Sendung vom 22. März 2009
Gerhard Böhler aus Friedrichshafen fragt:
Es bietet Schutz über und unter Wasser, lässt sich mit einem Deckelchen verschließen und passt dem Besitzer wie angegossen: das Schneckenhaus. Aber muss sich eine Schnecke ihr Haus erst suchen, so wie es der Einsiedlerkrebs macht? Oder hausen Schnecken schon von Geburt an im Eigenheim? Kopfball-Zuschauer Gerhard Böhler aus Friedrichshafen möchte Klarheit.
Lisa
schrieb am 23.03.2009, 18:55 Uhr
Hallo, ich habe mich schon bei der Sendung gefragt: Wo gibt es diese niedliche Schneckenhandpuppe? :-)
Schnecken legen Eier. Und wenn Schnecken mit Häuschen auf die Welt kommen, sollte das Haus schon im Ei zu erkennen sein. Biologin Ulrike geht der Sache in der Kopfball-Werkstatt nach. Aus dem Zoogeschäft hat sie sich ein Aquarium mit Wasserschnecken besorgt und auch etwas Schneckenlaich. Der Schneckenlaich sitzt an den Wasserpflanzen. Es sind kleine durchsichtige glibberige Punkte. Mit bloßem Auge kann man aber nicht erkennen, ob sie schon ein Häuschen tragen: Dafür sind die gallertartigen Eier viel zu klein.
Ulrike präpariert ein paar Eier und legt sie unter das
Mikroskop. Und wirklich: Im Ei ist eine winzige Schnecke zu
erkennen und auf ihrem Rücken thront ein ebenso winziges
Häuschen. Noch etwas zart und durchsichtig, aber es ist da!
Auch zwei kleine schwarze Punkte – das sind die Augen –
sind prima zu sehen.
Und dann passiert etwas Besonderes: Die Schnecke beginnt, an der
Eihülle zu fressen, streckt die Fühler durch die
Öffnung und zieht ihr Häuschen mit hinaus. Eine
Schneckengeburt unter dem Kopfball-Mikroskop!
Mit Kalkausscheidungen vergrößern und verdicken
Schnecken ihr Haus. Den Kalk sondern sie über den sogenannten
Mantel ab; das ist der Weichteil, der in der Schale sitzt. An der
Schalenöffnung bauen sie weitere Windungen an, und an der
Innenseite der Schale verdicken sie es. Die Schale wächst aber
nicht ein Leben lang. Je nach Art hat eine Schale irgendwann ihre
typische Größe erreicht. Dies erkennt man an einem
verdickten Mündungsrand, der sogenannten Mündungslippe.
Bei einer jungen Schnecke hingegen ist dieser Rand scharf.
Selbst Nacktschnecken haben während ihrer Entwicklung eine
kleine Schale. Doch noch bevor sie schlüpfen, verlieren sie
sie wieder. Nacktschnecken haben den Schutz eines Häuschens
zugunsten einer größeren Beweglichkeit abgelegt. In der
Entwicklung durchlaufen sie aber immer noch das ursprüngliche
Stadium mit Häuschen.
Manche Schneckenarten legen keine Eier. Der Nachwuchs entwickelt
sich im Körper der erwachsenen Tiere, die die Jungschnecken
zur Welt bringen. Die Sumpfdeckelschnecke der Gattung
"Viviparus" ist ein Beispiel für eine
lebendgebärende (vivipare) Schnecke. Ein anderes Beispiel ist
die Ovoviviparie (Ei-Lebend-Geburt) der Flussdeckelschnecke. Hier
gebärt die Schnecke lebende Jungtiere, die im Muttertier aus
einem Ei geschlüpft sind.
Text Andrea Huesmann
Film VisualBridges: Christoph Goldbeck, Andrea Huesmann mit Ulrike Brandt-Bohne, Burkhardt Weiß
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