27.05.2012

Das Erste ist das Fernsehen
Kopfball
URL: http://www.wdr.de/tv/kopfball/sendungsbeitraege/2009/1011/babys.jsp

Sendung vom 11. Oktober 2009

Tanja Gömann aus Hannover fragt: Wertung: 3.0 von 5 möglichen Sternen

Warum schreien jüngere Kinder mehr als ältere?

Babys schreien viel. Kaum ist die Mutter außer Sichtweite, geht's häufig schon los. Aber je älter das Kind wird, desto seltener zeigt es seine Emotionen und Wünsche mit Schreien. Kopfball-Reporterin Ulrike war mit ihrer kleinen Tochter unterwegs im Kindergarten ...

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Schreien für die Wissenschaft

Professor Manfred Holodynski ist Emotionsforscher an der Universität Münster. Er bringt Kinder zu Forschungszwecken zum Schreien. Eine Kamera soll festhalten, was Ulis Tochter macht, wenn sie allein gelassen wird. Im Nachbarzimmer schaut sich der Experte die Situation auf dem Monitor an. Weil Säuglinge alleine völlig hilflos sind, ist das Bedürfnis nach Nähe zur Mutter bereits nach ganz kurzer Zeit sehr stark: Laia beginnt schon in dem Moment zu schreien, als Ulrike gerade das Zimmer verlässt. Kinder können sich natürlich als Säugling noch nicht differenziert mitteilen; sie müssen das erst lernen. Deshalb müssen sie am Anfang ihres Lebens so viel schreien, denn das ist die einzige Form der Artikulierung, die sie beherrschen.

Wie Kinder an den Keks kommen

Aber schon, wenn Laia zwei Jahre alt ist, wird sie nicht mehr schreien müssen und eigene Ideen haben, wie ihr geholfen werden könnte. Das soll ein weiterer Test mit den älteren Kindergartenkindern zeigen: Manfred Holodynski stellt Kekse sichtbar – aber außerhalb der Reichweite der Kinder auf ein Regal. Im Film seht ihr, welche unterschiedlichen Strategien Kinder haben, um an die Kekse zu kommen, je nachdem wie alt sie sind.

Emotionen

Über die Emotion teilt sich das Kind mit. Es findet eine Ausdifferenzierung über die ersten zwölf Monate statt. Eine sogenannte Unsicherheitstoleranz bleibt bis zum Alter von einem Jahr. Innerhalb dieser Zeit sucht das Kind beim Erwachsenen nach Hilfe. Erst ab einem Alter von einem Jahr zeigt es mit dem Finger auf den Gegenstand. Ab dem zweiten Lebensjahr werden die Emotionen beziehungsweise das Hilfesuchen bewusster, sie kommen prompt und gerichtet. So entstehen die Trotz-Szenen im Supermarkt: Das Kind will eine Süßigkeit an der Kasse und zeigt dorthin. Wird der Wunsch nicht erwidert, beginnt das Kind, laut zu brüllen.
Die Emotionen entwickeln sich also über die Zeit. Je älter ein Kind ist, desto weniger muss es schreien, da es sein Hilfegesuch zielgerichteter ausdrücken kann. Darüber hinaus können bereits sehr kleine Kinder die Gesichtsausdrücke Erwachsener interpretieren. So löst ein Gegenstand nur wenig Reaktion im Gehirn aus, wenn dieser zuvor von einem Erwachsenen mit einem neutralen Gesichtsausdruck betrachtet wurde. Wenn ihr Gegenüber den Gegenstand fixiert, ist die Reaktion viel stärker.

Film VisualBridges: Thomas Bausenwein mit Ulrike Brandt-Bohne



Kopfball - weitere Informationen zur Sendung


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