27.05.2012

Das Erste ist das Fernsehen
Kopfball
URL: http://www.wdr.de/tv/kopfball/sendungsbeitraege/2010/0103/windschutzscheibe.jsp

Sendung vom 03. Januar 2010

Reinhard Asmussen und Ralf Igelbrink fragen: Wertung: 3.0 von 5 möglichen Sternen

Warum friert im Winter beim Auto immer zuerst die Frontscheibe zu?

Eiskalter Einsatz für Kopfball-Reporterin Isabel: Sie scheut weder Schneesturm noch kalte Füße, um die frostige Frage der Kopfball-Zuschauer Reinhard Asmussen und Ralf Igelbrink zu klären: Warum friert beim Auto immer zuerst die Frontscheibe zu? Die erste Überlegung liegt nahe: Es könnte etwas mit der Neigung der Scheibe zu tun haben; die Seitenscheiben sind ja deutlich steiler als die Frontscheibe.

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Deine Meinung

Kommentare

Einträge: 3

Stefan
schrieb am 19.01.2011, 00:21 Uhr
@Kurt: Deine Annahme, dass ein Körper nicht kälter werden könnte als die Umgebungstemperatur, ist falsch. Hier geht es um die Wärmestrahlung, die jeder Körper abgibt, der wärmer als der absolute Nullpunkt ist. Leichter nachvollziehbar ist ein Beispiel, das jeder Taucher kennt, wenn auch hoffentlich nur theoretisch: Auch bei Umgebungstemperaturen weit über Null Grad, wie sie beim Süßwassertauchen ja nun mal zwangsläufig vorhanden sind, kann es durch Entspannung (Druckminderung) zur Vereisung des Atemreglers kommen.

WDR.de
schrieb am 04.01.2010, 14:30 Uhr
Vielen Dank für Ihre Anregungen. Wir werden das beim nächsten Mal berücksichtigen. Beste Grüße vom Kopfball-Team

Kurt
schrieb am 04.01.2010, 14:30 Uhr
Liebe Leute, ich liebe Eure Sendung, aber das mit der Eisdecke kaufe ich Euch nicht ab. Wie war die Innentemperatur der drei Autos? Ich behaupte, sie war identisch. Damit kann auch die Scheibe nicht kälter sein als der Innenraum Bitte probiert folgendes aus: Ein "Spiegel" (aus einem Material wie Euer Beispiel aus dem Carport, ) wird so montiert, dass die Wärmestrahlung eines Auto-Seitenfensters ins Weltall reflektiert wird. Nach Eurer Argumentation müsste das Seitenfenster dort zufrieren, wo der IR-Spiegel die Strahlen ins Weltall lenkt. No way! a) Wie soll die Scheibe weiter abkühlen? Sobald die Scheibe die Umgebungstemperatur angenommen hat, kann sie nicht weiter abkühlen, wo soll denn die Wärme herkommen, denn b) es gibt keine Kältestrahlung Und noch ein Argument: Als Ihr die Wärmebildkamera auf die Autoscheibe unter dem Carport gerichtet hattet, konnte man schön die Spiegelung des Carports sehen. Sehr scharfe Temperaturunterschiede, das ist absolut unphysikalisch für "echte" Temperaturunterschiede! Viel zu abrupt! Was die Wärmebildkamera sieht, ist die auf den Windschutzscheiben reflektierte Strahlung des Weltalls, das ist NICHT die Temperatur der Scheibe! Beschichtet die Scheibe mal anders und schon seht Ihr eine andere Temperatur!!! Der Effekt der dickeren Eisdecke auf flacheren Scheiben ist meiner Meining anch ein reiner Effekt der Masse an Luftfeuchte, die kondensiert. Mein Vorschlag: die Dicke der Eisschicht ist proportional zum Cosinus des Anstellwinkels der Scheibe. Kurt

Kalte Nacht am Kahlen Asten

Zusammen mit dem Wärmeexperten Dr. Georg Dittié fährt Isabel ins Sauerland auf den Kahlen Asten. Das ist der zweithöchste Berg Nordrhein-Westfalens und verspricht durch seine Lage ideale Bedingungen für das Experiment: Drei baugleiche Kleinwagen werden unterschiedlich geparkt, um herauszufinden, wie sich das auf die Vereisung auswirkt. Der erste Wagen steht ganz normal unter freiem Himmel. Der zweite wird mit den Vorderrädern so aufgebockt, dass die Frontscheibe fast parallel zum Himmel schaut. Der dritte Wagen steht unter einem einfachen Carport. Dafür wurde eine Plane in einiger Entfernung über das Auto gespannt. Und dann heißt es abwarten ...

