Sendung vom 05. Oktober 2008
Dennis Breuer fragt:
Immer, wenn zwei Fahrspuren zu einer einzelnen zusammengeführt werden, gilt in Deutschland automatisch das Reißverschluss-System. Das heißt, dass jedes Auto auf der rechten Fahrspur ein Auto aus der linken Fahrspur vorlassen muss.
Ablauf ist klar geregelt
Immer, wenn zwei Fahrspuren zu einer einzelnen zusammengeführt
werden, gilt in Deutschland automatisch das
Reißverschluss-System. Das heißt, dass jedes Auto auf
der rechten Fahrspur ein Auto aus der linken Fahrspur vorlassen
muss. Kopfball-Zuschauer Dennis Breuer aus Aachen möchte
wissen, ob es sinnvoller ist, sich möglichst früh oder
möglichst spät einzufädeln.
Kopfball macht den Fädel-Test
Hier gibt es zwei klare Antworten: So spät wie möglich
einfädeln, denn so steht es in der
Straßenverkehrsordnung ("unmittelbar vor Beginn der
Verengung"). Aber ist diese Regelung auch sinnvoll? Die
Antwort des Verkehrs-Wissenschaftlers Andreas Schadschneider von
der Uni Köln: "Ja." Kopfball macht mit 30 Fahrzeugen
auf einer Autobahn die Probe aufs Exempel. Das klare Ergebnis: Wenn
sich die Autofahrer zu früh einordnen, verlangsamt sich der
Verkehr hinter ihnen zu früh. Das führt zu
überflüssigen Staus. Außerdem verschenken die
Autofahrer viel Platz, so Professor Schadschneider. Fädeln
sich die Autofahrer beispielsweise schon einen Kilometer vorher
ein, bleibt die zweite Spur bis zur Baustelle frei. Wertvoller
Platz wird nicht genutzt – und verleitet im Übrigen auch
Raser, mit hoher Geschwindigkeit an den Autos vorbeizufahren. Und
das führt dann dazu, dass der Reißverschluss an der
Verengung gar nicht mehr funktionieren kann.
Aggressives Fahren verursacht Staus
Eine psychologische Komponente ist ebenfalls wichtig, so der
Physiker der Uni Köln. Machen Fahrer lange vor dem Hindernis
anderen Autofahrern Platz und sollen das vor der Engstelle noch mal
tun, finden sie das unfair und ärgern sich. Die Konsequenz:
Sie lassen den vermeintlichen Drängler am Schluss nicht mehr
auf ihre Spur und reagieren mit einer aggressiven Abwehr-Reaktion.
Das führt zu Stress und provoziert Unfälle. Und die
führen auf Autobahnen garantiert zu langen Staus; genau das,
was das Reißverschluss-Verfahren eigentlich verhindern
will.
Text Axel Bach, Christoph Fleischer und Dirk Gion
Film buckle-up: Christoph Fleischer und Dirk Gion mit Klas Bömecke
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