Ein Brief an die katholische Kirche

  • Donnerstag, 24. Januar 2013, 22.00 - 22.30 Uhr

Hand mit Füller und Brief.

Ein Brief an die katholische Kirche

(30:31)

Donnerstag, 24. Januar 2013, 22.00 - 22.30 Uhr

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Ein Mädchen wird vergewaltigt, und erhält in zwei katholischen Krankenhäusern in Köln nicht die Behandlung, die ärztlich möglich ist. Anlass für uns, einen offenen Brief zu schreiben: Schluss damit.

„Da bin ich sprachlos“, „unglaublich“, „das Mittelalter im 21. Jahrhundert“, „die Ärzte haben jetzt bestimmt ein schlechtes Gewissen“ – einige von 150 Kommentaren, die uns zu dem Vorfall in zwei katholischen Krankenhäusern auf facebook erreichten. Die Diskussion dort und unsere eigene Haltung warf für uns die Frage auf: Wie gehen wir mit dem Thema jetzt um? Eine Stellungnahme.

Hand mit Füller und Brief.

80 Prozent Frauenanteil

Das vorneweg: Wir haben nichts gegen Religiösität, auch nicht gegen den katholischen Glauben. Das ist jedermanns und – fraus Sache, und geht uns nichts an. Aber wir konnten einfach nicht verstehen, dass zwei Ärztinnen ihrer Pflicht nicht nachkommen, und einem Vergewaltigungsopfer mit allen Mitteln helfen, die ihnen zur Verfügung stehen.

Doch konnten die Ärztinnen wohl nicht anders, denn sie durften die Pille danach nicht verschreiben – es sei denn, sie hätten ihren Job riskieren wollen. Mitarbeiterinnen unter Druck; im Dilemma.

Dahinter steckt System: 500.000 Angestellte, über 80 Prozent davon Frauen, arbeiten in katholischen Krankenhäusern, Kindergärten und Altenheimen. In NRW sind 70 Prozent aller Krankenhäuser in konfessioneller Trägerschaft. Für die Angestellten gelten nicht die gleichen Arbeitsbedingungen, wie in nicht-konfessionellen Betrieben.

Es reicht nicht, wenn sie einfach nur ihre Arbeit gut machen – sie müssen sich auch der katholischen (oder evangelischen) Morallehre verpflichten. Die Spitze des Eisbergs: Ärztinnen, die Patientinnen nicht helfen dürfen, wie es angemessen wäre.

Jeder zahlt für das System

Nun ist all das eben nicht Sache der Kirche und der Kirchenmitglieder allein. Denn ein Großteil der Kosten der katholischen (und übrigens auch evangelischen) Institutionen wird nicht über die Kirchensteuer finanziert, sondern von den allgemeinen Steuern- und Krankenkassenbeiträgen.

Alle zahlen, und die Kirche kann weiterhin ihre Sonderregeln durchsetzen. Wir finden, damit muss im 21. Jahrhundert Schluss sein; auch damit sich ein Skandal wie in den beiden katholischen Kliniken in Köln nicht wiederholen kann.

Buchcover.

Buchtipp

Eva Müller:
„Gott hat hohe Nebenkosten“
Wer wirklich für die Kirchen zahlt
Kiepenheuer&Witsch 2013, ISBN 978-3462044850
Eva Müller erzählt die Auseinandersetzung um einen Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft in Königswinter bei Bonn: Weil sie nach einer Trennung noch einmal geheiratet hat, soll eine Kindergärtnerin entlassen werden; die Eltern kämpfen dagegen. Ausgehend von diesem Fall, geht Müller der Struktur von Kindergärten, Krankenhäusern und Altersheimen in kirchlicher Trägerschaft nach und den Bedingungen, unter denen Angestellte dort arbeiten müssen.

Autor: Florian Schwarz


Stand: 24.01.2013