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Sendung vom 20. Januar 2012
Faust
Der russische Regisseur und Drehbuchautor Alexander Sokurow erhielt für seine filmische Umsetzung von Goethes „Faust“ den Goldnen Löwen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig 2011.
Bei Sokurow wird der deutsche Klassiker zu bildgewaltigem Kino: Sehr frei nach der Theatervorlage stellt der Universalgelehrte Faust fest, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse, von denen er in seiner Jugend geschwärmt hat, keine ausreichende Angaben beinhalten, wie die Welt oder das Leben wirklich ist. Daraufhin schließt der Doktor in seinem ewigen Streben nach Wissen einen verhängnisvollen Pakt mit Mephisto, dem Gegenspieler Gottes. Dabei vergisst er aber seine moralischen und ethischen Werte und verfolgt als rastloser Forscher seine Ziele ohne jedwede Rücksicht auf seine Umwelt.
Wer Mephisto als einen intellektuellen Verführer wie bei Gustaf Gründgens erwartet, wird sich wundern. Alexander Sokurows Mephisto erinnert mit seiner blässlichen Haut und seinem fratzenhaften Gesicht an ein hässliches Monster, das mit Ringelschwänzchen am Rücken abstoßend wirkt und unter Hänseleien leidet. Auch die Texte sind nur fragmentarisch dem Goethe-Original entnommen, der Großteil besteht aus einer sehr freien Stoffbearbeitung.
Sokurow lässt seinen Faust durch mittelalterliche Gassen streifen und taucht die Bilder in düstere und verwaschene braune und grünliche Farbtöne, arbeitet mit Speziallinsen, die für eine eigenartige Verzerrung sorgen. In der sehr eigenen Umsetzung der Postapokalypse ist auch der Einfluss des deutschen Filmexpressionismus zu spüren. Faust unterschreibt den Pakt mit dem Teufel mit Blut, um nur eine Nacht mit Gretchen zu verbringen. Der Film ist ein Filmkunstwerk mit einer ganz eigenen künstlerischen Handschrift.
Mit deutschen Schauspielern wie Hanna Schygulla und Florian Brückner besetzt und dem österreichischen Theaterschauspieler Johannes Zeiler als Titel gebende Figur bricht „Faust“ mit jeglichen traditionelle Vorstellung und kreiert daraus Neues. Der russische Regisseur stellt Goethes Tragödie auf den Kopf und lässt in einer chaotischen Bilderwelt die niedrigsten Instinkte ausbrechen. Nach "Moloch" über Hitler, "Taurus" über Lenin und "The Sun" über den japanischen Kaiser Hirohito ist dies der letzte Teil der Tetralogie über den Missbrauch und die Mythen von Macht.
Johannes Zeiler, Anton Adasinskiy, Isolda Dvchauk
Regie: Alexander Sokurow
Kamera: Bruno Delbonnel
Stand: 14.12.2011
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