Sendung vom 11. Mai 2008
Keine Angst: Im langen Hinterleib von Libellen verbirgt sich kein Giftstachel; Libellen können nicht stechen. Allerdings haben sie kräftige Mundwerkzeuge, mit denen sie kneifen können wenn man sie festhält.
Kopfball-Redaktion
schrieb am 07.08.2009, 08:07 Uhr
Lieber Ingo,
vielen Dank für deinen Kommentar. Grundsätzlich hast du damit Recht. Aber wir möchten doch auf einige Aspekte näher eingehen:
Unser Tierfilmer Wolfram Schiebener ist sehr wohl ein Experte. Außerdem haben wir in diesem Beitrag zusätzlich mit einem Insektenspezialisten zusammengearbeitet, der auch die Art- und Geschlechtsbestimmung vor Ort übernommen hat. Selbstverständlich hatte er auch eine Fang-Genehmigung für das Gebiet, in dem wir gedreht haben.
Darüber hinaus sind wir der festen Überzeugung, dass Warnungen wie "Bitte nicht nachmachen" im Fernsehen keine sinnvolle Wirkung zeigen. Wer große Kescher und Insektenfangnetze sein Eigen nennt, muss nicht erst von unserem Beitrag auf die Idee gebracht werden, Insekten zu fangen. Und wer solch professionelles Gerät nicht hat, wird - schon aufgrund der Schnelligkeit der Libellen - kaum eine Chance haben, überhaupt eine Libelle zu fangen.
Ingo
schrieb am 07.08.2009, 08:07 Uhr
Unverantwortlich, dieser Beitrag. Geradezu eine Anleitung für "überambitionierte Hobbyodonatologen" Libellen zu fangen und ihnen in die wirklich zarten Flügel zu fassen.
Ein Hinweis darauf, dass wirklich NUR Experten von Libellenkundlern, eine Libelle fangen und inspizieren sollten, fehlt hier leider.
Auch fehlt, dass man KEINESFALLS frisch geschlüpfte Libellen an den Flügeln halten darf! Diese sind nämlich noch nicht ausgehärtet und bleiben zusammen kleben. Somit ist das Libellenleben beendet, bevor es richtig losgegangen ist.
Auch die Artenbestimmung der Heidelibelle ging völlig in die Hose. Allein schon an der Färbung konnte man erkennen, dass es sich hierbei um ein Männchen handeln muss. Aller Wahrscheinlichkeit sogar um eine Gefleckte Heidelibelle (Sympetrum flaveolum), die fast vom Aussterben bedroht ist.
Schön, dass klar wurde, dass Libellen harmlos sind, aber die Fang-Anleitung finde ich absolut unpassend.
Viele Grüße
Ingo (www.libellen-welt.de)
Aber das tun sie nur wenn man sie in arge Bedrängnis bringt. Für den Menschen sind Libellen also völlig harmlos.
Wenn aber nicht zum Stechen, wozu benutzen Libellen dann ihren langen, schmalen Hinterleib? Er erfüllt verschiedene Funktionen: Sie brauchen ihn zum einen beim Fliegen, um mit ihrem schweren Vorderende mit den Flugmuskeln und den Flügeln in Balance zu bleiben. Die Weibchen brauchen ihn außerdem zum Eierlegen: Auf einem Blatt oder Ästchen über der Wasseroberfläche sitzend streifen sie ihre Eier an Wasserpflanzen ab oder bohren die Pflanzen an und legen die Eier hinein. Die Männchen wiederum haben am äußersten Ende ihres Hinterleibs zwei Zangen, mit denen sie die Dame ihres Herzens bei der Paarung festhalten, während sie mit ihr das spektakuläre "Paarungsrad" bilden.
Der lange, schlanke Hinterleib hat aber noch eine andere lebenswichtige Funktion: Er ist ihre "Klimaanlage". Beim Fliegen heizt sich ihr Körper durch ihre Hochleistungs-Flugmuskulatur derartig auf, dass Libellen ohne Gegenmaßnahme sehr schnell überhitzen würden, wenn sie sich setzen und der Flugwind sie nicht mehr kühlt – vor allem wenn die Sonne scheint. Durch ihr langes Hinterende können sie sich dann wieder abkühlen, in dem sie über die große Körperoberfläche Wärme an die Umgebung abgeben. Libellen haben einen offenen Kreislauf mit einem Herzen und mehreren kleineren Pumpsystemen, die die Körperflüssigkeit in Bewegung halten. Durch ein ausgeklügeltes System wird das heiße "Blut" aus der Körpermitte schwanzwärts transportiert und kühlt sich dabei auf dem Weg durch das Hinterende und zurück wieder ab.
Text Ismeni Walter
Film Ismeni Walter und Wolfram Schiebener mit Ulrike Brandt-Bohne
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