlenbelastung Krebs auszulösen. Ein Screening wird
für diese Frauen derzeit nicht angeboten. Dies gilt auch
für Frauen über 70 Jahre. Hier gibt es zu wenige Daten
aus Studien, die einen Nutzen belegen würden.
-
-
Bild vergrößern +
Vor und nach der Operation hat sie sich fotografieren lassen.
Krebsfrüherkennung - verschiedene Untersuchungen
Die Teilnahme am gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm
ist in Deutschland nach wie vor freiwillig. Eine im Rahmen der
letzten Gesundheitsreformen diskutierte Pflicht wurde nicht
umgesetzt.
Gebärmutterhalskrebs:
• ab 20 einmal jährlich Untersuchung des
äußeren und inneren Genitales und Abstrichuntersuchung
von Gebärmuttermund und Gebärmutterhals
Brustkrebs:
• ab 30 einmal jährlich Abtastung der Brüste und der
Achselhöhlen, Anleitung zur Brustselbstuntersuchung; ab 50 bis
einschließlich 69 alle zwei Jahre Einladung zur
Mammographie
• Für Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko und
möglicherweise erblicher Belastung gibt es besondere
Empfehlungen mit häufigeren Untersuchungen bereits in
jüngeren Jahren. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt Ihr
persönliches Brustkrebsrisiko.
Beratungspflicht:
• Sie gilt derzeit aber nicht für alle Altersgruppen:
Gesetzlich versicherte Frauen, die nach dem 31. März 1987, und
Männer, die nach dem 31. März 1962 geboren wurden,
müssen sich einmal von einem Arzt über die Vor- und
Nachteile der Krebsfrüherkennung aufklären lassen.
Derzeit gilt dies für die "Vorsorge"-Untersuchungen
auf Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Darmkrebs und
Hautkrebs.
• Für die betroffenen Altersgruppen kann der Verzicht auf
Aufklärung finanzielle Nachteile haben: Sollten sie
später an einer der aufgeführten Tumorarten erkranken,
können sie für sich nicht die so genannte
Chroniker-Regelung in Anspruch nehmen. Das bedeutet, sie
müssten für Arzneimittel und medizinische Leistungen den
vollen Eigenanteil von derzeit bis zu zwei Prozent ihres
Bruttoeinkommens zuzahlen.
• Krebspatienten der betroffenen Altersgruppen, die sich
über die Früherkennungsmöglichkeiten beraten lassen,
könnten dagegen diesen Eigenanteil auf ein Prozent halbieren.
(Mehr zu dieser Regelung hat der Gemeinsame Bundesausschuss unter
www.g-ba.de/informationen/beschluesse/458/ zusammengestellt;
Details erläutern auch die Krankenkassen.)
• Frauen, die vor dem 1. April 1987 geboren wurden und
Männer, deren Geburtstag vor dem 1. April 1962 liegt, sind von
der Beratungspflicht und eventuellen Folgen für die
"Chroniker"-Regelung nicht betroffen.
Sicherheit der Untersuchungen:
• Wer an einer Krebsfrüherkennungsuntersuchung teilnimmt,
sollte bedenken, dass auch diese Untersuchungen keine absolute
Sicherheit bieten und dass die verfügbaren Tests auch zu
"falschen" Befunden führen können. Ist ein
solcher Befund "falsch positiv", können weitere
diagnostische Maßnahmen notwendig werden, um einen
Krebsverdacht sicher auszuschließen; ist er "falsch
negativ", wird ein Tumor in der Früherkennung
übersehen.
-
-
Bild vergrößern +
Ihre Botschaft: Sie ist und bleibt eine erotische Frau.
Brust abtasten
Dass die Brustselbstuntersuchung die Brustkrebssterblichkeit sinken lässt, konnte in Studien nicht bewiesen werden. Die Selbstuntersuchung wird im Europäischen Kodex daher als nicht sinnvoll bewertet. Aber besonders für Frauen unter 50, für die regelmäßige Mammographien derzeit nicht angeboten werden, raten Frauenärzte in Deutschland weiterhin dazu. Neben der jährlichen Tastuntersuchung beim Frauenarzt, meist zusammen mit dem Pap-Abstrich durchgeführt, wird die Selbstabtastung auch Frauen über 50 zusätzlich zur Mammographie empfohlen. Denn schnell wachsende Tumore können so aufgespürt werden. Auf diese Weise werden sie etwas früher erkannt, denn eine „echte“ Früherkennung ist auch mit geübter Abtastung nicht möglich, da der Knoten bereits über einen Zentimeter groß sein muss, um überhaupt fühlbar zu sein.
Buchtipps
Ursula Goldmann-Posch/Rita Martin:
„Über-Lebensbuch
Brustkrebs“
Schattauer Verlag 2012, ISBN 978-3-7945-2862-2
In acht Kapiteln werden die Bereiche der modernen Brustmedizin
dargestellt und Fragen beantwortet. Beide Autorinnen sind selbst an
Brustkrebs erkrankt und zeigen die verschiedenen
Behandlungsmöglichkeiten auf.
Nadine Barth (Hrsg.):
Amazonen – Das Brustkrebsprojekt von Uta
Melle
Kehrer Verlag 2011, ISBN 978-3-8682-8209-2
Fotos von Frauen nach Brustkrebsoperationen in historisch
anmutendem Amazonen-Ambiente. Stolz zeigen sich die Frauen mit
ihren Narben.
Autorin: Uschi Müller
Stand: 16.01.2013
- frauTV-Beitrag "Brustkrebs-Prophylaxe" vom 13.9.2012
- Unabhängige Patientenberatung Deutschland Hier findet man die kostenlose Telefonnummer und die Adressen der Beratungsstellen der unabhängigen Patientenberatung, die eine Art Verbraucherzentrale in Gesundheitsfragen darstellt.
- Mammographie Screening Programm „Früherkennung von Brustkrebs. Was Sie darüber wissen sollten.“ Eine Broschüre vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Kooperationsgemeinschaft Mammographie: Sie veranschaulicht den Ablauf des Programms, beschreibt den Nutzen und verschweigt die Risiken nicht. Die Broschüre ist kostenlos auf der Internetseite des DKFZ und Kooperationsgemeinschaft Mammographie erhältlich.
- Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
- Nationales Netzwerk Frauen und Gesundheit Hier findet man unabhängige Informationen über verschiedene Krebsfrüherkennungsmethoden.
- Broschüre „Brustkrebs Früherkennung“ Hilfestellung bietet diese Broschüre zur Mammographie, die das "Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit" in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse herausgegeben hat. Sie erläutert aus Sicht einer Frau im Alter zwischen 50 und 70, u.a. wie groß das Risiko ist, an Brustkrebs zu sterben.
- Mamma Mia! – Das Brustkrebs Magazin Hier findet man ein Brustkrebsmagazin, dass seit 2006 vierteljährlich erscheint. Ebenfalls finden sich hier kostenlose Ratgeber zur Brustrekonstruktion, familiären Brustkrebsformen und Orientierungshilfen zur Brustkrebstherapie.
Seite teilen
Über Soziale Medien