Sendung vom 07. Februar 2010
Alois Pauli, Sebastian Schmidt und David Schäfer fragen:
Ob aus Hollywood-Filmen, dem Tatort oder den Nachrichten – die Bilder von Menschen, die mit einer Pistole oder dem Gewehr in die Luft schießen, kennt jeder. Aber was passiert mit den Kugeln, wenn sie wieder herunterkommen? Wie gefährlich ist das für Menschen? Und wie weit können Gewehrkugeln überhaupt fliegen? Das wollten die Kopfballzuschauer Alois Pauli, Sebastian Schmidt und David Schäfer wissen und Kopfball-Reporter Burkhardt testet das auf dem größten Schießplatz Westeuropas. Dort können die abgeschossenen Gewehrkugeln mit einem Spezial-Radar verfolgt werden.
Cetin
schrieb am 25.12.2011, 22:57 Uhr
Hallo Nina, was du schreibst, stimmt nicht ganz, denn es gibt den Ausnahmefall der senkrecht hochgeschossenen Kugel. Diese verliert ihre Geschwindigkeit so weit, bis sie am Umkehrpunkt quasi für den Bruchteil einer Sekunde im Stillstand verharrt und dann herunterfällt.
nina
schrieb am 04.12.2011, 10:49 Uhr
aha. sehr spannend, dass die kugel schneller runterfällt als wenn man sie von gleicher höhe runterfallen lässt. wäre dies auch der fall, wenn das geschoss wirklich die form einer geometrischen kugel hätte? freue mich über jede antwort
Chris
schrieb am 26.11.2010, 20:03 Uhr
Klar, mit Echolot und Schallwellen geht da nichts mehr. Gemessen wird so etwas über ein Doppler-Radar. Ein Radar strahlt ja Radiowellen ab, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Ein kleiner Teil der Radiowellen wird dann von dem Projektil reflektiert. Um jetzt zu messen, wie schnell sich etwas bewegt, nutzt man den Doppler-Effekt.
Das funktioniert ähnlich, wie bei Schallwellen. Da die Schallgeschwindigkeit in einem Medium konstant ist, werden die Schallwellen einer Queller, die sich auf einen Beobachter zubewegt "zusammengedrückt". Der Ton erscheint uns also höher. Genau umgekehrt verhält es sich, wenn sich eine Schallquelle von dem Beobachter entfernt. Die Frequenzverschiebung kann man messen und daraus errechnen, wie sich die Quelle relativ zum Beobachter bewegt.
Bei Radiowellen ist der gleiche Effekt zu beobachten, allerdings ist die Begründung für die Frequenzverschiebung ein anderer. Radiowellen brauchen kein Medium um sich ausbreiten zu können. Daher braucht man um den Doppler-Effekt bei Radiowellen erklären zu können die spezielle Relativitätstheorie. Das würde aber hier zu weit führen.
Um zu messen, wo sich das Objekt befindet, muss man auch wieder weiter ausholen. Beim klassischen Radar rotiert die Sende-/Empfangsantenne und da die Lichtgeschwindigkeit so hoch ist, empfängt man das Radarecho praktisch sofort, nachdem es das Objekt getroffen hat. Je nachdem, an welcher Position sich die Antenne zum Zeitpunkt des Echos befunden hat, weiß unter welchem Winkel zur Radarstation sich das Objekt befindet.
Heutzutage geht das in bestimmten Grenzen auch eleganter als die ganze Antenne rotieren zu lassen. Man kann die Richtung des Radarstrahles durch Überlagerung von vielen Einzelsignalen steuern. So etwas in der Art wird auch das im Clip gezeigte Gerät machen, daß versucht mit dem Strahl auf dem Objekt zu bleiben und es zu verfolgen.
Ich hoffe, daß das verständlich war.
Thomas
schrieb am 14.09.2010, 13:31 Uhr
Der Betrag war sehr interessant.
Mir hat sich beim Zuschauen die Frage gestellt:
Wie wird eigentlich die Bewegung (Ort und Geschwindigkeit) der Kugel gemessen?
Ein normales "Echolot" kann es wohl nicht sein, denn die Schallgeschwindigkeit der Luft beträgt nur ca. 1/3 der Austrittsgeschwindigkeit der Kugel. Die Kugel fliegt also den Schallwellen davon, ohne dass sie reflektiert und somit im Messgerät registriert werden können.
Kennt jemand eine Antwort?
Frank
schrieb am 13.05.2010, 17:27 Uhr
Sehr schöne Begründung auch, warum die Jagd u. a. auf Flugwild mit Schrot durchgeführt wird - die Masse wie auch die Geschwindigkeit der jeweils einzelnen Schrotkörner einer Ladung sind nämlich nicht nur deutlich geringer, durch das Verschießen aus glatten Läufen erhalten die Geschosse auch keinen stabilisierenden Drall, der die Bremswirkung des Luftwiderstands beim runterfallen heraubsetzt.
Wäre nur schön gewesen, den ballistischen Unterschied zwischen Büchsen- und Flintenschüssen anzusprechen. Bei Jagden auf Fasanen, Tauben, Enten u. ä. auf Feldern in Sichtweite machen sich viele Anwohner nämlich oft Sorgen, insbesondere wenn sie Schrotkörner aufs Dach prasseln hören. Diese verbreitete Angst hätte ihnen der Beitrag dann natürlich nehmen können.
Kopfball macht das Experiment mit einer Kugel vom Kaliber 7,62 mm und schießt sie mit dem Gewehr G3 in einem Winkel von 70° schräg in die Luft. Die Kugel fliegt etwa 2300 Meter hoch und fast genauso weit. Nach 47 Sekunden trifft sie mit erstaunlich hoher Geschwindigkeit auf dem Boden auf: Mehr als 525 km/h konnten die Experten messen.
Die Spezialisten der Bundeswehr basteln eine Kugel, die exakt mit
dieser Geschwindigkeit fliegt und zielen damit auf ein
Schädelmodell: Die Kugel dringt tief ein. Sie würde also
auch einen menschlichen Schädel durchschlagen.
Überraschend: Eine geschossene Kugel fällt mit
höherer Geschwindigkeit herab als eine, die man aus derselben
Höhe herunterfallen lässt. Das liegt daran, dass sich die
Kugeln durch das Abschießen etwa 3000 Mal pro Sekunde um ihre
Längsachse drehen. Dieser sogenannte Drall entsteht, weil die
Läufe von Gewehren spiralig geriffelt sind. Die Drehung
verschafft den Kugeln auf ihrer gesamten Flugbahn eine stabile Lage
ohne Taumelbewegungen und Turbulenzen, die die Fallgeschwindigkeit
enorm abbremsen würden.
Der Schuss in die Luft ist also ein denkbar ungeeigneter Ausdruck
der Freude oder Warnung; er ist nämlich extrem
gefährlich. Wie das aufwendige Experiment genau funktionierte
und wie viele Menschen alleine im Großraum von Los Angeles
durch herabfallende Gewehrkugeln sterben mussten, erfahrt ihr im
Film.
Film Daniel Haase mit Burkhardt Weiß
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