Die Scheiben vereisen

Einige Stunden nach Einbruch der Dunkelheit ist es deutlich zu sehen: Am stärksten sind die Frontscheiben des aufgebockten Wagens vereist, gefolgt von dem normal geparkten – während der Wagen unter dem Carport nahezu eisfrei ist! Warum das so ist, zeigt Georg Dittié mit seiner Wärmebildkamera. Mit ihr kann man Temperaturen auf ein zehntel Grad genau bestimmen; nicht nur auf der Oberfläche der Autoscheiben, sondern auch in der Umgebung. Die Messungen haben Isabel überrascht:

  1. Die Frontscheibe ist kälter als die Umgebungsluft: Während es draußen −5,6 °C kalt ist, hat die Frontscheibe eine Temperatur von −7,7 °C.
  2. Die Seitenscheibe ist wärmer als die Frontscheibe: −7,3 °C.
  3. Die Frontscheibe des aufgebockten Autos ist kälter als die Frontscheibe des normal geparkten Autos: −8,4 °C.
  4. Die Frontscheibe des unter dem Carport stehenden Autos ist wärmer als die Frontscheibe des normal geparkten Autos: −5,9 °C.
  5. Bei der Messung gegen den sternenklaren Nachthimmel zeigt das Gerät eine Temperatur von −57,6 °C an.

Wärmestrahlung auch bei Minustemperaturen

Wie kommt es dazu? Die Autoscheiben geben Wärmestrahlung ab. Das tun alle Körper, die wärmer als −273 °C sind. Das ist der "absolute Nullpunkt" – die niedrigste Temperatur, die überhaupt möglich ist. Das bedeutet also, dass auch "kalte" Sachen, wie zum Beispiel Eiswürfel, Wärmestrahlung abgeben. Sie sind zwar für uns Menschen kalt (0 °C) – aber auf der sogenannten Kelvin-Temperaturskala, die keine Minusgrade kennt und bei 0 Kelvin anfängt, sind sie ziemlich "heiß"; nämlich 273 Kelvin.

Wenn ein Körper abkühlt, dann tut er das nicht, weil die Kälte ihm die Wärme "entzieht", sondern weil er ständig Wärmestrahlung abgibt, aber von seiner Umgebung (zum Beispiel anderen warmen Gegenständen) weniger Wärmestrahlung zurückkriegt. Genau hier liegt auch der Grund dafür, dass die Autoscheiben unterschiedlich stark abkühlen. Denn die Wärmestrahlung verhält sich ähnlich wie Licht: Eine Lampe, die man gegen den Himmel richtet, strahlt ihr Licht (=Wärmestrahlung) in das Weltall. Sie erleuchtet jedoch auf der Erde nichts. Richtet man die Lampe jedoch gegen das Carport-Dach, wird ein Teil des Lichts (also der Wärmestrahlung) zurückgeworfen und es ist viel heller (also auch wärmer)!

Der Trick beim Carport

Damit kann man erklären, warum die Autoscheibe unter dem Carport kaum zufriert: Die Wärmestrahlung, die das Auto abgibt, wird zum Teil am Dach reflektiert und wieder auf das Auto zurückgeworfen. Außerdem strahlt auch das Dach selber: Die Hälfte der Wärmestrahlung geht nach oben und die andere Hälfte nach unten – und dieser Teil erwärmt wiederum das Auto. Ganz anders sieht die Situation beim aufgebockten Auto aus: Hier gibt die Autoscheibe Wärmestrahlung direkt nach oben in den Himmel ab: Sie verschwindet regelrecht im Weltall. Die Seitenscheiben hingegen strahlen in die relativ warme Umgebung. Ein paar Meter weiter steht vielleicht ein Haus oder ist ein Wald: Diese geben selbst Wärmestrahlung ab – aber reflektieren auch die Wärmestrahlung der Autos wieder zurück.

Warum Scheiben vereisen können

Doch warum frieren Scheiben überhaupt zu? Das hängt mit der unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeit von Luft und Glas zusammen: Die Autoscheibe leitet Wärme viel schneller als Luft und kühlt deswegen wesentlich schneller aus. Das bedeutet, dass die Autoscheiben kälter werden als die Umgebungsluft! Was dann passiert, kennt jeder Brillenträger aus leidvoller Erfahrung. Kommt man aus der Kälte in einen warmen Raum, beschlagen die Brillengläser. Genau das passiert auch bei den Autoscheiben. Sie kühlen schneller ab als die Umgebungsluft und der Wasserdampf, der in der wärmeren Luft enthalten ist, kondensiert am kälteren Glas. Es bildet sich Kondenswasser – und das gefriert bei Minus-Temperaturen.

Text Axel Bach

Film VisualBridges: Jonas Lang und Wolfgang Meschede mit Isabel Hecker



Kopfball - weitere Informationen zur Sendung


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