Sendung vom 30. März 2008
Jörg Hahn, Frank Rittel und Thomas Pabst fragen:
Verkehrsflugzeuge, Formel-1-Autos und Gefahrgut-Lkws haben eines gemeinsam: mit Stickstoff befüllte Reifen. Doch auch für normale Pkws bieten Werkstätten immer häufiger an, die Reifen anstatt mit normaler Luft mit Stickstoff zu füllen — gegen Aufpreis selbstverständlich.
Angeblich mehrere Vorteile
Jörg Hahn, Frank Rittel und Thomas Pabst wollten nun wissen: Ist das wirklich sinnvoll? Die Argumente der Stickstoff-Befürworter klingen plausibel: Stickstoff würde einen möglichen Reifenbrand ersticken und ihn nicht anfachen. Außerdem sollen mit Stickstoff befüllte Reifen länger ihren Druck halten; das heißt, es soll weniger Stickstoff entweichen als in einem Vergleichsreifen, der mit Luft befüllt ist.
Kann Stickstoff einen Brand ersticken?
Beide Argumente will das Kopfball-Team im Experiment testen. Klas befüllt drei identische Reifen: einen mit Luft, einen mit Stickstoff und einen mit Sauerstoff. Mit einem Schweißbrenner wird der Reifen entzündet. Das Ergebnis: Der luftbefüllte Reifen brennt weiter, wenn die Luft aus dem Reifen austritt. Der in der normalen Atemluft vorhandene Sauerstoff-Anteil von etwa 21 Prozent facht das Feuer etwas an. Anders bei dem mit reinem Stickstoff gefüllten Reifen (aus dem etwa 78 Prozent unserer Atemluft bestehen): Nachdem der Feuerstrahl sich durch den Gummi-Mantel gefressen und ein Loch in die Decke gerissen hat, erstickt das Gas das Feuer sofort. Im Kopfball-Versuch funktioniert der Stickstoff-Reifen wie ein eingebauter Feuerlöscher. Dagegen kommt es bei der Befüllung mit Sauerstoff zu einem enormen Brand: Das austretende Gas facht das Feuer heftig an. Niemand würde aber auf die Idee kommen, seine Reifen mit reinem Sauerstoff zu füllen. Lohnt es sich also doch, die Autoreifen mit Stickstoff befüllen zu lassen? Das Kopfball-Team meint: Nein, denn in der Fahrpraxis müssten schon sehr widrige Umstände zusammen kommen, damit ein Reifen Ausgangspunkt für einen Brand sein kann. Das passiert nur höchst selten.
Das Kopfball-Team hat den Praxistest gemacht: Nach etwa sechs Wochen und 3000 Kilometer Fahrt konnte Klas keinen Druck-Unterschied zwischen Luft- und Stickstoff-Reifen messen. Dieses Ergebnis deckt sich auch mit den Aussagen vieler Spezialisten: Selbst nach mehrmonatigem Fahren stellten sie Unterschiede von maximal einem Hundertstel Bar fest.
Film buckle-up: Christoph Fleischer und Dirk Gion mit Klas Bömecke
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