Die Stämme von Köln
Kino am Donnerstag
- Donnerstag, 31. Januar 2013, 23.15 - 00.45 Uhr
Dokumentarfilm von Anja Dreschke, Deutschland 2012
Als Kölner Stämme bezeichnen sich rund 80 Vereine, deren Mitglieder sich in ihrer Freizeit als Hunnen, Mongolen, Wikinger, Indianer oder Afrikaner verkleiden. Sie schlüpfen in die Rolle von Attila, dem Hunnenkönig oder Dschingis Khan und das nicht nur an Karneval: Während der Sommermonate campen sie in Kölner Parks und Grünanlagen, um gemeinsam mit der Familie, Freunden und Arbeitskollegen in opulenten Rollenspielen historische Epochen und „fremde“ Kulturen in Szene zu setzen.
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Als Kölner Stämme bezeichnen sich rund 80 Vereine aus Köln, deren Mitglieder sich in ihrer Freizeit als Hunnen, Mongolen, Wikinger, Indianer oder Afrikaner verkleiden.
Doch was treibt so viele Menschen dazu, in die Rolle einer anderen Persönlichkeit zu schlüpfen, um so Geschichte am eigenen Leib zu erfahren? Dieser Frage ist die Ethnologin und Regisseurin Anja Dreschke während ihrer filmischen Feldforschung bei den Kölner Stämmen nachgegangen. Über mehrere Jahre hat sie die Vereine bei ihren Aktivitäten im Karneval, in Vereinslokalen und auf Sommerlagern begleitet. So ist eine Langzeitbeobachtung entstanden, die den Protagonisten viel Raum lässt, ihre eigene Sichtweise zu entfalten. Wir erfahren beispielsweise, dass die Faszination für US-amerikanische Historienfilme in den 1950er Jahren zur Gründung des ersten „Hunnenstamms“ geführt haben soll. Andere wiederum berufen sich auf die Heilige Ursula, die der Legende nach in Köln von den Hunnen getötet wurde, so erzählt man sich zumindest.
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Zur Ausstattung der Hunnen gehört auch die Standarte.
Der Film bietet eine dichte Beschreibung der Lebenswelten von Karnevalisten, Vereinsmeiern und Heimwerkern, aber auch von Hobby-Ethnologen, die versuchen, mit Akribie und Liebe zum Detail ein möglichst authentisches Abbild zu schaffen und dafür sogar in die Herkunftsländer ihrer Vorbilder reisen. Im Mittelpunkt des Films stehen die Vereinsschamanen, die über ein erstaunlich umfangreiches Wissen verfügen und für die anderen Mitglieder Initiationsrituale und Hochzeitsfeiern durchführen. Dabei greifen sie auf unterschiedlichste rituelle Praktiken und Traditionen zurück – vom Karneval bis zum sibirischen Schamanismus. In diesen Ritualen zeigt sich besonders deutlich, dass die Grenzen zwischen Vereinsleben und Alltag, zwischen Spiel und Ernst fließend sind.
Die Stämme von Köln ist eine Produktion von 58 Filme, in Koproduktion mit dem WDR, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW.
Stand: 28.12.2012
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