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Backstage - Teil 1/3
Ich heiße Jörg Stolpe und bin Reporter bei "Hier und Heute". Und auf Themensuche. Als Reporter ist man immer auf Themensuche. Im Moment sitze ich grübelnd am Schreibtisch und krame in meiner Erinnerung:
Neulich hast du doch diesen Barmixer kennen gelernt, der an Wettbewerben teilnimmt. Das wäre ein Thema. Aber die nächste Meisterschaft ist erst in ein paar Wochen. Vor zwei Tagen war ich bei der Blutspende. Der Alltag in einer Blutspendezentrale wäre auch ein Thema, aber darüber hat ein Kollege gerade schon eine Reportage gedreht.
Während ich weiter nachdenke, klingelt das Telefon. Der Planungsredakteur von "Hier und Heute": "Kannst du für nächste Woche eine Reportage über die Leitstelle der Kölner Verkehrsbetriebe machen?" Na, klar kann ich. Das Angebot aus der Redaktion kommt mir gerade recht. Aber was passiert eigentlich in einer Leitstelle? Der Planungsredakteur hat offenbar jemanden aus der Leitstelle kennen gelernt, und der hat wohl von seinem spannenden Alltag erzählt. Ich habe - ehrlich gesagt - bisher keine Ahnung.
Mit dem Pressesprecher der Kölner Verkehrsbetriebe verabrede ich einen Vorbesichtigungstermin.
Am nächsten Tag bin ich zum ersten Mal in meinem Leben in einer solchen Leitstelle: eine riesige Panoramatafel, auf dem das Kölner Straßenbahnnetz dargestellt ist, etwa 15 Leute, die hektisch von einem Computer zum anderen rennen und ein Einsatzleiter, der über allem thront. Von hier aus wird jeder Störfall im Streckennetz behoben: Unfälle im Straßenverkehr, Stromausfälle, randalierende Fahrgäste. Daraus lässt sich etwas für "Hier und Heute" machen.
Wer Reportagen von 14 Minuten oder sogar 29 Minuten Länge machen will, muss sich sehr genau überlegen, ob das Thema so viel hergibt. Was kann ich sehen? Wo wird es spannend? Welche interessanten Menschen kann ich dabei begleiten? Welche Geschichten kann ich von da erzählen?
Am nächsten Tag treffe ich den Planungsredakteur. Er will wissen, wie ich mir die Reportage vorstelle. "Hört sich gut an", meint er, als ich meine Rechercheergebnisse vorgestellt habe. "Aber was machst du, wenn an deinen zwei Drehtagen nichts los ist?" Auf diese Frage habe ich nur gewartet. Das kenne ich schon. Redakteure kritteln immer an der Arbeit der freien Mitarbeiter rum. "Keine Angst, da passiert immer was," verkünde ich selbstsicher.
Als nächstes muss ich mir ein Kamerateam besorgen. Dafür gibt es schriftliche Anmeldungen: Termine, Drehorte, Ausrüstung etc.. Für die Aufnahmeleiterin ist das alles wichtig. Denn sie muss mir das richtige Team vermitteln. Ich darf sogar Wünsche äußern, mit welchem Kameramann oder welcher Kamerafrau ich drehe.
Beim WDR gibt es viele Kameraleute, ich kenne längst nicht alle. Mit wem habe ich schon gearbeitet? Er oder sie sollte schnell und flexibel sein, denn darauf kommt es an, nicht auf durchgestylte Einstellungen.
Die Aufnahmeleiterin gibt ihr bestes, um mir einen meiner Wunschkandidaten zu vermitteln. Aber manchmal scheitert eine Zusammenarbeit an ganz unvorhersehbaren Dingen. Wer zum Beispiel eine Reportage über Schornsteinfeger macht, sollte keine Höhenangst haben, wer im Zoo drehen will, darf nicht allergisch gegen Tierhaare sein und wer mit Kammerjägern unterwegs ist, sollte seinen Ekel unterdrücken können.
Für die Reportage über die Leitzentrale ist schnell ein passender Kameramann gefunden. Am Morgen des ersten Drehtages treffe ich ihn und seinen Assistenten. Kurze Drehbesprechung. Ich erzähle dem Team, dass wir zwei Tage lang den Alltag in der Leitstelle begleiten. Und wann immer etwas passiert, werden wir schnell zum Einsatzort irgendwo in Köln fahren und uns die Arbeit vor Ort angucken.
Stand: 13.10.2006
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