Sendung vom 31. Mai 2009
Gerhard Böhler aus Friedrichshafen fragt:
Früh aufstehen war angesagt, um die Zuschauerfrage von Gerhard Böhler aus Friedrichshafen zu beantworten: Denn: Spinnen bauen ihre Nester meist in den frühen Morgenstunden. Und hierzu wollte er wissen: "Wie können Spinnen ihre Netze über mehrere Meter hinweg anbringen?" Und so streift Uli mit Kopfball-Tierfilmer Wolfram Schiebener durch den Wald – auf der Suche nach Spinnen und ihren Netzen.
Thorsten S.
schrieb am 31.05.2009, 21:56 Uhr
Ich fand den Beitrag sehr schön gemacht. Wie wunderbar doch die Natur ist!!!
Nach einiger Zeit finden die beiden ein Netz, das mit Tautropfen wunderschön in der frühen Sonne glänzt. Es ist von einer Kreuzspinne. Uli fängt das Tier behutsam ein. Die beiden hoffen, dass die Spinne gleich vor laufender Kamera ein Netz baut. Um das besser beobachten zu können, bauen sie einen Tisch mit einer Astgabel auf. Wie wird die Spinne es schaffen, den ersten Faden von einem Ast zum anderen zu bringen?
Uli ist überrascht: Es dauert nur wenige Sekunden – und schon ist der erste Faden gelegt. Die Spinne lässt sich zunächst an einem Sicherheitsfaden herunter. Dabei lässt sie gleichzeitig ein dünnes Fadenbündel austreten. Jeder einzelne dieser Fäden ist nur 250 Nanometer dick und mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Trotzdem bieten sie dem Wind eine große Angriffsfläche. Ähnlich wie ein auseinandergedrillter Faden wird er leicht vom Wind weggeweht. Hinter dem Fadenbündel tritt dann der Flugfaden aus dem Hinterleib der Spinne aus. Er ist ein bis zwei tausendstel Millimeter dick. Bleibt er irgendwo hängen, klebt er fest und die Spinne zieht den Faden stramm.
Dann beginnt für die Spinne ein unsicherer Drahtseilakt:
Sie läuft das erste Mal über den Faden auf die andere
Seite. In diesem Stadium ist es nicht sicher, ob der Faden halten
wird. Die Spinne läuft auf der gespannten Fadenbrücke
mehrmals hin und her und verstärkt den Faden dabei. Dann seilt
sie sich schließlich von der Mitte der Fadenbrücke ab
und befestigt den senkrechten Faden am Boden, so dass ein
"Y" entsteht. Diese drei "Speichen" sind die
Grundstruktur des Netzes. Es folgen weitere der sogenannten
Speichen- oder Radialfäden. Gleichzeitig baut die Spinne
außenherum einen sogenannten Rahmenfaden, mit dem sie die
Größe des Fangbereichs des Netzes bestimmt. In der Mitte
knüpft die Spinne ein Fadengeflecht, um diesen Bereich zu
stabilisieren.
Schließlich beginnt die Spinne mit dem Bau einer Hilfsspirale
von innen nach außen. Diese Hilfsspirale frisst sie aber
wieder auf, während sie die eigentliche Fangspirale von
außen nach innen knüpft. Die Fangspirale besteht aus
klebrigen Fäden und kann bis zu 18 Meter lang sein.
Kreuzspinnen kennen noch eine weitere Technik, um den ersten Faden anzubringen: Im Labor, in dem kein Wind weht, konnten Forscher beobachten, dass die Spinne zunächst auf der einen Seite ihren Wegfaden befestigt. Dann läuft sie, diesen Faden hinter sich herziehend, nach unten und klettert den nächsten Ast hoch, wo sie ihn dann befestigt und mit dem Netzbau loslegt.
Die Kreuzspinne (Araneus diadematus) gehört zu den Radnetzspinnen. Sie kommt in Europa und Nordamerika sehr häufig vor. Sie wird bis zu 17 Millimeter groß und hat ein weißliches Kreuz auf ihrem Rücken.
Text Axel Bach, Sandra Jolk
Film Sandra Jolk, Wolfram Schiebener mit Ulrike Brandt-Bohne
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