Wer redet, bricht die Macht der Täter

  • Donnerstag, 31. Januar 2013, 22.00 - 22.30 Uhr

Frau malt schwarzes Bild.

Wer redet, bricht die Macht der Täter

(29:24)

Donnerstag, 31. Januar 2013, 22.00 - 22.30 Uhr

  • Sendung verpasst?
  • Livestream
  • Vorschau
  • Spezial

Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche

Seit Mitte der 90er Jahre hat das Thema sexueller Missbrauch durch Priester, Ordensleute und angestellte Erzieher weltweit große Aufmerksamkeit erlangt. Bis dahin war es ein Tabuthema. Viele Opfer fühlten sich dadurch ermutigt, ihre traumatischen Erlebnisse öffentlich zu machen. Die meisten von ihnen wurden in katholisch geführten Kinderheimen missbraucht. Die Verantwortlichen schafften es, ihren Opfern glaubhaft einzutrichtern, sie seien böse und schlecht. Deshalb fühlten sich die Kinder schuldig, auch am Missbrauch. Weil es keine Bezugspersonen gab, konnten sich die Kinder niemanden anvertrauen. Sie mussten die Geschehnisse alleine verarbeiten, was vielen nur durch Verdrängung gelang.

Altes Foto von zwei Kindern.

Opfer-Hotline nach zwei Jahren eingestellt

Zwei Jahre lang konnten sich Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche an eine Beratungshotline wenden. Seit Jahresbeginn ist damit Schluss, die kostenlose Hotline wurde eingestellt. 8.500 Menschen nutzten dieses Angebot. Angehörige, aber auch Betroffene. 60 % der Anrufer waren selbst Opfer. Bei der Bilanz der Hotline sagte der Trierer Bischof Stephan Ackermann, es sei „das besonders perfide und für mich als Bischof auch abscheuliche“, dass die Beschuldigten häufig systematisch die psychische Wirkung von Riten wie der Beichte oder dem Gebet ausgenutzt hätten.

Frau malt schwarzes Bild.

Es gibt Kritiker, wie beispielsweise „Wir sind Kirche“, die es nicht in Ordnung finden, dass die Hotline eingestellt wurde. Es wäre ein Signal gewesen, dieses Telefonangebot weiter aufrecht zu erhalten, um zu zeigen: „Wir sind weiter bereit, auf Euch zu hören.“ Ob die Kirche wirklich einen Aufklärungswillen hat, wird angesichts jüngster Ereignisse ohnehin angezweifelt. Die wissenschaftliche Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche ist vorerst gescheitert. Die Missbrauchsstudie ist gestoppt.



Autorin: Diana Ahrabian


Stand: 30.01.2013