Sendung vom 07. März 2010
Ralph Wolesak fragt:
Wie viel Gefühl steckt tatsächlich im menschlichen Herzen? Ist dieses Organ vielleicht doch mehr als nur eine Pumpe? Mit teils drastischen Experimenten zeigt Burkhardt: Viele Gefühle spielen sich nicht nur im Kopf ab, sondern gehen tatsächlich "zu Herzen", wo sie eine deutlich messbare Reaktion hervorrufen – in diesem Fall bei Isabel ...
Timo
schrieb am 13.12.2010, 14:19 Uhr
Also, wenn jemandem das "Herz gebrochen" wird, glaubt man ja auch einen Druck auf der Brust zu spühren, was man "Stein auf der Brust" oder "schweres Herz" nennt. Diese Gefühl kommt, wenn ich mich richtig erinnere, daher, dass sich die Nervenstränge aus dem Gehirn in Höhe des Herzens kreuzen, da die linke Gehirnhälfte für die rechte Körperpartie zuständig ist und umgekehrt. An der Kreuzung der Nevern kommt es dann zu diesem Gefühlsempfinden.
Könnte aber natürlich auch alles nur Quatsch sein. Muss man mal den Neurologen seines Vertrauens fragen?!?
Arne
schrieb am 05.09.2010, 03:11 Uhr
Das war jetzt aber irgendwie kein Stück weit eine wissenschaftliche Erklärung wie das kommt. Ich mein, ist das eine Vorbereitung auf eine eventuell anstehende Flucht? Alte genetische Vererbungen aus unseren frühen Jahren, als wir uns vor wilden Tieren erschrocken haben und bereit sein mussten schnellstmöglich zu fliehen? Müssen bei Aufregung wie Liebe o.ä. vielleicht irgendwelche Drüsen oder das gehirn besser durchblutet werden oder ist das schlicht ein Nebeneffekt eines Hirns in dem mehr Neuronen als sonst durch die Synapsen knallen und andere Regionen streifen und somit höheren Puls verursachen?
H. R. Wahl
schrieb am 08.03.2010, 11:10 Uhr
Das Thema hat auch eine kulturgeschichtliche Dimension: In der Antike galt das Herz lange Zeit als Zentrum der Gefühle und des Denkens - so wurde z.B. den ägyptischen Pharaonen bei der Mumifizierung das Gehirn entfernt, das Herz jedoch in besonders kostbaren Gefäßen aufbewahrt. In der Tradition humanistischer Gelehrsamkeit hielt sich diese Tradition noch bis in die Neuzeit. So ließen etwa die habsburgischen Kaiser ihre Herzen als Ausdruck ihrer besonderen Zuneigung und Verbundenheit in Wien in einer gesonderten Gruft bestatten - usw. Die in antiker Tradition stehende humanistische Bildung ist mithin für diese Zuschreibung - Herz = Sitz der Gefühle - von besonderer Bedeutung.
Dass Gefühle und Emotionen tatsächlich im Herzen entstehen, glaubt schon lange niemand mehr. Spätestens seit der Entdeckung des Blutkreislaufs vor fast 400 Jahren ist klar: Das Herz ist in erster Linie ein Muskel, der Blut durch die Adern pumpt. Als Sitz der Gefühle und Gedanken gilt seitdem das Gehirn. Trotzdem hängt die Herztätigkeit eng mit den Gefühlen zusammen. Denn Gefühle sind keine reine Kopfsache, sondern immer mit körperlichen Reaktionen verbunden. Emotionen beeinflussen den Zustand unseres Körpers und schlagen sich besonders stark – und manchmal auch deutlich hörbar – im Herzen als Motor des Kreislaufs nieder. Da liegt der Gedanke gar nicht fern, dass die Gefühle aus dem Herzen stammen könnten.
Einige Psychologen glauben, dass menschliche Emotionen und Gefühle von uralten Schutzreflexen abstammen. Diese haben gegenüber dem bewussten Erleben nämlich einen großen Vorteil: Sie sind wesentlich schneller. Gefühle stellen sich meistens ein, bevor man überhaupt richtig begriffen hat, woher sie kommen. Unsere Urahnen hatten in ihrem Überlebenskampf in der Wildnis häufig keine Zeit für eine gründliche Analyse der Situation. Ganz grundlegende Emotionen wie beispielsweise Angst erlaubten es ihnen, unvermittelt und schnell zu reagieren, bevor sie eine drohende Gefahr bewusst wahrnehmen konnten.
Wenn man sich erschreckt, bleibt das Herz tatsächlich – wie im Sprichwort – stehen; wenn auch nur sehr kurz. Dass das Herz in überraschenden, schwer durchschaubaren oder ekligen Situationen zunächst langsamer schlägt, machte vor Urzeiten durchaus Sinn: So werden Kräfte gesammelt für Flucht oder Kampf. Außerdem verbessert ein solches Innehalten das Wahrnehmungsvermögen, zum Beispiel das Gehör, und begrenzt im Falle einer Verletzung den Blutverlust. Diese passive Verteidigungshaltung hält allerdings meistens nur wenige Sekunden an. Bestätigt sich in dieser Schrecksekunde eine drohende Gefahr, läuft der Körper sofort zu Höchstleistung auf. Und auch bei dieser sogenannten Kampf- oder Fluchtreaktion nimmt das Herz eine zentrale Rolle ein. Der Herzschlag erhöht sich. Manchmal setzt sogar ein regelrechtes Herzrasen ein. Dadurch strömt mehr Blut durch die Muskeln und versorgt sie mit Sauerstoff. Der Körper ist im Alarmzustand.
Auch positive Gefühle beeinflussen den Herzschlag. Wer schon einmal heftig verliebt oder aus Vorfreude richtig aufgeregt war, kennt das damit verbundene Herzklopfen. Und daher ist der Gedanke gar nicht so befremdlich, dass die Gefühle aus dem Herzen stammen – auch wenn Ursache und Wirkung auf diese Weise vertauscht sind. Denn in der Regel ist nicht das Herz der Auslöser der Gefühle, sondern nur Teil der emotional hervorgerufenen Reaktion. Wie stark Isabels Herz reagiert, wenn Burkhardt sie einigen Tests unterzieht, seht ihr im Film.
Film Tobias Schlößer mit Isabel Hecker und Burkhardt Weiß
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