Sendung vom 03. Mai 2009
Hans-Christian Strate fragt:
Wie viele Flugkilometer stecken in einem Glas Bienenhonig? Gemeint sind hier nicht die Flugkilometer, die beim Transport eines abgefüllten Glases Honig anfallen. Hans-Christian Strate möchte wissen, wie viel Kilometer die Bienen fliegen müssen, bis sie den Blütennektar für ein 500-Gramm-Glas Honig, gesammelt haben. Gute Frage, denn mal ehrlich, wer hat darüber schon mal nachgedacht, wenn er morgens in sein Honigbrötchen gebissen hat ...
Robert
schrieb am 30.05.2009, 08:51 Uhr
Liebes Kopfball-Team,
seit vielen Jahren bin ich Fan und recht regelmäßiger Zuschauer Eurer Sendung - manchmal live, oft über den Podcast. Schon oft habt Ihr verblüffende Details aus unserer direkten Lebensumgebung in einfachen Worten für uns verständlich gemacht. Mit dem Beitrag über die Bienen und ihren sprichwörtlichen Fleiß habt Ihr Euch aber selbst übertroffen. 75 Tausend Bienen-Flug-Kilometer für ein Glas Honig - das flößt einem den nötigen Respekt vor dieser Speise ein! Da kann ich Marie nur beipflichten. Danke!
Sonnige Grüße!
Robert
Marie
schrieb am 08.05.2009, 23:23 Uhr
Ich werde meinen Honig jetzt morgens mit Respekt essen!! Was eine Leistung der bienen!
kopfball-Redaktion
schrieb am 07.05.2009, 21:47 Uhr
Vielen Dank für die Kritik, die wir genau zu diesem Punkt auch von Kollegen bekommen haben.
Jojo
schrieb am 07.05.2009, 21:47 Uhr
Könnt Ihr bitte beim nächsten mal die Berechnung der Kilometer oder ähnliches korrekt durchführen? Das Ergebnis stimmt zwar, aber rechne ich so, wie im Film gesagt wird, komme ich auf eine Summe von 75000000 (m). Das Ergebnis Eures Taschenrechners ist aber 75000, was der berechnete Kilometerwert ist. Viele Leute (insbesondere Kinder) haben Schwierigkeiten, solche Berechnungen durchzuführen. Bitte beim nächsten mal keine - oder besser alle- Berechnungsschritte nennen.
Sascha
schrieb am 05.05.2009, 12:56 Uhr
Wieso fliesst der Eigenverbrauch der Biene mit in die Rechnung? Ich denke man kann davon ausgehen das die Biene den Eigenverbrauch direkt vor Ort konsumiert udn nicht erst ins Nest fliegt oder?
kopfball-Redaktion
schrieb am 05.05.2009, 12:56 Uhr
Hallo Sascha, der Eigenverbrauch der Honig sammelnden Biene fließt mit in die Rechnung
ein, da ein Honig produzierender Bienenstaat nur dann existieren kann,
wenn seine einzelnen Mitglieder Nahrung aufnehmen, um daraus Energie
gewinnen zu können. Die Biene nimmt den Teil des Nektars, der zum
Eigenverbrauch bestimmt ist zwar an der Blüte auf, verbraucht diesen aber
über einen längeren Zeitraum. Somit erreicht nicht der gesamte gesammelte
Nektar eines Fluges die Bienenwabe. Der verbrauchte Eigenanteil der Biene muss durch
eine größere Anzahl von Flügen wieder aufgefangen werden.
kopfball-Redaktion
schrieb am 03.05.2009, 14:09 Uhr
Wir sagen, dass eine Biene im Schnitt 750 Meter fliegen muss, um Nektar von einer Blüte einzusammeln. Hin- und Rückflug sind also in den 750 Metern enthalten.
Blasczyk
schrieb am 03.05.2009, 14:09 Uhr
Ihr geht in eurer Berechnung der Flugkilometer davon aus, dass das Raps- oder Blütenfeld 750 Meter vom Bienennest entfernt ist, demnach muß eine Biene nicht 750 Meter sondern 1500 Meter zurücklegen für den Blütennektar. Da die Biene zum Feld und zurück fliegen muß.
Der Bienen-Experte Dr. Christoph Otten vom "Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum" in Mayen kennt die nötigen Fakten: Die Grundlage für praktisch alle Honigsorten bildet Blütennektar. Diesen stark zuckerhaltigen Pflanzensaft saugen die Honigsammlerinnen eines Bienenvolkes durch ihren Rüssel aus den Blüten in ihre Honigblase. Etwa 0,05 Gramm Nektar fasst die Honigblase einer europäischen Honigbiene. Doch Blütennektar ist noch lange kein Honig. Der Nektar hat einen hohen Wassergehalt, je nach Blüte bis zu 90 Prozent. Der Wassergehalt von gutem Honig ist deutlich niedriger. Bevor zum Beispiel aus dem Nektar der Rapsblüte Honig wird, verringert sich sein Volumen auf etwa ein Fünftel.
Schon beim Einsaugen des Nektars in die Honigblase der Biene beginnt dieser Prozess und setzt sich bei der Übergabe des Nektars von der Sammlerin zu ihrer Bienen-Kollegin im Bienenstock fort. Durch Herauslassen und anschließendes Wiedereinsaugen des Nektars reduzieren die Bienen den Wassergehalt um mehr als die Hälfte. Zusätzlich vermischen die Bienen den Nektar während des gesamten Prozesses mit eigenen Enzymen. Diese sorgen dafür, dass sich das Zuckerspektrum des Nektars ändert und hochwertiger wird. Zusätzlich hemmen sie das Wachstum von Hefen und Bakterien und machen den Honig fast unverderblich. Im Bienenstock verteilen die Bienen den bereits eingedickten Nektar dann in den Bienenwaben und sorgen durch Fächelbewegungen ihrer Flügel für weiteren Flüssigkeitsverlust.
Den genannten Zahlen nach müssten die Bienen also 2,5 Kilogramm Rapsnektar sammeln, um 500 Gramm Honig zusammenzubekommen. Teilt man nun die 2,5 Kilogramm Nektar durch das durchschnittliche Fassungsvermögen der Honigblase von 0,05 Gramm, so ergibt sich die stattliche Zahl von 50.000 Flügen, die notwendig sind, um das Glas voll zubekommen. Doch damit nicht genug: Etwa die Hälfte des gesammelten Nektars verbrauchen die Bienen zur eigenen Ernährung oder zur Aufzucht des Nachwuchses selbst. Berücksichtigt man das, verdoppelt sich die Anzahl der erforderlichen Flüge auf 100.000.
Bleibt noch zu klären, welche Flugstrecke eine Biene pro Honigblasenfüllung zurücklegen muss. Die hängt natürlich sehr stark von den Bedingungen der jeweiligen Umgebung eines Bienenstocks ab. Für den Rapshonig geht Christoph Otten von einer Strecke für den Hin- und Rückflug von 500 bis 1000 Metern aus. Multipliziert man nun die 100.000 Flüge mit der durchschnittlichen Flugstrecke von 750 Metern, ergeben sich immerhin stolze 75.000 Flugkilometer pro Honigglas. Fast zweimal umkreisen die Bienen also die Erde, um ein Glas Honig zusammenzubekommen.
Umgerechnet auf eine 25-Gramm-Portion schmiert man sich also 3.000 Bienen-Kilometer aufs morgendliche Honigbrötchen. Mit dieser Erkenntnis im Hinterkopf beißt man da doch ganz anders zu ...
Text Niels Waibel
Film VisualBridges: Sebastian Rams und Niels Waibel
mit Isabel Hecker und Burkhardt Weiß
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